4 Gründe, warum Leitungswasser nachhaltiger ist, als Mineralwasser aus der Flasche

Mineralwasser in Flaschen ist circa 450-mal umweltschädlicher als Leitungswasser. Studien belegen, dass Leitungswasser in vielen Fällen gesünder ist, als abgefülltes Trinkwasser in Flaschen. Fakten zur Nachhaltigkeit von Mineralwasser und Leitungswasser aus dem Hahn.

1. Ökobilanz: Leitungswasser und Mineralwasser aus der Flasche im Vergleich

Eine Studie aus der Schweiz hat versucht, die Ökobilanz beider Produkte zu vergleichen. Dazu wurden die Prozesse der Trinkwassergewinnung von Leitungswasser, wie auch von Mineralwasser, bezogen auf ihren gesamten Produktlebenszyklus verglichen. Dies beinhaltet beim Leitungswasser die Trinkwassergewinnung, Aufbereitung und Transport durch das Trinkwassernetz. Beim Mineralwasser die Flaschenherstellung, Abfüllung und den Transport. Hier zeigte sich, dass stilles, ungekühltes Mineralwasser durchschnittlich etwa 450-mal mehr die Umwelt belastet, als Trinkwasser aus dem Hahn. Wichtige Einflussfaktoren auf das Ergebnis waren:

Herkunft des Mineralwassers (Transportdistanz Quelle-Supermarkt)
Kühlung von Wasserflaschen (Supermarkt und heimische Küche)
Transport der Wasserflaschen vom Supermarkt bis in die Wohnung
Beim Trinkwasser aus der Leitung kann die Ökobilanz deutlich verbessert werden, wenn es vor dem Trinken nicht gekühlt oder in einem Wassersprudler (Soda-Gerät) mit Kohlensäure versetzt. Wer nicht auf einen Wassersprudler verzichten möchte, kann die Ökobilanz durch seinen konsequenten Einsatz verbessern. Er sollte mindestens für einen Liter pro Tag über fünf Jahre hinweg genutzt werden. Dann lohnt sich die Anschaffung eines Sprudlers finanziell und auch ökologisch.

2. Transportwege: LKW-Transporte von Wasserflaschen belasten die Umwelt

Trinkwasser in Flaschen werden meist per LKW von den Abfüllanlagen über Umwege bis in die Supermärkte gebracht. Die zurückgelegte Transportstrecke einer Wasserflasche hängt damit von deren Abfüllort ab. Regionale Wasserquellen sind also zu bevorzugen, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Greenpeace Stuttgart hat exemplarisch die unterschiedlichen Trinkwasserflaschen in Stuttgarts Supermärkten untersucht. Ergebnis: die Trinkwasserflaschen aus der Region, hatte nur 37 Kilometer bis zum Supermarkt zurückgelegt. Das am weitesten gereiste Wasser stammt aus dem französischen Zentralmassiv. Es hatte ein Transportstrecke von 769 Kilometern. Im Durchschnitt wurden die Wasserflaschen ca. 256 Kilometer weit transportiert. Mit dem Wasser muss natürlich auch die Verpackung – also Glas- oder Plastikflaschen – mittransportiert werden, einmal zur Abfüllanlage, zuammen mit dem Mineralwasser in den Supermarkt und dann nach Hause. Ausgetrunken wird die Flasche im Recyclingsystem entweder gespült und wieder befüllt (Mehrweg: Glas- und robuste Plastikflaschen) oder zerkleinert und zu anderen Plastikprodukten weiterverarbeitet (Einweg: dünne PET-Plastikflaschen).

3. Qualität: Leitungswasser wird strenger kontrolliert als Mineral- und Tafelwasser

Leitungswasser ist wohl eines, der am strengsten kontrolliertesten Lebensmittel in Deutschland. Laut der Trinkwasserverordnung, wird Leitungswasser auf insgesamt 36 Stoffe untersucht, die in hohen Mengen für die Gesundheit bedenklich sind. Die Mineral- und Tafelwasserverordnung schreiben nur die Untersuchung auf 23 Stoffe vor. Trinkwasser wird beispielsweise auf Pestizide bzw. Pflanzenschutzmittel untersucht, Tafel- und Mineralwasser nicht. Durch diese Untersuchungen, die in allen Trinkwasseraufbereitungswerken durchgeführt werden, ergibt sich ein flächendeckendes Bild von der Belastung von Grundwasser oder Oberflächenwasser von Flüssen und Seen durch Dünger und Pestizide.

4. Weichmacher, BPA und andere hormonell wirkende Substanzen in PET-Plastikflaschen

Ein besonderer Aspekt kommt noch bei Mineralwasser in Plastikflaschen zum Tragen. Viele Substanzen, die aus der Plastikflasche in das Mineralwasser übergehen, wirken auf das Hormonsystem des Menschen. In einer Studie von Toxikologen wurden Glas- und Mineralwasserflaschen auf hormonell wirkende Substanzen untersucht. Im Experiment wurden Schnecken in den Flaschen gehalten und deren Vermehrungsraten miteinander verglichen. Schnecken sind dafür bekannt, dass sie sensibel auf Östrogen-artige Substanzen reagieren. Östrogen gehört zu den weiblichen Sexualhormonen. Die Schnecken in PET-Plastikflaschen verdoppelten ihre Fortpflanzung. Die Forscher führen dies auf Chemikalien zurück, die aus dem Plastik der PET-Flaschen heraustreten und das Hormonsystem der Schnecken verändern. Deswegen wird auch empfohlen, BPA-freie Trinflaschen zu benutzen.

