Earthships – Energieautarke Häuser als kostengünstige Öko-Architektur

Earthships sind Häuser, die aus lokal verfügbaren Baustoffen hergestellt werden und fast ihre komplette Energie selbst erzeugen. Sie haben das Potential, eine neue Ära in der nachhaltigen Architektur einzuleiten. Erdschiffe sind so entworfen, dass sie das Regenwasser nutzen und die eigenen Abwässer selbst reinigen. Kanalisation und zentrale Groß-Kläranlagen könnten damit der Vergangenheit angehören.

Earthships mit Wänden aus Autoreifen und Erde

Produktion und Konsumption in Kreisläufen war eines der Schlüsselprinzipien von Earthships. Herkömmlichen Häuser benötigen energieaufwändige Baustoffe, die lange Transportwege hinter sich haben. Die Nutzung von Zement ist auf ein Mindestmaß reduziert, Steine für die Wände werden nicht benötigt und ansonsten wird auf nachwachsende oder recycelte Baustoffen gesetzt. Hohlräume werden mit alten Getränkedosen oder Glasflaschen ausgefüllt, um Beton zu sparen.

Earthship aus Autoreifen und Getränkedosen
Earthship aus Autoreifen und Getränkedosen (Quelle: Jenny Parkins CC BY-SA 2.0)

Müll als nachhaltiger Baustoff

Das Hauptmaterial der Wände sind Autoreifen, die mit dem Aushub der Baugrube gefüllt werden. Damit werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen: alte Autoreifen gibt es überall im Überfluss (weil es noch keine guten Recycling-Konzepte gibt) und das Füllmaterial kommt kostenlos von der Baustelle. Dadurch fallen nur geringe Transportkosten an. Durch die dicken Wände, vom Durchmesser eines Autoreifens, haben diese genug thermische Masse um die Innenräume vor dem Auskühlen zu schützen. Eine zusätzliche Isolation an der Außenwand ist nicht erforderlich.

Earthship mit Süd-Fassade mit Pflanzenkläranlage
Earthship mit Süd-Fassade mit Pflanzenkläranlage (Quelle: Jenny Parkins CC BY-SA 2.0)

Passivhaus-Konzept mit Glasfassade und dicken Wänden

Earthships sind Passivhäuser, sie brauchen keine Heizung und produzieren ihren eigenen Strom. Durch die Ausrichtung des Gebäudes nach Süden kann ein Maximum der Sonnenenergie für die Heizung eingefangen werden. Einmal durch die Glasfassade, die die Räume direkt wärmt und für die Sonnenkollektoren zur Warmwasserversorgung. Direkt hinter der Fensterfront gibt es Pflanzenbeete, die mit dem Abwasser aus Küche, Waschbecken und Dusche (Grauwasser) bewässert werden. Dies dient der Abwasserreinigung und gleichzeitig können damit Gemüse und Kräuter für die Küche erzeugt werden. Die Abwasserreinigung aus der Toilette (Schwarzwasser) erfolgt außerhalb vom Haus in einer eigenen Pflanzenkläranlage.

Regenwassernutzung und Wasseraufbereitung
Regenwassernutzung und Wasseraufbereitung (Quelle: Jenny Parkins CC BY-SA 2.0)

Die Süd-Seite des Hauses ist als Fensterfront ausgeführt. Alle anderen Seiten sind dicke Wände aus Autoreifen. Auf der Ost- und Westseite vom Gebäude sind hinter den Wänden Regenwasserzisternen eingebaut. Sie sammeln das Wasser vom Dach für die Nutzung im Bad und in der Küche. Bei den meisten Earthships sind die Autoreifenwände außerhalb mit Erde aufgeschüttet. Aus diesem Grund ergibt sich eine Architektur, die sich in die Umgebung einschmiegt.

Earthship-Siedlung an einem Hang
Earthship-Siedlung an einem Hang (Quelle: Jenny Perkins CC BY-SA 2.0)

Nachhaltige Earthship-Architektur in Deutschland

Die Earthship-Architektur ist dahingehend optimiert, so autark wie nur möglich zu sein. Energieeffizienz ist das wichtigste Kriterium. Konsequent angewendet können diese Design-Prinzipien eine hohen Lebensstandard mit eigener Energie- und Wasserversorgung gewährleisten. Auf kostenintensive Infrastruktur wie Kanalisation, Kläranlagen oder zentralisierte Energieversorgung kann verzichtet werden. War es bislang schwierig in Deutschland eine Baugenehmigung für diese Art von Gebäude zu bekommen, ändert sich dies gerade und ein erstes Earthip wurde in  Baden-Württemberg gebaut. Unter Earthship Tempelhof gibt es Bilder vom Bau zu sehen. Auch Führungen werden angeboten.

Dies könnte einen enormen Beitrag für den Klimaschutz in Deutschland und der Welt bedeuten. Denn die privaten Haushalte hierzulande sind mit ihrem Energieverbrauch der drittgrößte Produzent von Treibhausgasen in Deutschland.

Nachteilig an dieser Architektur ist der hohe Flächenverbrauch. Dicke Wände und die maximal zweistöckige Bauweise sind für Städte nicht geeignet. In ländlichen Regionen mit niedrigen Grundstückspreisen ist dies allerdings schon heute eine Möglichkeit, ressourcensparend und kostengünstig zu leben.


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Brennnessel – Warum du nicht auf das Superfood verzichten solltest

Hier die wichtigsten Inhaltsstoffe, mit der die Brennnessel vielen gesunde Lebensmittel weit überlegen ist. Ob als Tee, Spinat oder Salat – suche dir die Form aus, die dir schmeckt. Sie wächst beinahe überall, lässt sich leicht trocknen und zu Tee oder als Zusatz zum Essen verarbeiten. Hier die wichtigsten Inhaltsstoffe, mit der die Brennnessel vielen gesunde Lebensmittel weit überlegen ist. Vielen ist sie nur als brennendes Unkraut am Rand von Feldern und Wegen bekannt, doch in ihr stecken mehr lebenswichtige Mineralstoffe als in manchen Salaten oder Vitamine, auf die viele Früchte neidisch wären.

  • 13-mal so viel Eisen wie in Kopfsalat
  • 70-mal so viel Vitamin C wie in Äpfeln
  • 4-mal so viel Proteine wie in Eiern

Diese Werte sind bezogen auf 100g Brennnessel-Pulver im Vergleich mit frischen Lebensmitteln. Da der Protein-Gehalt so hoch ist, sind Brennnesselprodukte auch schon im Leistungssport bei Bodybuilding als Nahrungsergänzungsmittel für den Muskelaufbau. Aber auch für die vegane Ernährung sind sie eine gute Protein-Quelle (Daten von Nährwertrechner.de)

Weiterhin steckt in den Blättern viel

  • Vitamin A (Regeneration von Haut und Nervensystem und wichtig bei proteinreicher Ernährung)
  • Vitamin B3 (Aufbau von Haut, Muskeln und Nerven)
  • Calcium (Zähne und Knochen)

Wo bekomme ich Brennnesselpulver als Nahrungsergänzungsmittel her?

Sie lassen sich einfach zu einem Strauß sammeln und an einem dunklen und luftigen Ort trocknen. Wenn der Strauß in wenigen Tage getrocknet ist, lassen sich die Blätter zwischen den Fingern leicht in einem Zug vom Stängel abstreifen. Einige Brennhaare überleben das Trocknen, wer also sensible Finger hat sollte Handschuhe tragen. Mittlerweile gibt es im Handel neben dem üblichen Tee auch Brennnesselpulver oder schon verarbeitete Brennnessselpräparate als Nahrungsergänzungmittel kaufen.

