Earthships – Energieautarke Häuser als kostengünstige Öko-Architektur

Earthip, Passivhaus aus Autoreifen

Earthships sind Häuser, die aus lokal verfügbaren Baustoffen hergestellt werden und fast ihre komplette Energie selbst erzeugen. Sie haben das Potential, eine neue Ära in der nachhaltigen Architektur einzuleiten. Erdschiffe sind so entworfen, dass sie das Regenwasser nutzen und die eigenen Abwässer selbst reinigen. Kanalisation und zentrale Groß-Kläranlagen könnten damit der Vergangenheit angehören.

Earthships mit Wänden aus Autoreifen und Erde

Kreisläufe herzustellen war der Leitgedanke von Earthships. Das Material soll Herkömmlichen Häuser benötigen energieaufwändige Baustoffe, die lange Transportwege hinter sich haben. Ökologisch bedenklicher Zement wird nur wenig gebraucht. Steine für die Wände werden nicht benötigt und ansonsten wird auf nachwachsende oder recycelte Baustoffe gesetzt. Hohlräume werden mit alten Getränkedosen oder Glasflaschen ausgefüllt, um Beton zu sparen.

Earthship aus Autoreifen und Getränkedosen
Earthship aus Autoreifen und Getränkedosen (Quelle: Jenny Parkins CC BY-SA 2.0)

Müll als nachhaltiger Baustoff

Das Hauptmaterial der Wände sind Autoreifen, die mit dem Aushub der Baugrube gefüllt werden. Damit werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen: alte Autoreifen gibt es überall im Überfluss, weil es noch keine guten Recycling-Konzepte gibt. Das Füllmaterial kommt kostenlos von der Baustelle. Dadurch fallen nur geringe Transportkosten an. Durch die dicken Wände, vom Durchmesser eines Autoreifens, haben diese genug thermische Masse um die Innenräume vor dem Auskühlen zu schützen. Eine zusätzliche Isolation an der Außenwand ist nicht erforderlich.

Earthship mit Süd-Fassade mit Pflanzenkläranlage
Earthship mit Süd-Fassade mit Pflanzenkläranlage (Quelle: Jenny Parkins CC BY-SA 2.0)

Passivhaus-Konzept mit Glasfassade und dicken Wänden

Earthships sind Passivhäuser. Sie brauchen keine Heizung und produzieren ihren eigenen Strom. Durch die Ausrichtung nach Süden kann ein Maximum an Solarenergie genutzt werden. Die passiert durch die Glasfassade, die die Räume direkt wärmt und durch die Sonnenkollektoren zur Warmwasserversorgung. Direkt hinter der Fensterfront gibt es Pflanzenbeete, die mit dem Abwasser aus Küche, Waschbecken und Dusche bewässert werden. Dadurch wird das Abwasser wie in einer Mini-Pflanzenkläranlage gereinigung und gleichzeitig können damit Gemüse und Kräuter für die Küche angebaut werden. Eine große Pflanzenkläranlage neben dem Haus reinigt die restlichen Abwässer.

Regenwassernutzung und Wasseraufbereitung
Regenwassernutzung und Wasseraufbereitung (Quelle: Jenny Parkins CC BY-SA 2.0)

Die Südseite vom Haus hat eine große Fensterfront. Alle anderen Seiten sind dicke Wände aus Autoreifen und Erde. Auf der Ost- und Westseite vom Gebäude sind hinter den Wänden Zisternen für Regenwasser eingebaut. Sie sammeln das Wasser vom Dach für die Nutzung im Bad und in der Küche. Bei den meisten Earthships sind die Wände von außen mit Erde aufgeschüttet. Dadurch fügt sich das Gebäude sanft in seine Umgebung ein.

Earthship-Siedlung an einem Hang
Earthship-Siedlung an einem Hang (Quelle: Jenny Perkins CC BY-SA 2.0)

Nachhaltige Earthship-Architektur in Deutschland

Die Earthship-Architektur ist dahingehend optimiert, so autark wie nur möglich zu sein. Energieeffizienz ist das wichtigste Kriterium. Konsequent angewendet können diese Design-Prinzipien eine hohen Lebensstandard mit eigener Energie- und Wasserversorgung gewährleisten. Auf kostenintensive Infrastruktur wie Kanalisation, Kläranlagen oder zentralisierte Energieversorgung kann verzichtet werden. Bislang war es schwierig in Deutschland eine Baugenehmigung für ein Earthship zu bekommen – zu neu und innovativ ist die Öko-Architektur. Doch dies ändert sich langsam und ein erstes Earthip wurde in Baden-Württemberg gebaut. Unter Earthship Tempelhof gibt es Bilder vom Bau zu sehen. Auch Führungen werden angeboten.

Dies könnte einen enormen Beitrag für den Klimaschutz in Deutschland und der Welt bedeuten. Denn die privaten Haushalte  sind mit ihrem Energieverbrauch der drittgrößte Produzent von Treibhausgasen in Deutschland.

Ein Nachteil dieser Öko-Architektur ist der hohe Flächenverbrauch. Dicke Wände und die maximal zweistöckige Bauweise sind für Städte nicht geeignet. In ländlichen Regionen mit niedrigen Grundstückspreisen ist dies allerdings schon heute eine Möglichkeit, ressourcensparend und kostengünstig zu leben.


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