Leitungswasser: nachhaltiger als sein Ruf!

Aus diesen Gründen empfehlen die Toxikologen zum Trinken Leitungswasser aus dem Wasserhahn zu nehmen. Dies ist nicht nur streng kontrolliert, sondern auch frei von Umwelthormonen. Es muss nicht aufwändig transportiert werden, kommt aus der Region und es fällt kein Plastikmüll an. Im Vergleich zu Trinkwasser aus dem Supermarkt kostet es fast nichts und lästiges Schleppen der Flaschen ist nicht notwendig. Der Geschmack von Leitungswasser ist abhängig von der Herkunft und der Qualität der Wasserleitungen. Wer es nicht mag, kann es durch Wasser-Sprudler mit Kohlensäure versetzen oder mit Zitronensaft oder Gurkenscheiben verbessern.


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3 Gründe sich statt vegetarisch konsequent vegan zu ernähren

Viele Menschen entscheiden sich aus Umweltschutz und ethischen Gründen dazu, sich fleischfrei zu ernähren. Doch ohne Tiermast und Schlachthöfe funktioniert auch eine vegetarische Ernährung nicht. Was ist der Unterschied zwischen vegan und vegetarisch? 3 Gründe, warum eine vegane Ernährung der vegetarischen vorzuziehen ist.

10% der deutschen Bevölkerung ernähren sich vegetarisch, 1,1% leben vegan (Quelle: Reishunger)

1. Tierschutz – auch bei vegetarischer Ernährung werden Tiere geschlachtet

Keine Tiere zu essen bedeutet nicht, dass Tiere dadurch nicht transportiert, gemästet und geschlachtet werden. Die Produktionsbetriebe für Milch und Eier sind quasi identisch mit den Betrieben für die Fleischproduktion.

Ohne Steak, keine Milch – ohne Milch, keinen Käse

Die Milchkuh gibt Milch, doch das macht sie nicht freiwillig. Kühe lassen sich nur melken, wenn sie ihre Kälber säugen. Eine Milchkuh hat etwa eine Lebenserwartung von vier bis fünf Jahren. Dann sinkt ihre Milchleistung und Krankheiten häufen sich. Die Kuh ist nicht mehr profitabel genug und wird geschlachtet. Da ihr Fleisch durch die intensive Milchproduktion nicht mehr besonders schmackhaft ist, wird es nur noch als Hackfleisch weiterverarbeitet und landet in der Fleischtheke.
In der Lebenszeit einer Milchkuh kalbt diese circa drei bis vier Mal. Die Kälber werden zeitnah von der Mutterkuh getrennt – denn ihre Milch ist für den Menschen bestimmt und nicht für das Kalb. Die männlichen Kälber gehen entweder in die Kälbermast (fünf bis sechs Monate) oder in die Bullenmast (15 bis 18 Monate) und werden anschließend geschlachtet. Den weibliche Kälbern ist  entweder eine Zukunft als Milchkuh vorherbestimmt oder sie wandern, wie ihre männlichen Artgenossen, in die Kälbermast.

Männliche Küken als Abfall

Nicht anders läuft es in der Produktion von Eiern ab. In befruchteten Eier reifen entweder Hähne oder Hennen heran. Da in der Fleischindustrie spezielle Hühnerlinien genutzt werden, legen diese als Legehenne entweder viele Eier oder haben als Masthühner einen hohen Fleischansatz. Männliche Küken von Legehennen können natürlich keine Eier legen. Auch zur Mast taugen sie nicht, weil sie weniger Fleischansatz haben als Masthühner. Sie haben dadurch keine Wert und werden kurz nach dem Schlüpfen getötet. Entweder sie landen im Schredder oder werden vergast.

2. Umweltschutz – Futtermittelproduktion verbraucht einen Großteil der weltweiten Ackerflächen

Circa 90% der weltweiten Soja-Ernte und 50% des weltweit angebauten Getreides wird ausschließlich zur Tiermast verwendet. Dies ist ein sehr verschwenderischer Weg, um die notwendigen Kalorien für die Ernährung zu bekommen. Denn für die Produktion von 1kg Fleisch braucht es 22kg Getreide und 20.000l Wasser. [Quelle: Ist vegane Ernährung gesund?]
Würden sich alle Menschen vegetarisch ernähren, würde zwar die Zahl der Masttiere sinken, doch ohne Futtermittelproduktion könnte der weltweit steigende Bedarf an Milch, Käse, tierischen Fetten und Lederprodukten nicht befriedigt werden.

Nicht zu vernachlässigen ist der Beitrag der konventionellen Landwirtschaft mit Gülle Kunstdünger zum Klimawandel. Durch dessen Folgen wie starke Niederschläge oder lange Trockenzeiten kommt es in einigen Regionen zu Hungersnöten. Klimaflüchtlinge sind die Folge.