Wer keine Brennnesseln zum sammeln in der Nähe hat, kann natürlich auch Brennnessel-Pulver im Handel bestellen. Kaufen muss jedoch nicht sein, da sich Brennnessel-Pulver auch leicht selbst herstellen lässt.

Wie nutze ich Brennnessel-Pulver in der Ernährung?

Das Pulver aus den Blättern kann zu Backwaren wie Brot oder Cracker einfach mit dazu gegeben werden. Es lassen sich auch gut Proteinshakes und Smoothies damit machen, falls gerade keine frischen Brennnesseln zur Hand sind. Aber auch zu Suppen lässt es sich einfach dazugeben und verleiht ihnen einen nussig-aromatischen Geschmack. Es kann wie ein Gewürz verwendet werden – je nach geschmacklichem Empfinden. Einfach testen, was gefällt.

Hier die Vorteile der Brennnessel, die sie gegenüber vielen Salaten und Früchten hat:

1. Brennesseln können fast das gesamte Jahr geerntet werden

Brennnesseln sind mehrjährige Pflanzen. Sie bilden ein unterirdisches Wurzelsystem, in dem sie Nährstoffe speichern und sich in der unmittelbaren Umgebung ausbreiten. Deswegen stehen sie immer in größeren Ansammlungen weil es sich oft um ein- und dieselbe Pflanze handelt. So kann schnell mit Schere und Handschuhen ein Strauß gepflückt werden. Sie wachsen überall dort in Massen, wo Erde bewegt wurde. Sie lieben die Ränder von Feldern und Wäldern. Brennnesseln lieben nährstoffreichen, sandige Böden, Durch ihre Brennhaare schützen sie sich vor vielen Tieren. Wer nicht seinen Salat aufwändig vor Schnecken schützen möchte, ist mit einer kleinen Brennnessel-Ecke im Garten oder einer Brachfläche in der Nähe bestens mit gesundem Wildgemüse versorgt.

2. Brennnesseltee als Textilien und Dünger – Brennnessel als Alleskönner

Wer Brennnesseln als Salat, Spinat oder Pesto nutzen möchte, sollte nur die Triebspitzen verwenden, da sie am aromatischsten sind. Vom Geschmack mit Spinat vergleichbar. Für Tee und Pulver eigenen sich die Blätter der gesamten Pflanze. Früher wurde aus den Fasern des Stängels Nesseltuch oder Seile hergestellt, da die Faser besonders reißfest sind. Dies ist auch der Grund, warum man sie besser mit einer Schere abschneidet, statt sie auszureißen. In Form von selbstgemachter Brennnessel-Jauche wird sie in vielen Ländern als Biodünger eingesetzt.


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Pilze auf Kaffeesatz züchten: Mein erster Shiitake Pilz

Selber Pilze züchten ist einfacher als gedacht. Mit altem Kaffeesatz, Sägespäne und einfachen Küchenutensilien lassen sich aus Biomüll eigene Shiitake Pilze züchten. Diese Anleitung zeigt dir meinen Weg zum ersten Shiitake-Pilz.

Shiitake, der König der Pilze

Shiitake ist einer der begehrtesten Speisepilze, besonders in Ostasien. In China wird er aufgrund seiner Inhaltsstoffe in der traditionellen chinesischen Medizin gegen Tumore, Entzündungen oder Arteriosklerose als wirksamster Heilpilz eingesetzt. Er enthält Vitamine und Proteine. Besonders Vitamin B12, was für die vegane Ernährung wichtig ist. Als holzzersetzender Baumpilz besiedelt er das Holz toter oder geschwächter Bäume. So wurde er ursprünglich auf Stammstücken von Hartholzbäume gezüchtet, aber auch auf anderen Nährmedien wie Stroh, Kaffee oder Sägespänen wächst der Pilz.

Körnerbrut zum Pilze züchten

Zu Anfang braucht es natürlich Shiitake-Pilze. Aus gekauften Pilzen lassen sich Stücke herausschneiden und auf einem Nährmedium vermehren. Dies ist jedoch recht kompliziert, weil es ein sehr sauberes Arbeiten erfordert. Eine gute Beschreibung liefert Wikibooks über Pilzanbau. Viel einfacher ist es fertige Pilzbrut als Körnerbrut oder Impfdübel zu kaufen.

Da ich Holzstämme beimpfen wollte, habe ich mir Impfdübel bestellt, die mit Shiitake-Mycel bewachsen waren. Meine kamen von Mushroomvalley aus Portugal, sehr netter Verkäufer! In den Tütchen befand sich noch ein wenig Körnerbrut, mit dem damals die Holzdübel besiedelt wurden. Diese wollte ich nicht ungenutzt wegwerfen, deshalb startete ich das Experiment mit Kaffeesatz. Die eigentlichen Impdübel habe ich für meine Holzstämme aus Linde und Walnuss benutzt.

Update: nach diesem Experiment habe ich die Methode verbessert und hier in einer genaueren Anleitung beschrieben.

Pilzzucht auf Kaffeesatz und Sägespänen

Schon früher hatte ich Kaffeesatz gesammelt, der mir aber immer nach ein paar Tagen verschimmelt ist. Das zeigt, wie viele Nährstoffe noch in dem Kaffesatz stecken. Um die wenige Körnerbrut nicht an den Schimmel zu verlieren, muss der Kaffeesatz frei von jeglichen Sporen anderer Pilze sein. Da ich Espresso liebe, habe ich mehrere Espressokannen. Wenn in ihnen Espresso zubereitet wird, wird heißes Wasser mit hohem Druck durch den Kaffee gepresst. Das Resultat ist Kaffesatz, wo garantiert nichts mehr drin lebt. Nach dem Abkühlen habe ich eine dieser Kannen aufgeschraubt und ein wenig Körnerbrut auf den Kaffeesatz gelegt, zugeschraubt und den Kocher in einer Tüte auf die Heizung gestellt.

Shiitake-Myzel auf Kaffeesatz in einem Espressokocher
Shiitake-Myzel auf Kaffeesatz in einem Espressokocher

Nach circa zwei Wochen war der Kaffeesatz gut durchwachsen. Die Getreidekörner aus der Körnerbrut sind noch gut zu erkennen. Für die weitere Vermehrung, habe ich ein Gemisch aus Sägespänen und Kaffeesatz hergestellt. Als Mischungsverhältnis habe ich zu zwei Teilen Sägespäne einen Teil Kaffeesatz reingemischt. Zum Sterilisieren habe ich es in einer Schale in einem Schnellkochtopf für circa 45 Minuten gekocht.

Substrat mit Körnerbrut und Kaffeesatz impfen

Nach dem langsamen Abkühlen habe ich den mit Shiitake-Myzel durchwachsenen Kaffeesatz unter das Substrat gemischt.

Substrat mit Kaffeesatz-Myzel impfen
Substrat mit Kaffeesatz-Myzel impfen

Das ganze dann in eine Tüte gegeben und an einem warmen, dunklen Ort stehenlassen. Die Tüte nicht luftdicht verschließen – Pilze brauchen Sauerstoff zum wachsen. Einfach mit einem Watte-Stopfen das Luftloch verschließen. So ist für den Luftaustausch gesorgt, ohne dass andere Pilze oder Bakterien das Substrat besiedeln können – das habe ich leider erst später gelernt, nach dem lange Zeit der Pilz nicht wachsen wollte.

Der erste Shiitake auf Kaffeesatz wird geerntet

Ein paar Wochen später die Überraschung: der erste Shiitake-Pilz drückt beult die Abdeckfolie aus.

der erste Pilz wächst im Kaffeesatz-Sägespäne Substrat
der erste Pilz wächst im Kaffeesatz-Sägespäne Substrat

Die weißen Stellen sind das Myzel – ebenso die tief braunen. Was nicht appetitlich ausschaut ist in Wahrheit der eigentliche Shiitake-Pilz. Das was wir essen und als Pilz betrachten sind nur seine „Fortpflanzungsorgane“.


