Klimaziel: 1,5 oder 2 Grad – wo ist das Problem?

2 Grad Klimaziel

Immer wieder äußern sich Leute, dass nun 1,5 oder 2 Grad mehr Klimaerwärmung doch kein Problem darstellen. Das ist vielleicht für unser individuelles Wohlbefinden sogar toll. Doch im globalen Maßstab ist das eine Katastrophe für die Lebensgrundlage der Menschheit.

2 Grad Klimaerwärmung tun doch nicht weh

Um beim persönlichen Wohlbefinden zu bleiben, hier zwei Beispiele:

  • wenn im Hitzesommer die Temperatur im Büro von 25,5°C auf 27°C steigt, ist der Unterschied ziemlich krass zu merken: 25,5° ist schon ziemlich warm, für einen Bürojob am Schreibtisch gerade noch erträglich, 2°C mehr und die Konzentrationfähigkeit sinkt auf Null
  • bei starkem Fieber und einer Körpertemperatur von 41°C können 1,5° oder gar 2 Grad über Leben und Tod entscheiden: 43°C Körpertemperatur ist definitiv tödlich über längere Zeit, das überlebt kein Mensch.

Artensterben: Tödliches Fieber für die planetare Biosphäre

Was für die unterschiedlichen Organismen in den komplexen Nahrungsketten ein tödliches Fieber ist, ist von Organismus zu Organismus verschieden. Für Menschen ist es die kritische Temperatur von 42°C. Andere Tier- und Pflanzenarten leben nur in bestimmten Gebieten und haben sich auf eine bestimmte Nahrung spezialisiert. Wird es wärmer, verschieben sich die Klimazonen. Manche Gebiete trocknen aus, andere werden von Dauerregen überschwemmt. Dies passiert in einer Geschwindigkeit, die für eine natürliche Anpassung der Tiere und Pflanzen zu hoch ist.

Pariser Klimabkommen: 2 Grad Klimaziel

Selbst wenn sich die Atmosphäre nur um 2 Grad erwärmt, rechnet der WWF damit, dass jede vierte Art ausstirbt. Denn stirbt die Nahrung eines Tieres aus, sterben auch alle Tiere, die sich auf die Nahrung spezialisiert haben – und die Tiere, die die Tiere als Nahrung haben, deren Nahrung ausgestorben ist. Dies nennt sich Nahrungskette. Reißt ein Glied, ist die gesamte Kette kaputt.

Kipppunkte: bei 2 Grad kippt das Klima

Die Temperaturerhöhung ist nicht nur für Lebewesen kritisch. Bei einer globalen Erwärmung um 1,5°C verschiebt sich die Temperaturgrenze der Permafrostböden. Über 0°C schmelzen sie und setzen große Mengen an Methan frei, was ein circa 25-mal so aggressives Treibhausgas wie CO2 ist.

Methan aus Ozeanen und Permafrostböden

Methan ist aber auch in den Ozeanen als Methan-Eis gespeichert. Damit es als Eis weiter am Meeresgrund festgehalten wird, braucht es niedrige Temperaturen. Je wärmer also die Ozeane, desto mehr Methan-Eis schmilzt und steigt als Gas in die Atmosphäre. Mehr Methan in der Atmosphäre führt zu mehr Klimaerwärmung, die wiederum zu einer weiteren Erwärmung der Ozeane beiträgt.

Vom Umweltbundesamt gibt es eine gute Übersicht über die kritischen Kippunkte.

Saure Ozeane als CO2-Schleudern

Auch für die Ozeane ist ein Temperaturanstieg fatal: momentan nehmen sie das CO2 in großen Mengen auf, die wir durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas freisetzen. Mit der Veränderung der Wassertemperatur verändert sich auch das Vermögen der CO2-Aufnahme. Ab einer bestimmten Temperatur sind die Wassermassen der Ozeane mit CO2 gesättigt. Alles was wir dann ausstoßen, bleibt in der Atmosphäre. Wird das Wasser noch wärmer, fangen die Ozeane selbst an, das in ihnen gelöste CO2 wieder abzugeben. Ein Teufelskreislauf der, einmal in Gang gesetzt, nur unter immensen Aufwand repariert werden kann. Aber auch nur, falls wir zeitnah die notwendigen Technologien dafür erforschen. Dies sollte schnell passieren, denn die Ozeane werden durch die Aufnahme von CO2 zunehmend sauer, was den Korallenriffen gar nicht bekommt. Bei einer Erwärmung von 1,5 Grad werden circa 70 bis 90% der Korallen sterben. Bei 2 Grad werden es 99% sein.

Was kann jeder dagegen tun?

Das Problem alleine anzugehen ist nicht möglich. Aber ein kleiner Beitrag von Vielen kann den Kurs einer Gesellschaft verändern. Deswegen ist der beste Weg: tue Gutes und rede darüber mit Freunden, in der Familie und in sozialen Netzwerken.

Nachhaltigen Konsumstil leben und genießen

Viele sensible Menschen gehen angesichts der Dimension des Problems einen von zwei Wegen: Entweder sie werden zu glühenden Umweltaktivisten und predigen Verzicht oder sie kapitulieren, stecken den Kopf in den Sand und machen weiter wie bisher.

Der erste Weg wirkt sich positiv auf den persönlichen Fussabdruck aus, ist aber für viele Menschen nicht anschlussfähig und führt zu Widerständen.

Der zweite Weg ist das, was Mainstream in der Politik bei CDU/CSU, SPD, FDP und ganz extrem bei der AFD ist. Es ist der Konsumstil, der uns täglich in den Medien als erstrebenswert vorgekaukelt wird. Deswegen ist es wichtig bei Wahlen die Parteien zu unterstützen, die einen wirksamen Klimaschutz umsetzen wollen.

Persönliche Energiewende

Die einfachste und unkomplizierteste Änderung im Konsumstil ist der Stromwechsel zu einem echten(!) Ökostromanbieter. Die Welt kann nicht auf einen verschleppten Kohleausstieg im Jahr 2038 warten. Kohlestrom ist schon heute nur durch staatliche Subventionen rentabel. Je mehr Leute zu Ökostrom wechseln, desto eher lohnt es sich Kohlestrom für die Kraftwerksbetreiber RWE, Eon und Vattenfall finanziell nicht mehr.

Ernährungswende: bio und ab und zu vegan

Die größten Einfluss aufs Klima bringt eine Reduzierung von Milchprodukten, besonders Käse und Butter sind wahre Klimakiller. Beim Fleisch sind es die Rinder, die für die meisten Treibhausgase verantwortlich sind. Wieso also nicht einmal einen Vegan-Tag in der Woche einlegen? Es gibt gute Gründe: Umweltschutz, Gesundheit und Solidarität.

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