3. Menschenschutz – vegane Ernährung reduziert Landgrabbing

Als Landgrabbing oder Landraub bzw. Landnahme wird die oftmals gewaltätige Aneignung von Landflächen bezeichnet. Auftraggeber sind internationale Agrarkonzerne, Banken, Pensionskassen oder andere mächtige Institutionen oder Gruppen. Die ansässige Bevölkerung verliert damit die Möglichkeit, selbst Nahrungsmittel für den Eigenverbrauch oder als Einkommensquelle anzubauen. Vertreibung, Flucht und Armut sind die Folgen. Auf den illegitim angeeigneten Agrarflächen werden dann Agrarprodukte für den Weltmarkt produziert. Also auch Futtermittel für die Tiermast. Schätzungen zufolge, gehen weltweit von 50 Millionen bis 220 Millionen Hektar Ackerland aus, die durch Landgrabbing enteignet wurden. Zum Vergleich: die EU hat eine Fläche von 180 Millionen Hektar.

Landlosenbewegung – die Opfer von Landgrabbing organisieren sich

Im „Sojagürtel“ von Südamerika werden hauptsächlich Sojabohnen für die europäische Tierhaltung angebaut. Dieser erstreckt sich über Brasilien, Paraguay und Argentinien. In riesigen Monokulturen werden hier mit hohem Einsatz von Pestiziden und Dünger gentechnisch verändertes Soja angebaut. Das Nachsehen haben zehntausende Bauern und Bäuerinnen, die von ihren Feldern vertrieben wurden. Denn je größer die Monokulturen sind, desto eher rentiert sich die kapitalintensive Landwirtschaft mit teurem Saatgut und High-Tech Landwirtschaftsmaschinen. Die Vertriebenen haben sich zu zahlreichen Landlosenbewegungen zusammengeschlossen. Die größten sind zum Beispiel die international ausgerichtete Organisation La Via Campesina (dt.: der bäuerliche Weg) oder in Brasilien die Movimento dos Sem Terra (dt.: Bewegung der Landarbeiter ohne Boden). Beide setzen sich für eine Landreform und eine gerechte Justiz ein. Sie kritisieren die Willkür von Polizei und Militär in den betroffenen Ländern und den Einfluss von großen multinationalen Agrarkonzernen auf Politik. Werden Feldfrüchte direkt gegessen (also vegan – ohne Umweg über Tiere) ist Flächenverbrauch nur ein Bruchteil im Vegleich mit Futtermittelanbau.

Vegan ist das konsequente Vegetarisch

Die Art und Weise wie wir uns ernähren hat großen Einfluss auf die Umwelt und die Lebensbedingungen der Menschen, die direkt oder indirekt von der Nahrungsmittelproduktion betroffen sind. Die Weg der Nahrungsmittel ist viel weiter als nur bis zum nächsten Supermarkt. Die Produktionskette vieler Nahrungsmittel (besonders von tierischen Produkten) reicht quer über den gesamten Globus. Die Änderung von einer fleischhaltigen Ernährungsweise hin zu einem vegetarischen Konsumstil geht in die richtige Richtung. Vegetarismus ist ein sinnvolles Übergangsstadium hin zum Veganismus. Wer vegan lebt, entscheidet sich konsequent für den Schutz von Menschenrechten, sowie Tier- und Umweltschutz.


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Ökologischer Fußabdruck – seit dieser Woche zerstören wir unsere Lebensgrundlage

Am 1. August  2018 war der Tag, an dem wir alle erneuerbaren Ressourcen der Erde für dieses Jahr aufgebraucht haben. Für den Rest des Jahres betreiben wir Raubbau an der Natur und leben über unsere ökologischen Grenzen. Wie hat sich unser ökologischer Fußabdruck verändert und wie steht es im Ländervergleich?

World Overshoot Day – der Tag an dem wir über die Verhältnisse leben

Das Global Footprint Network errechnet für jedes Jahr den Zeitpunkt, an welchem wir jedes Jahr die ökologische Belastungsgrenze für das Leben auf der Erde erreichen. Der Earth Overshoot Day  für das Jahr 2018 war diese Woche. Dies bedeutet, dass wir für den Rest des Jahres mehr Wälder abholzen, als nachwachsen können, mehr Fische fangen, als für die Erholung der Fischbestände benötigt werden und mehr CO2 durch die Verbrennung von Öl und Kohle ausstoßen, als die Wälder und Ozeane absorbieren können.

Verbrauch an Erden pro Land, wenn alle denselben Lebensstil hätten (Daten: 2016 www.overshootday.org)
Verbrauch an Erden pro Land, wenn alle denselben Lebensstil hätten (Daten: 2016 www.overshootday.org)

Wie wird der ökologische Fußabdruck berechnet?

Das Footprint Network ist eine Forschungseinrichtung, die sich der Berechnung von regionalen und nationalen Flächenverbräuchen widmet. Zu diesem Zweck werden wie in einem Buchhaltungssystem die Flächen an intakten Biosystemen berechnet, die Menschen in einer Region brauchen, um ihre Konsumbedürfnisse zu befriedigen. Zum Beispiel für die Menge des Fleisch- und Fischkonsums wird die notwendige Fläche berechnet, die an Weideland und Fischereigebieten notwendig ist, um diesen Bedarf zu decken. Alle Flächenanteile für die Herstellung der Konsumgüter werden addiert und bilden damit den ökologischen Fußabdruck für die Menschen in einem Land. Der World Overshoot Day ist der Tag, an welchem alle Menschen auf der Welt die Ressourcen konsumiert haben, die auf unserem Planeten innerhalb seiner ökologischen Grenzen erzeugt werden können.