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4 Gründe, warum Leitungswasser nachhaltiger ist, als Mineralwasser aus der Flasche

Mineralwasser in Flaschen ist circa 450-mal umweltschädlicher als Leitungswasser. Studien belegen, dass Leistungswasser in vielen Fällen gesünder ist, als abgefülltes Trinkwasser in Flaschen. Fakten zur Nachhaltigkeit von Mineralwasser und Leitungswasser aus dem Hahn.

1. Ökobilanz: Leitungswasser und Mineralwasser aus der Flasche im Vergleich

Eine Studie aus der Schweiz hat versucht, die Ökobilanz beider Produkte zu vergleichen. Dazu wurden die Prozesse der Trinkwassergewinnung von Leitungswasser, wie auch von Mineralwasser, bezogen auf ihren gesamten Produktlebenszyklus verglichen. Dies beinhaltet beim Leitungswasser die Trinkwassergewinnung, Aufbereitung und Transport durch das Trinkwassernetz. Beim Mineralwasser die Flaschenherstellung, Abfüllung und den Transport. Hier zeigte sich, dass stilles, ungekühltes Mineralwasser durchschnittlich etwa 450-mal mehr die Umwelt belastet, als Trinkwasser aus dem Hahn. Wichtige Einflussfaktoren auf das Ergebnis waren:

  • Herkunft des Mineralwassers (Transportdistanz Quelle-Supermarkt)
  • Kühlung von Wasserflaschen (Supermarkt und heimische Küche)
  • Transport der Wasserflaschen vom Supermarkt bis in die Wohnung

Beim Trinkwasser aus der Leitung kann die Ökobilanz deutlich verbessert werden, wenn es vor dem Trinken nicht gekühlt oder in einem Wassersprudler (Soda-Gerät) mit Kohlensäure versetzt. Wer nicht auf einen Wassersprudler verzichten möchte, kann die Ökobilanz durch seinen konsequenten Einsatz verbessern. Er sollte mindestens für einen Liter pro Tag über fünf Jahre hinweg genutzt werden. Dann lohnt sich die Anschaffung eines Sprudlers finanziell und auch ökologisch.

2. Transportwege: LKW-Transporte von Wasserflaschen belasten die Umwelt

Trinkwasser in Flaschen werden meist per LKW von den Abfüllanlagen über Umwege bis in die Supermärkte gebracht. Die zurückgelegte Transportstrecke einer Wasserflasche hängt damit von deren Abfüllort ab. Regionale Wasserquellen sind also zu bevorzugen, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Greenpeace Stuttgart hat exemplarisch die unterschiedlichen Trinkwasserflaschen in Stuttgarts Supermärkten untersucht. Ergebnis: die Trinkwasserflaschen aus der Region, hatte nur 37 Kilometer bis zum Supermarkt zurückgelegt. Das am weitesten gereiste Wasser stammt aus dem französischen Zentralmassiv. Es hatte ein Transportstrecke von 769 Kilometern. Im Durchschnitt wurden die Wasserflaschen ca. 256 Kilometer weit transportiert. Mit dem Wasser muss natürlich auch die Verpackung – also Glas- oder Plastikflaschen – mittransportiert werden, einmal zur Abfüllanlage, zuammen mit dem Mineralwasser in den Supermarkt und dann nach Hause. Ausgetrunken wird die Flasche im Recyclingsystem entweder gespült und wieder befüllt (Mehrweg: Glas- und robuste Plastikflaschen) oder zerkleinert und zu anderen Plastikprodukten weiterverarbeitet (Einweg: dünne PET-Plastikflaschen).

3. Qualität: Leitungswasser wird strenger kontrolliert als Mineral- und Tafelwasser

Leitungswasser ist wohl eines, der am strengsten kontrolliertesten Lebensmittel in Deutschland. Laut der Trinkwasserverordnung, wird Leitungswasser auf insgesamt 36 Stoffe untersucht, die in hohen Mengen für die Gesundheit bedenklich sind. Die Mineral- und Tafelwasserverordnung schreiben nur die Untersuchung auf 23 Stoffe vor. Trinkwasser wird beispielsweise auf Pestizide bzw. Pflanzenschutzmittel untersucht, Tafel- und Mineralwasser nicht. Durch diese Untersuchungen, die in allen Trinkwasseraufbereitungswerken durchgeführt werden, ergibt sich ein flächendeckendes Bild von der Belastung von Grundwasser oder Oberflächenwasser von Flüssen und Seen durch Dünger und Pestizide.

4. Weichmacher, BPA und andere hormonell wirkende Substanzen in PET-Plastikflaschen

Ein besonderer Aspekt kommt noch bei Mineralwasser in Plastikflaschen zum Tragen. Viele Substanzen, die aus der Plastikflasche in das Mineralwasser übergehen, wirken auf das Hormonsystem des Menschen. In einer Studie von Toxikologen wurden Glas- und Mineralwasserflaschen auf hormonell wirkende Substanzen untersucht. Im Experiment wurden Schnecken in den Flaschen gehalten und deren Vermehrungsraten miteinander verglichen. Schnecken sind dafür bekannt, dass sie sensibel auf Östrogen-artige Substanzen reagieren. Östrogen gehört zu den weiblichen Sexualhormonen. Die Schnecken in PET-Plastikflaschen verdoppelten ihre Fortpflanzung. Die Forscher führen dies auf Chemikalien zurück, die aus dem Plastik der PET-Flaschen heraustreten und das Hormonsystem der Schnecken verändern.

Leitungswasser: nachhaltiger als sein Ruf!

Aus diesen Gründen empfehlen die Toxikologen zum Trinken Leitungswasser aus dem Wasserhahn zu nehmen. Dies ist nicht nur streng kontrolliert, sondern auch frei von Umwelthormonen. Es muss nicht aufwändig transportiert werden, kommt aus der Region und es fällt kein Plastikmüll an. Im Vergleich zu Trinkwasser aus dem Supermarkt kostet es fast nichts und lästiges Schleppen der Flaschen ist nicht notwendig. Der Geschmack von Leitungswasser ist abhängig von der Herkunft und der Qualität der Wasserleitungen. Wer es nicht mag, kann es durch Wasser-Sprudler mit Kohlensäure versetzen oder mit Zitronensaft oder Gurkenscheiben verbessern.


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3 Gründe sich statt vegetarisch konsequent vegan zu ernähren

Viele Menschen entscheiden sich aus Umweltschutz und ethischen Gründen dazu, sich fleischfrei zu ernähren. Doch ohne Tiermast und Schlachthöfe funktioniert auch eine vegetarische Ernährung nicht. Was ist der Unterschied zwischen vegan und vegetarisch? 3 Gründe, warum eine vegane Ernährung der vegetarischen vorzuziehen ist.

10% der deutschen Bevölkerung ernähren sich vegetarisch, 1,1% leben vegan (Quelle: Reishunger)

1. Tierschutz – auch bei vegetarischer Ernährung werden Tiere geschlachtet

Keine Tiere zu essen bedeutet nicht, dass Tiere dadurch nicht transportiert, gemästet und geschlachtet werden. Die Produktionsbetriebe für Milch und Eier sind quasi identisch mit den Betrieben für die Fleischproduktion.