Eigenen Fußabruck berechnen

Wie ist dein ökologischer Fußabdruck? Dafür findes du im Netz verschiedene Rechner, die anhand von einzelnen Fragen deinen Flächenverbrauch berechnen. So erfährst du, wie viele Erden benötigt würden, wenn alle deinen Lebensstil hätten.

Ökologischer Fußabdruck der Menschheit wächst

Der Tag, an dem der World-Overschoot-Day ist, verlagert sich immer weiter an dem Jahresanfang. Das heißt, trotz Zunahme von ökologischem Bewusstsein in der Bevölkerung, wächst der Ressourcenverbrauch der Menschheit. 1971 war das Jahr, an dem die Menschheit erstmals am 21. Dezember alle Ressourcen für das laufende Jahr vor Jahresende verbraucht hatte. Dieser Tag verschob sich von von Jahr zu Jahr immer weiter in Richtung Jahresbeginn – bis zum 1. August 2018.

Armut ist ökologisch vorteilhaft

Hätte alle Menschen den Flächenverbrauch von Indien, würden wir prima auf unserem einen Planeten leben können – es wäre eine global nachhaltige Gesellschaft. Erstaunlich ist, dass je ärmer die Bevölkerung eines Landes ist, desto ökologischer lebt sie. In der Studie wurden 150 Länder miteinander verglichen. Die EinwohnerInnen von Eritrea leben am nachhaltigsten. Dicht gefolgt von der Bevölkerung von Osttimor und Haiti. Den größten Flächenverbrauch pro Kopf hat Luxembourg, Australien, USA und Kanada.

Ländervergleich – Unterschiede im Lebens- und Konsumstil

Die Studie vom Footprint Network unterscheidet einzelne Länder und berechnet den Flächenverbrauch der notwendig wäre, wenn alle Menschen den Lebens- und Konsumstil der EinwohnerInnen dieses Landes hätten. Das Land mit dem größten Fußabdruck ist Australien mit 5,4 Erden, dicht gefolgt von den USA mit 4,8 Erden. Da Australien eher dünn besiedelt ist, reicht die Fläche von Australien aus, um alle EinwohnerInnen zu versorgen. Die USA allerdings bräuchte eine Fläche, die mehr als doppelt so groß wäre, wie das eigene Land. Deutschland steht mit 3,1 Erden auf Platz 6 und bräuchte ebenso mehr als die doppelte Landesfläche. China steht auf Platz 12 und wir bräuchte nur 2,0 Erden, wenn wir alle in China leben würden.

Armut ist ökologisch vorteilhaft

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Warum China ökologischer ist als gedacht

Durch die Bevölkerungsgröße (ca. 1,4 Mrd) ist China das Land, was global den größten Flächenverbrauch hat. Gleich danach kommt die USA mit nur 0,32 Mrd EinwohnerInnen und dann Indien (1,2 Mrd) und Russland mit 0,14 Mrd EinwohnerInnen. Dies zeigt, dass China und Indien zwar einen hohen Flächenverbrauch haben, aber pro Kopf betrachtet sehr viel ökologischer leben als wir in Europa, Nordamerika oder Japan. Erst ein umweltschädlicher Konsumstil mit Flugreisen, Privatauto, Einfamilienhaus und fleischreicher Ernährung machen es möglich, dass der Flächenverbrauch viel höher ist, als unser Ökosystem verkraften kann. Aus diesem Grund ist der ökologische Fußabdruck in hoch industriealisierten Ländern so hoch.


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Anstieg des Meeresspiegels – Karte der Gebiete, die in Deutschland betroffen sind

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Stromverbrauch selbst berechnen: so berechnen Stromkostenrechner aus Strompreis und kWh die Stromkosten

Die durchschnittlichen Stromkosten von Haushaltsgeräten zu berechnen ist einfacher, als viele denken. Im Internet lassen sich viele Stromkostenrechner finden, die anhand der Leistung der Geräte, der Zeit und dem Strompreis die Energiekosten ausrechnen. Nichts anderes machen Stromkostenmessgeräte. Wer weiß, was Kilowatt pro Stunde (kWh) bedeutet, kann leicht selbst die Stromkosten von Haushaltgeräten berechnen und vergleichen.

Stromverbrauch: Kilowattstunde (kWh) – Watt pro Stunde

Auf jedem Haushaltsgerät ist die elektrische Leistung in Watt (W) angegeben. Sie beschreibt die Leistung, die das Gerät aufnimmt. Eine Wattstunde (Wh) ist damit die Energieaufnahme des Gerätes in einer Stunde, also das Produkt der Leistung (W) mit der Zeit (h). Da hier schnell große Zahlen erreicht werden, wird meist mit Kilowatt gerechnet. Eintausend Watt sind ein Kilowatt (1000 W = 1kW). Dementsprechend ist eine Kilowattstunde die Leistung in Kilowatt eines Gerätes pro Stunde. Dieser Wert ist wichtig, da auch der Strompreis in Cent pro Kilowattstunde angegeben wird. Eine Übersicht zum Strombedarf in Haushalten gibt es auch auf Wikipedia.