Ohne Steak, keine Milch – ohne Milch, keinen Käse

Die Milchkuh gibt Milch, doch das macht sie nicht freiwillig. Kühe lassen sich nur melken, wenn sie ihre Kälber säugen. Eine Milchkuh hat etwa eine Lebenserwartung von vier bis fünf Jahren. Dann sinkt ihre Milchleistung und Krankheiten häufen sich. Die Kuh ist nicht mehr profitabel genug und wird geschlachtet. Da ihr Fleisch durch die intensive Milchproduktion nicht mehr besonders schmackhaft ist, wird es nur noch als Hackfleisch weiterverarbeitet und landet in der Fleischtheke.
In der Lebenszeit einer Milchkuh kalbt diese circa drei bis vier Mal. Die Kälber werden zeitnah von der Mutterkuh getrennt – denn ihre Milch ist für den Menschen bestimmt und nicht für das Kalb. Die männlichen Kälber gehen entweder in die Kälbermast (fünf bis sechs Monate) oder in die Bullenmast (15 bis 18 Monate) und werden anschließend geschlachtet. Den weibliche Kälbern ist  entweder eine Zukunft als Milchkuh vorherbestimmt oder sie wandern, wie ihre männlichen Artgenossen, in die Kälbermast.

Männliche Küken als Abfall

Nicht anders läuft es in der Produktion von Eiern ab. In befruchteten Eier reifen entweder Hähne oder Hennen heran. Da in der Fleischindustrie spezielle Hühnerlinien genutzt werden, legen diese als Legehenne entweder viele Eier oder haben als Masthühner einen hohen Fleischansatz. Männliche Küken von Legehennen können natürlich keine Eier legen. Auch zur Mast taugen sie nicht, weil sie weniger Fleischansatz haben als Masthühner. Sie haben dadurch keine Wert und werden kurz nach dem Schlüpfen getötet. Entweder sie landen im Schredder oder werden vergast.

2. Umweltschutz – Futtermittelproduktion verbraucht einen Großteil der weltweiten Ackerflächen

Circa 90% der weltweiten Soja-Ernte und 50% des weltweit angebauten Getreides wird ausschließlich zur Tiermast verwendet. Dies ist ein sehr verschwenderischer Weg, um die notwendigen Kalorien für die Ernährung zu bekommen. Denn für die Produktion von 1kg Fleisch braucht es 22kg Getreide und 20.000l Wasser. [Quelle: Ist vegane Ernährung gesund?]
Würden sich alle Menschen vegetarisch ernähren, würde zwar die Zahl der Masttiere sinken, doch ohne Futtermittelproduktion könnte der weltweit steigende Bedarf an Milch, Käse, tierischen Fetten und Lederprodukten nicht befriedigt werden.

Nicht zu vernachlässigen ist der Beitrag der konventionellen Landwirtschaft mit Gülle Kunstdünger zum Klimawandel. Durch dessen Folgen wie starke Niederschläge oder lange Trockenzeiten kommt es in einigen Regionen zu Hungersnöten. Klimaflüchtlinge sind die Folge.

3. Menschenschutz – vegane Ernährung reduziert Landgrabbing

Als Landgrabbing oder Landraub bzw. Landnahme wird die oftmals gewaltätige Aneignung von Landflächen bezeichnet. Auftraggeber sind internationale Agrarkonzerne, Banken, Pensionskassen oder andere mächtige Institutionen oder Gruppen. Die ansässige Bevölkerung verliert damit die Möglichkeit, selbst Nahrungsmittel für den Eigenverbrauch oder als Einkommensquelle anzubauen. Vertreibung, Flucht und Armut sind die Folgen. Auf den illegitim angeeigneten Agrarflächen werden dann Agrarprodukte für den Weltmarkt produziert. Also auch Futtermittel für die Tiermast. Schätzungen zufolge, gehen weltweit von 50 Millionen bis 220 Millionen Hektar Ackerland aus, die durch Landgrabbing enteignet wurden. Zum Vergleich: die EU hat eine Fläche von 180 Millionen Hektar.

Landlosenbewegung – die Opfer von Landgrabbing organisieren sich

Im „Sojagürtel“ von Südamerika werden hauptsächlich Sojabohnen für die europäische Tierhaltung angebaut. Dieser erstreckt sich über Brasilien, Paraguay und Argentinien. In riesigen Monokulturen werden hier mit hohem Einsatz von Pestiziden und Dünger gentechnisch verändertes Soja angebaut. Das Nachsehen haben zehntausende Bauern und Bäuerinnen, die von ihren Feldern vertrieben wurden. Denn je größer die Monokulturen sind, desto eher rentiert sich die kapitalintensive Landwirtschaft mit teurem Saatgut und High-Tech Landwirtschaftsmaschinen. Die Vertriebenen haben sich zu zahlreichen Landlosenbewegungen zusammengeschlossen. Die größten sind zum Beispiel die international ausgerichtete Organisation La Via Campesina (dt.: der bäuerliche Weg) oder in Brasilien die Movimento dos Sem Terra (dt.: Bewegung der Landarbeiter ohne Boden). Beide setzen sich für eine Landreform und eine gerechte Justiz ein. Sie kritisieren die Willkür von Polizei und Militär in den betroffenen Ländern und den Einfluss von großen multinationalen Agrarkonzernen auf Politik. Werden Feldfrüchte direkt gegessen (also vegan – ohne Umweg über Tiere) ist Flächenverbrauch nur ein Bruchteil im Vegleich mit Futtermittelanbau.

Vegan ist das konsequente Vegetarisch

Die Art und Weise wie wir uns ernähren hat großen Einfluss auf die Umwelt und die Lebensbedingungen der Menschen, die direkt oder indirekt von der Nahrungsmittelproduktion betroffen sind. Die Weg der Nahrungsmittel ist viel weiter als nur bis zum nächsten Supermarkt. Die Produktionskette vieler Nahrungsmittel (besonders von tierischen Produkten) reicht quer über den gesamten Globus. Die Änderung von einer fleischhaltigen Ernährungsweise hin zu einem vegetarischen Konsumstil geht in die richtige Richtung. Vegetarismus ist ein sinnvolles Übergangsstadium hin zum Veganismus. Wer vegan lebt, entscheidet sich konsequent für den Schutz von Menschenrechten, sowie Tier- und Umweltschutz.


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Ökologischer Fußabdruck – seit dieser Woche zerstören wir unsere Lebensgrundlage

Am 1. August  2018 war der Tag, an dem wir alle erneuerbaren Ressourcen der Erde für dieses Jahr aufgebraucht haben. Für den Rest des Jahres betreiben wir Raubbau an der Natur und leben über unsere ökologischen Grenzen. Wie hat sich unser ökologischer Fußabdruck verändert und wie steht es im Ländervergleich?

World Overshoot Day – der Tag an dem wir über die Verhältnisse leben

Das Global Footprint Network errechnet für jedes Jahr den Zeitpunkt, an welchem wir jedes Jahr die ökologische Belastungsgrenze für das Leben auf der Erde erreichen. Der Earth Overshoot Day  für das Jahr 2018 war diese Woche. Dies bedeutet, dass wir für den Rest des Jahres mehr Wälder abholzen, als nachwachsen können, mehr Fische fangen, als für die Erholung der Fischbestände benötigt werden und mehr CO2 durch die Verbrennung von Öl und Kohle ausstoßen, als die Wälder und Ozeane absorbieren können.

Verbrauch an Erden pro Land, wenn alle denselben Lebensstil hätten (Daten: 2016 www.overshootday.org)
Verbrauch an Erden pro Land, wenn alle denselben Lebensstil hätten (Daten: 2016 www.overshootday.org)

Wie wird der ökologische Fußabdruck berechnet?

Das Footprint Network ist eine Forschungseinrichtung, die sich der Berechnung von regionalen und nationalen Flächenverbräuchen widmet. Zu diesem Zweck werden wie in einem Buchhaltungssystem die Flächen an intakten Biosystemen berechnet, die Menschen in einer Region brauchen, um ihre Konsumbedürfnisse zu befriedigen. Zum Beispiel für die Menge des Fleisch- und Fischkonsums wird die notwendige Fläche berechnet, die an Weideland und Fischereigebieten notwendig ist, um diesen Bedarf zu decken. Alle Flächenanteile für die Herstellung der Konsumgüter werden addiert und bilden damit den ökologischen Fußabdruck für die Menschen in einem Land. Der World Overshoot Day ist der Tag, an welchem alle Menschen auf der Welt die Ressourcen konsumiert haben, die auf unserem Planeten innerhalb seiner ökologischen Grenzen erzeugt werden können.

Eigenen Fußabruck berechnen

Wie ist dein ökologischer Fußabdruck? Dafür findes du im Netz verschiedene Rechner, die anhand von einzelnen Fragen deinen Flächenverbrauch berechnen. So erfährst du, wie viele Erden benötigt würden, wenn alle deinen Lebensstil hätten.

Ökologischer Fußabdruck der Menschheit wächst

Der Tag, an dem der World-Overschoot-Day ist, verlagert sich immer weiter an dem Jahresanfang. Das heißt, trotz Zunahme von ökologischem Bewusstsein in der Bevölkerung, wächst der Ressourcenverbrauch der Menschheit. 1971 war das Jahr, an dem die Menschheit erstmals am 21. Dezember alle Ressourcen für das laufende Jahr vor Jahresende verbraucht hatte. Dieser Tag verschob sich von von Jahr zu Jahr immer weiter in Richtung Jahresbeginn – bis zum 1. August 2018.

Armut ist ökologisch vorteilhaft

Hätte alle Menschen den Flächenverbrauch von Indien, würden wir prima auf unserem einen Planeten leben können – es wäre eine global nachhaltige Gesellschaft. Erstaunlich ist, dass je ärmer die Bevölkerung eines Landes ist, desto ökologischer lebt sie. In der Studie wurden 150 Länder miteinander verglichen. Die EinwohnerInnen von Eritrea leben am nachhaltigsten. Dicht gefolgt von der Bevölkerung von Osttimor und Haiti. Den größten Flächenverbrauch pro Kopf hat Luxembourg, Australien, USA und Kanada.

Ländervergleich – Unterschiede im Lebens- und Konsumstil

Die Studie vom Footprint Network unterscheidet einzelne Länder und berechnet den Flächenverbrauch der notwendig wäre, wenn alle Menschen den Lebens- und Konsumstil der EinwohnerInnen dieses Landes hätten. Das Land mit dem größten Fußabdruck ist Australien mit 5,4 Erden, dicht gefolgt von den USA mit 4,8 Erden. Da Australien eher dünn besiedelt ist, reicht die Fläche von Australien aus, um alle EinwohnerInnen zu versorgen. Die USA allerdings bräuchte eine Fläche, die mehr als doppelt so groß wäre, wie das eigene Land. Deutschland steht mit 3,1 Erden auf Platz 6 und bräuchte ebenso mehr als die doppelte Landesfläche. China steht auf Platz 12 und wir bräuchte nur 2,0 Erden, wenn wir alle in China leben würden.

Armut ist ökologisch vorteilhaft

Hätte alle Menschen den Flächenverbrauch von Indien, würden wir prima auf unserem einen Planeten leben können – es wäre eine global nachhaltige Gesellschaft. Erstaunlich ist, dass je ärmer die Bevölkerung eines Landes ist, desto ökologischer lebt sie. In der Studie wurden 150 Länder miteinander verglichen. Die EinwohnerInnen von Eritrea leben am nachhaltigsten. Dicht gefolgt von der Bevölkerung von Osttimor und Haiti. Den größten Flächenverbrauch pro Kopf hat Luxembourg, Australien, USA und Kanada.

Warum China ökologischer ist als gedacht

Durch die Bevölkerungsgröße (ca. 1,4 Mrd) ist China das Land, was global den größten Flächenverbrauch hat. Gleich danach kommt die USA mit nur 0,32 Mrd EinwohnerInnen und dann Indien (1,2 Mrd) und Russland mit 0,14 Mrd EinwohnerInnen. Dies zeigt, dass China und Indien zwar einen hohen Flächenverbrauch haben, aber pro Kopf betrachtet sehr viel ökologischer leben als wir in Europa, Nordamerika oder Japan. Erst ein umweltschädlicher Konsumstil mit Flugreisen, Privatauto, Einfamilienhaus und fleischreicher Ernährung machen es möglich, dass der Flächenverbrauch viel höher ist, als unser Ökosystem verkraften kann. Aus diesem Grund ist der ökologische Fußabdruck in hoch industriealisierten Ländern so hoch.


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Anstieg des Meeresspiegels – Karte der Gebiete, die in Deutschland betroffen sind

Wie sieht die deutsche Küste aus, wenn der Meeresspiegel um 5 Meter steigt? Durch den Klimawandel schmelzen die Polkappen und der Meeresspiegel steigt. Überflutungen an den Küsten von Nordsee und Ostsee werden zunehmen, bis weite Teile Norddeutschlands unter Wasser stehen. Eine interaktive Karte zeigt die Gebiete, die dem Meeresspiegelanstieg zum Opfer fallen werden.

Globaler Anstieg vom Meeresspiegel

Kleine Inselstaaten wie die Malediven, die teilweise nur circa einem Meter über dem Meeresspiegel liegen, trifft der Klimawandel am härtesten. Jede Sturmflut spült ein Teil der Küste in den Ozean, bis ein kompletter Staat verschwunden ist. Doch das Problem trifft nicht nur die Ozeane. Auch die Meeresspiegel von Nord- und Ostsee steigen kontinuierlich. Stark betroffen sind Gebiete mit flachen Küsten und Flussdeltas. Global lebt die Mehrheit der Menschen in Gebieten, die nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegen. Circa acht der zehn größten Städte der Welt liegen in niedrigen Küstenbereichen.

Karte mit überfluteten Gebieten in Deutschland

Die Seite Floodmaps ist eine interaktive Karte, die anhand eines selbst gewählten Anstieg des Meeresspiegels die dadurch überfluteten Regionen darstellt. Auf Grundlage einer Karte von Google Maps wird anhand der Höhendaten von der NASA eine zweite Karte mit den überfluteten Gebieten gelegt. Beispielsweise ist ein Anstieg des Meeresspiegels von 5m bis 2100 laut dem US-amerikanischen Klimaforscher James Hansen durchaus realistisch. Die Karte zeigt für Deutschland bei einem um fünf Meter gestiegenen Meeresspiegel, dass weite Teile der Nordseeküste unter Wasser stehen. Oldenburg und Bremen liegen dann direkt an der Küste. Eine langgezogene Bucht erstreckt sich bis nach Lüneburg und die niederländischen Städte Amsterdamm und Rotterdamm teilen zusammen mit den ostfriesischen Inseln dasselbe Schicksal: sie sind von der Bildfläche verschwunden und liegen auf dem Grund der Nordsee.

Warum steigt der Meeresspiegel, wenn die Pole schmelzen?

Durch den Klimawandel erwärmt sich die Atmosphäre. Dadurch schmelzen die Eisschilde an den Polkappen und das Schmelzwasser lässt die Gesamtwassermenge der Ozeane ansteigen. Doch dies ist nicht die einzige Ursache. Je wärmer das Wasser wird, desto mehr dehnt es sich aus. Also auch ohne das Schmelzwasser von den Eisschilden in Grönland und der Antarktis würden sich die Meere durch die Klimaerwärmung ausdehnen, was zu einem Anstieg des Meerespiegels führt. Zusätzlich zu den Polkappen schmelzen auch die Gletscher in den Gebirgen, die letztendlich über die Flüsse ins Meer münden und dadurch auch einen Beitrag am Anstieg haben.