Beispiel: Stromkosten von einem PC mit 650W berechnen

Als Beispiel hier die Berechnung von einem PC mit dem effizienten PC-Netzteil, was im Vergleich zu seiner Leistung als besonders energiesparend gilt. Auf jedem elektrischen Gerät mit einem Netzstecker ist die maximale Leistungsaufnahme in Watt angegeben.

Das Netzteil hat eine Energieaufnahme von 650 W bzw. 0,65 kW. Der PC läuft täglich für 4 Stunden unter Volllast.

Stromverbrauch pro Tag = Leistung (kW) * Zeit (h) = 0,65 kW * 4 h = 2,6 kWh

Pro Tag braucht das Netzteil vom PC also 2,6 kWh. Bei einem Strompreis von 25 Cent pro kWh bzw. 0,25 € pro kWh ergeben sich die täglichen Stromkosten von:

Stromkosten pro Tag = Stromverbrauch (kWh) * Strompreis (Cent pro kWh) = 2,6 kWh * 25 Cent = 65 Cent

An einem Tag ergeben sich für den PC Stromkosten von 0,65 €. Pro Monat mit 30 Tagen sind dies schon 19,50 € und auf das Jahr bezogen ergeben sich Energiekosten von 234,00 €. Dieser Wert ergibt sich nur für das Netzteil vom PC. Werden Monitor, Sound-Anlage, Drucker oder anderes Computer-Zubehör über separate Netzstecker mit Strom versorgt, müssen extra Stromkosten berechnet werden.

Konstanten und variablen Stromverbrauch berechnen

Ein Gerät mit einem konstanten Stromverbrauch verbraucht immer die gleiche Leistung, egal wie es genutzt wird. Solch ein Gerät ist z.B. der Wasserkocher oder Lampen, die nicht dimmbar sind. Hier kann für die Berechnung der Stromkosten immer die angegebene Leistung genutzt werden. Haushaltsgeräte mit variablen Stromverbrauch verändern ihre Leistungsaufnahme. Ein Kühlschrank verbraucht nur Strom, wenn er aktiv kühlt. Steht er in einem warmen Raum, braucht er mehr Strom um den Inhalt auf die eingestellte Temperatur herunterzukühlen. Der Stromverbrauch einer Waschmaschine ist abhängig vom gewählten Waschprogramm und der Temperatur des Wassers. Auch Computer gehören zu den Geräten mit variablen Stromverbrauch.

Beim Beispiel von dem PC wurde bei der Berechnung angenommen, dass der Computer unter Volllast läuft. Dies bedeutet, er braucht die gesamte Leistung, die das Netzteil zur Verfügung stellt. Volllast erreichen Computer oft aber nur beim Spielen oder beim Bitcoin Mining. Im Leerlauf oder bei anspruchslosen Aufgaben wie Emails lesen oder Musik hören wird nicht die gesamte Leistung benötigt. Pauschale Prozentangaben können hier nicht gegeben werden, da die Werte mit der verendeten Hardware und Software stark variieren. Hier hilft nur: Messen!

Durchschnittlichen Stromverbrauch mit Stromkostenmessgerät messen

Ein Stromkostenmessgerät kann die momentane Leistungsaufnahme eines Gerätes ermitteln. Es wird zwischen Stromnetz und Verbraucher geschaltet. Was die Spreu vom Weizen trennt, ist die Genauigkeit. Viele Geräte verbrauchen auch Strom, wenn sie ausgeschaltet sind wie z.B. auch ATX-Netzteile. Auch das Ladegerät für ein Smartphone verbraucht Strom, wenn kein Smartphone angeschlossen ist.

Voltcraft Energy-Logger 4000 mit Datenlogger auf SD-Karte

Gute Stromkostenmessgeräte können auch kleine Ströme erkennen und richtig anzeigen. In Tests hat sich das Strommessgerät Energy-Logger 4000 von Voltcraft als brauchbar erwiesen. Es speichert die Messwerte auf einer SD-Karte und kann einen Stromverbrauch ab 1,5 W messen.

Strommessgeräte zur Berechnung der Stromkosten messen die momentane Leistung und die aufgenommene Leistung über einen Zeitraum. Wird der Strompreis eingespeichert, zeigen sie gleich die entstandenen Kosten an. Dabei bedienen sie sich den oben genannten Formeln. Wer sich kein Energiekostenmessgerät kaufen oder leihen kann, kann die Kosten auch selbst mit einem Taschenrechner berechnen. Bei Geräten mit variablen Stromverbrauch können dazu Näherungswerte bestimmt werden. Die Webseite www.stromverbrauch.info zeigt Richtwerte für TV-Geräte, Waschmaschinen, Kühlschränken und Gefrierschränken nach Hersteller und Modell an.


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Kastanien als ökologisches Waschmittel: die lokale Alternative zu Waschnüssen

Taugen Kastanien zum Wäsche waschen? Wie leicht ist es, Waschmittel aus Kastanien selber herzustellen? Meine Erfahrung mit einem natürlichen Waschmittel vom Baum nebenan. „Kastanien als ökologisches Waschmittel: die lokale Alternative zu Waschnüssen“ weiterlesen

8 Wege für den Alltag Fluchtursachen weltweit zu bekämpfen

Steigende Asylanträge, überfüllte Flüchtlingsheime und eine durch Frontex abgeriegelte EU-Grenze führen dazu, dass sich Flüchtlinge in die Hand von Schleppern begeben müssen. Warum flüchten sie und was hat das mit uns zu tun?

Verantwortung der Industrienationen

Unsere Verantwortung für die Flucht von anderen Menschen ist drückender, als den meisten von uns bewusst ist. Krieg und Armut sind die häufigsten Fluchtursachen. Unser Lebens- und Konsumstil ist eng mit der Wirtschaft in anderen Staaten verknüpft. Lebensmittel, Haushaltswaren und Rohstoffe kaufen wir im Ausland und beeinflussen damit die Lebenssituation der dortigen Bevölkerung. Wir profitieren von schwachen Gewerkschaften und korrupten Regierungen. Dies führt zu schwachen Umweltschutzauflagen und Arbeitsbedingungen, die hier undenkbar wären.

Mit diesen acht Handlungsmöglichkeiten kann jeder in seinem Alltag Fluchtursachen bekämpfen

Kein Mensch flüchtet freiwillig. Die Risiken einer Flucht erleben wir tagtäglich in den Nachrichten. Sie kostet den Flüchtlingen im günstigsten Fall einige Tausend Euro und viele Strapazen, im schlimmsten Fall das eigene Leben. Dabei sind die Fluchtursachen vielfältig – Flucht vor Krieg, Verfolgung, Gefahr für Leib und Leben durch Armut oder den Folgen des Klimawandels. Alles lebensbedrohliche Zustände welche die Risiken einer Flucht als weniger bedrohlich erscheinen lassen, als das Bleiben und Erdulden der Lebenssituation vor Ort.

Krieg und Armut als häufigster Fluchtgrund

Laut einer Studie des UN-Flüchtlingshilfswerkes (UNHCR Global Trends. Forced Displacements in 2014) waren mehr als die Hälfte aller Flüchtling Opfer von Krieg und Vertreibung. 56% aller Flüchtlinge weltweit stammen aus nur drei Ländern: Syrien, Afghanistan und Somalia. Dicht gefolgt vom Sudan, Süd-Sudan und der Demokratischen Republik Kongo. Alles Länder in denen Krieg herrscht bzw. bewaffnete Konflikte die Menschen in die Flucht treiben. Eine direkte Folge von Krieg ist Armut. Menschen müssen ihre Häuser, Felder oder Arbeitsmöglichkeiten zurücklassen, um ihr Leben zu schützen. Gleichzeitig verlieren sie damit aber auch die Grundlage sich selbst zu versorgen. Darüber hinaus zerstört Krieg auch die Infrastruktur einer Volkswirtschaft. Kaputte Straßen, Wasser- und Abwasserversorgung oder ein schlechtes Telefon- und Stromnetz erschweren den Wiederaufbau. Armut ist eine logische Folge von Krieg.

Krieg fängt auch in Deutschland an – Rüstungsproduktion

Kriege ohne Waffen sind schwer vorstellbar. Kleinwaffen (Pistolen, Maschinen- und Sturmgewehre) und leichte Waffen wie Granatwerfer, Mörser oder Panzerabwehrwaffen werden als die neuen Massenvernichtungswaffen der Neuzeit bezeichnet. Laut der Kampagne Aufschrei Waffenhandel kommen täglich 2000 Menschen durch Waffengewalt ums Leben – 95% davon durch Kleinwaffen. Und die deutsche Industrie als drittgrößter Kleinwaffenexporteur der Welt verdient daran kräftig mit. Das Rüstungskontrolle nicht funktioniert, zeigt die Realität: das von der deutschen Firma Heckler & Koch entwickelte Sturmgewehr G3 wird auch von ISIS, Hisbollah, Al-Nusra-Front und dem Assad-Regime eingesetzt. Auch im Balkankrieg und dem Darfur-Konflikt im Sudan wurde das Gewehr eingesetzt („Man schießt deutsch“.). H&K ist leider kein Einzelfall – Tausende von Pistolen des Typs SP2022 aus der Rüstungsschmiede Sig Sauer aus Eckernförde gelangten über den Umweg USA in das Bürgerkriegsland Kolumbien. Dies obwohl es für Kolumbien keine Exportgenehmigung gab und das US-Außenministerium im Endverbleibszertifikat zugesichert hat, dass die Waffen in den USA bleiben („Kolumbien-Connection„).