Klimaflüchtlinge als Folge von einem steigenden Meeresspiegel?

Steigt der Meeresspiegel, kommt es immer häufiger zu Überflutungen an den Küstenregionen. In Zukunft müssen alle Nationen verstärkt in Küstenschutzprogramme investieren, um ihre Bevölkerung zu schützen. Nicht jeder Staat kann seine EinwohnerInnen schützen. Bangkok, Mumbai, Shanghai, London und New York sind alles Millionenstädte, die direkt an der Küste liegen. Für vielen Menschen, besonders in Stadtteilen in denen Menschen mit geringem Einkommen wohnen, werden die Überflutungen zu einem Fluchtgrund werden. Doch auch in Regionen ohne direkte Überflutungsgefahr, kann der Anstieg des Meeresspiegels zu einem Problem werden. Neben dem Eis auf den Polen schmelzen auch die Gletscher in den Gebirgen. Dies kann zu zwei Problemen führen: Überschwemmungen an Flüssen, da das Schmelzwasser nicht schnell genug abgeführt werden kann und ein Versiegen von Flüssen, wenn die Gletscher komplett abgeschmolzen sind. Damit kann es zu Problemen mit der Trinkwasserversorgung kommen. In welchen Regionen es schon jetzt zu Klimaflüchtlingen kommt, zeigt diese Karte.

Armut durch Versalzung der Böden

Durch das salzige Meerwasser wird Agrarfläche in Küstennähe unbrauchbar. Viele Arbeitsplätze in der Landwirtschaft werden dadurch vernichtet. Salzwassereinbrüche ins Grundwasser machen nicht nur den Anbau von Nutzpflanzen unmöglich. Auch das Trinkwasser für die dort lebenden Menschen muss einergieaufwändig gereinigt werden. Durch Umkehrosmose-Anlage kann aus Salzwasser wieder Trinkwasser gewonnen werden, doch der Preis dafür ist enorm, da die Anlagen viel Energie benötigen. So führt der Anstieg des Meeresspiegels indirekt zur Verarmung und ganzer Landstriche – diese Menschen werden woanders eine neue Heimat suchen müssen. Am Beispiel von Bangladesch wird schon jetzt deutlich, wie die Versalzung die Versorgung mit Nahrungsmitteln von vielen Menschen bedroht.


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Stromverbrauch selbst berechnen: so berechnen Stromkostenrechner aus Strompreis und kWh die Stromkosten

Die durchschnittlichen Stromkosten von Haushaltsgeräten zu berechnen ist einfacher, als viele denken. Im Internet lassen sich viele Stromkostenrechner finden, die anhand der Leistung der Geräte, der Zeit und dem Strompreis die Energiekosten ausrechnen. Nichts anderes machen Stromkostenmessgeräte. Wer weiß, was Kilowatt pro Stunde (kWh) bedeutet, kann leicht selbst die Stromkosten von Haushaltgeräten berechnen und vergleichen.

Stromverbrauch: Kilowattstunde (kWh) – Watt pro Stunde

Auf jedem Haushaltsgerät ist die elektrische Leistung in Watt (W) angegeben. Sie beschreibt die Leistung, die das Gerät aufnimmt. Eine Wattstunde (Wh) ist damit die Energieaufnahme des Gerätes in einer Stunde, also das Produkt der Leistung (W) mit der Zeit (h). Da hier schnell große Zahlen erreicht werden, wird meist mit Kilowatt gerechnet. Eintausend Watt sind ein Kilowatt (1000 W = 1kW). Dementsprechend ist eine Kilowattstunde die Leistung in Kilowatt eines Gerätes pro Stunde. Dieser Wert ist wichtig, da auch der Strompreis in Cent pro Kilowattstunde angegeben wird. Eine Übersicht zum Strombedarf in Haushalten gibt es auch auf Wikipedia.

Beispiel: Stromkosten von einem PC mit 650W berechnen

Als Beispiel hier die Berechnung von einem PC mit dem effizienten PC-Netzteil, was im Vergleich zu seiner Leistung als besonders energiesparend gilt. Auf jedem elektrischen Gerät mit einem Netzstecker ist die maximale Leistungsaufnahme in Watt angegeben.

Das Netzteil hat eine Energieaufnahme von 650 W bzw. 0,65 kW. Der PC läuft täglich für 4 Stunden unter Volllast.

Stromverbrauch pro Tag = Leistung (kW) * Zeit (h) = 0,65 kW * 4 h = 2,6 kWh

Pro Tag braucht das Netzteil vom PC also 2,6 kWh. Bei einem Strompreis von 25 Cent pro kWh bzw. 0,25 € pro kWh ergeben sich die täglichen Stromkosten von:

Stromkosten pro Tag = Stromverbrauch (kWh) * Strompreis (Cent pro kWh) = 2,6 kWh * 25 Cent = 65 Cent

An einem Tag ergeben sich für den PC Stromkosten von 0,65 €. Pro Monat mit 30 Tagen sind dies schon 19,50 € und auf das Jahr bezogen ergeben sich Energiekosten von 234,00 €. Dieser Wert ergibt sich nur für das Netzteil vom PC. Werden Monitor, Sound-Anlage, Drucker oder anderes Computer-Zubehör über separate Netzstecker mit Strom versorgt, müssen extra Stromkosten berechnet werden.

Konstanten und variablen Stromverbrauch berechnen

Ein Gerät mit einem konstanten Stromverbrauch verbraucht immer die gleiche Leistung, egal wie es genutzt wird. Solch ein Gerät ist z.B. der Wasserkocher oder Lampen, die nicht dimmbar sind. Hier kann für die Berechnung der Stromkosten immer die angegebene Leistung genutzt werden. Haushaltsgeräte mit variablen Stromverbrauch verändern ihre Leistungsaufnahme. Ein Kühlschrank verbraucht nur Strom, wenn er aktiv kühlt. Steht er in einem warmen Raum, braucht er mehr Strom um den Inhalt auf die eingestellte Temperatur herunterzukühlen. Der Stromverbrauch einer Waschmaschine ist abhängig vom gewählten Waschprogramm und der Temperatur des Wassers. Auch Computer gehören zu den Geräten mit variablen Stromverbrauch.

Beim Beispiel von dem PC wurde bei der Berechnung angenommen, dass der Computer unter Volllast läuft. Dies bedeutet, er braucht die gesamte Leistung, die das Netzteil zur Verfügung stellt. Volllast erreichen Computer oft aber nur beim Spielen oder beim Bitcoin Mining. Im Leerlauf oder bei anspruchslosen Aufgaben wie Emails lesen oder Musik hören wird nicht die gesamte Leistung benötigt. Pauschale Prozentangaben können hier nicht gegeben werden, da die Werte mit der verendeten Hardware und Software stark variieren. Hier hilft nur: Messen!

Durchschnittlichen Stromverbrauch mit Stromkostenmessgerät messen

Ein Stromkostenmessgerät kann die momentane Leistungsaufnahme eines Gerätes ermitteln. Es wird zwischen Stromnetz und Verbraucher geschaltet. Was die Spreu vom Weizen trennt, ist die Genauigkeit. Viele Geräte verbrauchen auch Strom, wenn sie ausgeschaltet sind wie z.B. auch ATX-Netzteile. Auch das Ladegerät für ein Smartphone verbraucht Strom, wenn kein Smartphone angeschlossen ist.

Voltcraft Energy-Logger 4000 mit Datenlogger auf SD-Karte

Gute Stromkostenmessgeräte können auch kleine Ströme erkennen und richtig anzeigen. In Tests hat sich das Strommessgerät Energy-Logger 4000 von Voltcraft als brauchbar erwiesen. Es speichert die Messwerte auf einer SD-Karte und kann einen Stromverbrauch ab 1,5 W messen.