Soldaten aus Burundi, teilweise ausgerüstet mit deutschen Sturmgewehren vom Typ H&K G3 vor ihrem Einsatz in Somalia
Soldaten aus Burundi, teilweise ausgerüstet mit deutschen Sturmgewehren vom Typ H&K G3 vor ihrem Einsatz in Somalia (Quelle: US Army Africa CC BY 2.0)

Flucht vor Armut

Auch Armut stellt eine Lebensbedrohliche Situation dar. Oft werden diese Flüchtlinge abwertend als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet. Damit werden die Gefahren für Leib und Leben verharmlost und diesen Menschen eine legitime Anerkennung als Flüchtlinge aberkannt. Doch eine wirtschaftliche Situation, die eine wirksame Krankheitsbehandlung verhindert oder Menschen in krankmachenden Lebenssituationen zwingt, kann genauso tödlich sein wie politische Verfolgung und Krieg. Ein Faktor für Armut ist beispielsweise der Klimawandel. (Klimaflüchtlinge: Flüchtlinge auf der Flucht vor dem Klimawandel) Aber auch Arbeit unter unmenschlichen Bedingungen, Umweltverschmutzung, Kriminalität oder Arbeitslosigkeit sind legitime Gründe für eine Flucht.

Wie kann man Fluchtursachen bekämpfen? – Handlungsmöglichkeiten

1. Rüstungsfirmen finanziell austrocknen – kein Konto bei Banken, die Rüstung fördern

Verschiedene Alternativ-Banken schließen kategorisch den Handel mit Finanzprodukten von Rüstungsfirmen aus. Sie wählen nach ethischen und ökologischen Kriterien ihre Anlagestrategien aus. Rüstungskonzerne schließen sie systematisch in ihren Investitionskatalog aus. Rüstungs-Banken kündigen und Giro- und Spar-Konto bei einer ethischen Bank nutzen, die keine Finanzgeschäfte mit Rüstungsfirmen tätigen!

2. Aktiver Klimaschutz –Ökostrom nutzen 

Durch den Klimawandel breiten sich Überschwemmungen, Dürren, Unwetterereignisse und Krankheiten aus. Diese bedrohen die Existenz von Millionen Menschen. Den Treibhauseffekt eindämmen, heißt Fluchtursachen bekämpfen. Auch die Folgen des Klimawandels (Klimaflüchtlinge) stellen Fluchtursachen dar. Wichtigster Ansatzpunkt ist dabei den eigenen Strom nur aus erneuerbare Energien zu beziehen. Ökostrom nutzen (Strom aus Photovoltaik und Windkraft, statt aus Kohle- und Atomkraftwerken).

3. Bodenschätze schonen – Umweltzerstörung reduzieren

Im Osten von der Demokratischen Republik Kongo liefern sich bewaffnete Rebellengruppen seit Jahre Gefechte, die sie durch den Abbau von Bodenschätzen finanzieren, die für die Elektroindustrie von Bedeutung sind. In Sierra Leone werden ganze Dörfer für den Abbau von Diamanten und Bauxit (Aluminiumerz) vertrieben. In Mali flieht ein Großteil der Bevölkerung in den Bergbaugebieten wegen der schlechten Arbeitsbedingungen und der Umweltverschmutzung durch den Goldabbau. Mehr dazu bei Medico – Fluchtursache Reichtum Bodenschätze, Armut und die Bewegungen der Migration im westlichen Afrika.

  • Elektrogeräte und Haushaltswaren länger nutzen, falls nötig z.B. in Repair-Cafes reparieren
  • Tauschen und teilen statt kaufen: Möglichkeiten der Share-Economy nutzen durch, Tauschbörsen oder Carsharing

4. Nahrungssouveränität fördern

Hunger ist in vielen Regionen der Welt ein Problem. Durch Dürren oder intensiver Landwirtschaft kommt es zu Bodenerosion und damit Verlust von fruchtbarem Boden. Länder mit ausreichend Geld aber fehlenden Ackerflächen kaufen in anderen Ländern Ackerfläche auf. Die dortige Bevölkerung kann mit der Kaufkraft dieser Länder nicht konkurrieren und wird verdrängt. Dieses Phänomen wird als Land-Grabbing bezeichnet. Die Förderung von Agrartreibstoffen verdrängt Anbaukapazität für Lebensmittel und lässt die Preise für Grundnahrungsmittel steigen. Doch auch die Überfischung der Meere führt zu Hunger. Viele ehemaliger Fischer an der Küste von West- und Ostafrika können vom Fischfang nicht mehr leben, weil europäische Fischereiflotten die Meere leergefischt haben – dies treibt sie in die Piraterie oder sie nutzen ihre Boote für Flüchtlingstransporte. Was können wir tun um dies zu verhindern?

  • mehr Bio-Lebensmittel und Fairtrade-Produkte kaufen
  • weniger Fleisch konsumieren, das Soja für die Tiermast lieber direkt essen – das schützt auch die Umwelt hier in Deutschland und braucht weniger Ackerfläche weltweit)
  • reduzierter und bewusster Fischkonsum (hier hilft der Einkaufsratgeber von Greenpeace bei der Entscheidung welcher Fisch unbedenklich ist)

Fazit: Jeder kann einen Teil dazu beitragen, Fluchtursachen zu bekämpfen

Auch wenn die Bekämpfung von Fluchtursachen im Angesicht der Ausmaße unmöglich erscheint, haben doch viele kleine Handlungsmöglichkeiten ein Änderungspotential wenn sie von vielen Menschen angewendet werden. Durch die enge Verflechtung unserer Konsumgüter mit den Herstellungsbedingungen in anderen Weltteilen, steuern wir auch die Art und Weise wie die Dinge produziert werden. Will ich hohe Zinsen bei einer Bank, die mit Rüstungsgeschäften Gewinne macht? Will ich den billigsten Strom, auch wenn er durch Kohleverbrennung den Klimawandel einheizt? Ist es mir egal, wie die Leute bezahlt werden, die meine Klamotten oder Mobiltelefone produzieren? Fair-Trade, klimabewusste Ernährung und ethische Geldanlage können viel verändern. Aber nur, wenn viele sich dessen bewusst sind und selbst etwas ändern wollen.