Strommessgeräte zur Berechnung der Stromkosten messen die momentane Leistung und die aufgenommene Leistung über einen Zeitraum. Wird der Strompreis eingespeichert, zeigen sie gleich die entstandenen Kosten an. Dabei bedienen sie sich den oben genannten Formeln. Wer sich kein Energiekostenmessgerät kaufen oder leihen kann, kann die Kosten auch selbst mit einem Taschenrechner berechnen. Bei Geräten mit variablen Stromverbrauch können dazu Näherungswerte bestimmt werden. Die Webseite www.stromverbrauch.info zeigt Richtwerte für TV-Geräte, Waschmaschinen, Kühlschränken und Gefrierschränken nach Hersteller und Modell an.


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Kastanien als ökologischem Waschmittel: die lokale Alternative zu Waschnüssen

Taugen Kastanien zum Wäsche waschen? Meine Erfahrung mit einem natürlichen Waschmittel vom Nachbarbaum.

Waschen mit Kastanien?

Ob als Bastelmaterial für Kinder oder als geschätzte Heilpflanze gegen verschiedene Krankheiten. Die Samen der Rosskastanie können vielseitig verwendet werden. Der hohe Gehalt an Saponin in den Kastanien machen sie auch für eine weitere Verwendung interessant: ökologisches Waschmittel.

Saponin als pflanzliches Waschmittel

Der lateinische Name für Seife „sapo“ deutet schon auf die Verwendung hin. Wie auch im indischen Waschsnussbaum enthalten die Samen der Rosskastanie diesen Stoff, um sich gegen Insektenfraß und Pilzbefall zu schützen. Dieser chemische Abwehrstoff hat aber auch die Funktion, zusammen mit Wasser eine fettlösende Waschlauge zu bilden. Genauso wie künstliche Waschmittel auch. Nur das hier die Natur die Herstellung übernimmt und nicht die chemische Industrie.

Waschen mit Kastanien – ein Erfahrungsbericht

Ich habe die Kastanien für diesen Versuch in der dritten Dezemberwoche gesammelt. Entgegen meiner Erwartungen waren diese leicht zu finden. Teilweise sind sie aber schon gut versteckt unter sich zersetzendem Laub oder wurden in Vertiefungen hineingedrückt.

Kastanien, geschält und zerschnitten für die Waschmaschine
Kastanien, geschält und zerschnitten für die Waschmaschine

Die Schalen habe ich anschließend geschält und mit dem Messer zerkleinert. Das Schälen war teilweise recht mühsam, da die Schale nach zwei Tagen im trockenem Zimmer schon recht hart war und sich nur in kleinen Stücken vom Kastanienkern lösten. Beim nächsten Versuch werde ich die Kastanien sofort nach dem Sammeln verarbeiten. Auf dem Niemblog habe ich gelesen, dass die Schale keine färbende Wirkung haben soll. Das heißt, dass das aufwändige Schälen sogar entfallen könnte. Beim nächsten Versuch werde ich sie als Ganzes zerkleinern und in der Waschmaschine testen.

mit Kastanien-Stücken gefüllter Waschbeutel
mit Kastanien-Stücken gefüllter Waschbeutel

Die kleingeschnittenen Kastanienkerne von sechs Kastanien habe ich dann in einem Kunstfaserbeutel mit in die Wäsche gegeben. So brauchte ich das Saponin nicht vorher in einem Glas mit Wasser herauszulösen, um es dann als Flüssigwaschmittel zu nutzen. Das spart Vorbereitungszeit.

Erfahrungsbericht

Mit dem Ergebnis war ich zufrieden. Ich hatte leicht verschmutzte Wäsche bei 50 Grad im Kurzwaschgang gewaschen. Überraschend war der Duft der Wäsche – diese roch absolut neutral. Das war für mich komisch, da ich die künstlichen Duftstoffe vom konventionellem Waschmittel gewohnt war. Die Kastanienstücke im Beutel dufteten nach dem Waschen angenehm nach frischen Sägespänen. Bei der Waschleistung gab es nichts zu kritisieren.

Fazit – Kastanien als nachhaltiges Waschmittel

Im Vergleich mit Wasch-Nüssen braucht die Kastanie keinen Vergleich zu scheuen. Es ist natürlich aufwändiger die Kastanien zu verarbeiten, als sie fertig im Bio-Laden zu kaufen. Dafür sind sie kostenlos und müssen nicht über den halben Planeten transportiert werden. Für die nächste Kastaniensaison heißt es große Mengen sammeln, sofort waschen und zerkleinern und dann anschließend trocknen. Damit können sie genauso genutzt werden wie Waschnüsse – nur noch ökologischer.


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8 Wege für den Alltag Fluchtursachen weltweit zu bekämpfen

Steigende Asylanträge, überfüllte Flüchtlingsheime und eine durch Frontex abgeriegelte EU-Grenze führen dazu, dass sich Flüchtlinge in die Hand von Schleppern begeben müssen. Warum flüchten sie und was hat das mit uns zu tun?

Verantwortung der Industrienationen

Unsere Verantwortung für die Flucht von anderen Menschen ist drückender, als den meisten von uns bewusst ist. Krieg und Armut sind die häufigsten Fluchtursachen. Unser Lebens- und Konsumstil ist eng mit der Wirtschaft in anderen Staaten verknüpft. Lebensmittel, Haushaltswaren und Rohstoffe kaufen wir im Ausland und beeinflussen damit die Lebenssituation der dortigen Bevölkerung. Wir profitieren von schwachen Gewerkschaften und korrupten Regierungen. Dies führt zu schwachen Umweltschutzauflagen und Arbeitsbedingungen, die hier undenkbar wären.

Mit diesen acht Handlungsmöglichkeiten kann jeder in seinem Alltag Fluchtursachen bekämpfen

Kein Mensch flüchtet freiwillig. Die Risiken einer Flucht erleben wir tagtäglich in den Nachrichten. Sie kostet den Flüchtlingen im günstigsten Fall einige Tausend Euro und viele Strapazen, im schlimmsten Fall das eigene Leben. Dabei sind die Fluchtursachen vielfältig – Flucht vor Krieg, Verfolgung, Gefahr für Leib und Leben durch Armut oder den Folgen des Klimawandels. Alles lebensbedrohliche Zustände welche die Risiken einer Flucht als weniger bedrohlich erscheinen lassen, als das Bleiben und Erdulden der Lebenssituation vor Ort.

Krieg und Armut als häufigster Fluchtgrund

Laut einer Studie des UN-Flüchtlingshilfswerkes (UNHCR Global Trends. Forced Displacements in 2014) waren mehr als die Hälfte aller Flüchtling Opfer von Krieg und Vertreibung. 56% aller Flüchtlinge weltweit stammen aus nur drei Ländern: Syrien, Afghanistan und Somalia. Dicht gefolgt vom Sudan, Süd-Sudan und der Demokratischen Republik Kongo. Alles Länder in denen Krieg herrscht bzw. bewaffnete Konflikte die Menschen in die Flucht treiben. Eine direkte Folge von Krieg ist Armut. Menschen müssen ihre Häuser, Felder oder Arbeitsmöglichkeiten zurücklassen, um ihr Leben zu schützen. Gleichzeitig verlieren sie damit aber auch die Grundlage sich selbst zu versorgen. Darüber hinaus zerstört Krieg auch die Infrastruktur einer Volkswirtschaft. Kaputte Straßen, Wasser- und Abwasserversorgung oder ein schlechtes Telefon- und Stromnetz erschweren den Wiederaufbau. Armut ist eine logische Folge von Krieg.

Krieg fängt auch in Deutschland an – Rüstungsproduktion

Kriege ohne Waffen sind schwer vorstellbar. Kleinwaffen (Pistolen, Maschinen- und Sturmgewehre) und leichte Waffen wie Granatwerfer, Mörser oder Panzerabwehrwaffen werden als die neuen Massenvernichtungswaffen der Neuzeit bezeichnet. Laut der Kampagne Aufschrei Waffenhandel kommen täglich 2000 Menschen durch Waffengewalt ums Leben – 95% davon durch Kleinwaffen. Und die deutsche Industrie als drittgrößter Kleinwaffenexporteur der Welt verdient daran kräftig mit. Das Rüstungskontrolle nicht funktioniert, zeigt die Realität: das von der deutschen Firma Heckler & Koch entwickelte Sturmgewehr G3 wird auch von ISIS, Hisbollah, Al-Nusra-Front und dem Assad-Regime eingesetzt. Auch im Balkankrieg und dem Darfur-Konflikt im Sudan wurde das Gewehr eingesetzt („Man schießt deutsch“.). H&K ist leider kein Einzelfall – Tausende von Pistolen des Typs SP2022 aus der Rüstungsschmiede Sig Sauer aus Eckernförde gelangten über den Umweg USA in das Bürgerkriegsland Kolumbien. Dies obwohl es für Kolumbien keine Exportgenehmigung gab und das US-Außenministerium im Endverbleibszertifikat zugesichert hat, dass die Waffen in den USA bleiben („Kolumbien-Connection„).

Soldaten aus Burundi, teilweise ausgerüstet mit deutschen Sturmgewehren vom Typ H&K G3 vor ihrem Einsatz in Somalia
Soldaten aus Burundi, teilweise ausgerüstet mit deutschen Sturmgewehren vom Typ H&K G3 vor ihrem Einsatz in Somalia (Quelle: US Army Africa CC BY 2.0)

Flucht vor Armut

Auch Armut stellt eine Lebensbedrohliche Situation dar. Oft werden diese Flüchtlinge abwertend als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet. Damit werden die Gefahren für Leib und Leben verharmlost und diesen Menschen eine legitime Anerkennung als Flüchtlinge aberkannt. Doch eine wirtschaftliche Situation, die eine wirksame Krankheitsbehandlung verhindert oder Menschen in krankmachenden Lebenssituationen zwingt, kann genauso tödlich sein wie politische Verfolgung und Krieg. Ein Faktor für Armut ist beispielsweise der Klimawandel. (Klimaflüchtlinge: Flüchtlinge auf der Flucht vor dem Klimawandel) Aber auch Arbeit unter unmenschlichen Bedingungen, Umweltverschmutzung, Kriminalität oder Arbeitslosigkeit sind legitime Gründe für eine Flucht.

Wie kann man Fluchtursachen bekämpfen? – Handlungsmöglichkeiten

1. Rüstungsfirmen finanziell austrocknen – kein Konto bei Banken, die Rüstung fördern

Verschiedene Alternativ-Banken schließen kategorisch den Handel mit Finanzprodukten von Rüstungsfirmen aus. Sie wählen nach ethischen und ökologischen Kriterien ihre Anlagestrategien aus. Rüstungskonzerne schließen sie systematisch in ihren Investitionskatalog aus. Rüstungs-Banken kündigen und Giro- und Spar-Konto bei einer ethischen Bank nutzen, die keine Finanzgeschäfte mit Rüstungsfirmen tätigen!

2. Aktiver Klimaschutz –Ökostrom nutzen 

Durch den Klimawandel breiten sich Überschwemmungen, Dürren, Unwetterereignisse und Krankheiten aus. Diese bedrohen die Existenz von Millionen Menschen. Den Treibhauseffekt eindämmen, heißt Fluchtursachen bekämpfen. Auch die Folgen des Klimawandels (Klimaflüchtlinge) stellen Fluchtursachen dar. Wichtigster Ansatzpunkt ist dabei den eigenen Strom nur aus erneuerbare Energien zu beziehen. Ökostrom nutzen (Strom aus Photovoltaik und Windkraft, statt aus Kohle- und Atomkraftwerken).

3. Bodenschätze schonen – Umweltzerstörung reduzieren

Im Osten von der Demokratischen Republik Kongo liefern sich bewaffnete Rebellengruppen seit Jahre Gefechte, die sie durch den Abbau von Bodenschätzen finanzieren, die für die Elektroindustrie von Bedeutung sind. In Sierra Leone werden ganze Dörfer für den Abbau von Diamanten und Bauxit (Aluminiumerz) vertrieben. In Mali flieht ein Großteil der Bevölkerung in den Bergbaugebieten wegen der schlechten Arbeitsbedingungen und der Umweltverschmutzung durch den Goldabbau. Mehr dazu bei Medico – Fluchtursache Reichtum Bodenschätze, Armut und die Bewegungen der Migration im westlichen Afrika.

  • Elektrogeräte und Haushaltswaren länger nutzen, falls nötig z.B. in Repair-Cafes reparieren
  • Tauschen und teilen statt kaufen: Möglichkeiten der Share-Economy nutzen durch, Tauschbörsen oder Carsharing

4. Nahrungssouveränität fördern

Hunger ist in vielen Regionen der Welt ein Problem. Durch Dürren oder intensiver Landwirtschaft kommt es zu Bodenerosion und damit Verlust von fruchtbarem Boden. Länder mit ausreichend Geld aber fehlenden Ackerflächen kaufen in anderen Ländern Ackerfläche auf. Die dortige Bevölkerung kann mit der Kaufkraft dieser Länder nicht konkurrieren und wird verdrängt. Dieses Phänomen wird als Land-Grabbing bezeichnet. Die Förderung von Agrartreibstoffen verdrängt Anbaukapazität für Lebensmittel und lässt die Preise für Grundnahrungsmittel steigen. Doch auch die Überfischung der Meere führt zu Hunger. Viele ehemaliger Fischer an der Küste von West- und Ostafrika können vom Fischfang nicht mehr leben, weil europäische Fischereiflotten die Meere leergefischt haben – dies treibt sie in die Piraterie oder sie nutzen ihre Boote für Flüchtlingstransporte. Was können wir tun um dies zu verhindern?

  • mehr Bio-Lebensmittel und Fairtrade-Produkte kaufen
  • weniger Fleisch konsumieren, das Soja für die Tiermast lieber direkt essen – das schützt auch die Umwelt hier in Deutschland und braucht weniger Ackerfläche weltweit)
  • reduzierter und bewusster Fischkonsum (hier hilft der Einkaufsratgeber von Greenpeace bei der Entscheidung welcher Fisch unbedenklich ist)

Fazit: Jeder kann einen Teil dazu beitragen, Fluchtursachen zu bekämpfen

Auch wenn die Bekämpfung von Fluchtursachen im Angesicht der Ausmaße unmöglich erscheint, haben doch viele kleine Handlungsmöglichkeiten ein Änderungspotential wenn sie von vielen Menschen angewendet werden. Durch die enge Verflechtung unserer Konsumgüter mit den Herstellungsbedingungen in anderen Weltteilen, steuern wir auch die Art und Weise wie die Dinge produziert werden. Will ich hohe Zinsen bei einer Bank, die mit Rüstungsgeschäften Gewinne macht? Will ich den billigsten Strom, auch wenn er durch Kohleverbrennung den Klimawandel einheizt? Ist es mir egal, wie die Leute bezahlt werden, die meine Klamotten oder Mobiltelefone produzieren? Fair-Trade, klimabewusste Ernährung und ethische Geldanlage können viel verändern. Aber nur, wenn viele sich dessen bewusst sind und selbst etwas ändern wollen.


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