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Grüner Reisen – Last Minute in den Öko-Urlaub ohne schlechtes Gewissen?

Sommerurlaub am Meer. Tausende von Touristen zieht es jedes Jahr in den Sommerferien an die Ostsee. Doch wie wirkt sich ein solcher Urlaub auf das Klima aus? Vom Flugzeug bis zum Fahrrad – wer noch einen Last Minute Urlaub plant, kann auch mit der Wahl des Verkehrsmittels ein Zeichen für den Klimaschutz setzen. Treibhausgas-Emissionen am Beispiel einer Reise von Köln an die Ostsee: Eine Öko-Bilanz.

Öko-Bilanz von Verkehrsmitteln: Von Kilogramm und Kilometern

Flugzeug, Bus und Auto tanken Treibstoff. Ein Zug fährt mit Strom, der aus von den Kraftwerken stammt und ein Fahrrad wird mit Muskelkraft betrieben, die aus unserem Körperfett stammt. Bei allen Energieumwandlungsprozesse entstehen klimarelevante Treibhausgase. Ob nun bei der Verbrennung von Treibstoff in Automotoren oder Flugzeugturbinen, bei der Kohle- oder Gasverfeuerung in Kraftwerken oder bei der Zellatmung in unserem Körper. Das Ergebnis ist in jedem Fall Kohlendioxid (CO2) und andere Gase. die den Treibhauseffekt beschleunigen. Alle Gase, die sich schädlich auf das Klima auswirken werden als CO2 – Äquivalent zusammengefasst. Damit muss nicht jedes einzelne Gas mit seinem höchst spezifischen Einfluss auf den Treibhauseffekt einzeln aufgeführt werden. Die Gase werden alle auf die Eigenschaften von CO2 berechnet – die Geburt des CO2 – Äquivalentes.

Kondensstreifen durch Abgase von Flugzeugen am Himmel über Wiesbaden
Kondensstreifen durch Abgase von Flugzeugen am Himmel über Wiesbaden (Quelle: Martin Fisch CC BY-SA 2.0)

Die folgende Tabelle listet die einzelnen Verkehrsmittel nach ihren Treibhausgas-Emissionen pro Person und Kilometer auf:

Verkehrsmittel CO2 – Äquivalente pro km in Gramm
Flugzeug 230,7
Pkw 142,3
Zug 45,2
Reisebus 30,3
Fahrrad 21,0

Datenmaterial stammt vom Umweltbundesamt 2012 ausgenommen die Angaben vom Fahrrad (CO2-Ausstoss eines 70kg-schweren Radfahrers bei 16km/h Geschwindigkeit)

Das ökologischste Verkehrsmittel ist das Fahrrad, dicht gefolgt vom Reisebus und der Bahn. Dann passiert erst einmal nichts und dann kommt das Auto. Den Preis als umweltschädlichstes Verkehrsmittel bekommt das Flugzeug. Besonders beim Start und im Steigflug verbraucht es den meisten Treibstoff. Deswegen sind Inlandsflüge oder allgemein kurze Flüge am klimaschädlichsten, weil sie fast nur aus Start und Landung bestehen. Erst in seiner Reiseflughöhe erreicht ein Flugzeug in der entsprechenden Geschwindigkeit seinen sparsamsten Treibstoff-Verbrauch.

Von Köln an die Ostsee – CO2 Ausstoß durch die Reise

Zurück zu der Reise von Köln an die Ostsee. Start der Reise ist der Flughafen Köln/Bonn und es geht nach Laage bei Rostock an der Ostsee.

Verkehrsmittel Entfernung in km CO2 – Äquivalente in Kilogramm
Flugzeug 490 113,0
Pkw 621 88,4
Zug 621 28,1
Reisebus 621 18,8
Fahrrad 590 12,4

Tabelle: Die Entfernungen wurden mit Google-Maps berechnet (für das Fahrrad ist die Route direkter und damit kürzer als über den Umweg Autobahn)

Wie viel CO2 – Emission kann sich jeder Mensch erlauben?

Der Treibhauseffekt ist einfach: je mehr Treibhausgasse in der Atmosphäre sind, desto schneller erwärmt sie sich. Die Folgen sind Abschmelzen der Polkappen und Gletscher und damit Überschwemmungen der Küstenregionen und Inseln. Das Wetter wird verrückt spielen, was zu Stürmen, Unwetter und mancherorts zu Dürren führen wird. Langfristig werden durch die Erwärmung die Nahrungsketten zusammenbrechen, weil Flora und Fauna unwiederbringlich zerstört werden. Und damit hat sich die Menschheit selbst ausgerottet – die Natur wird sich bestimmt in einigen Tausend Jahren wieder erholen.

Um das zu verhindern wurde ausgerechnet, wie viel CO2 – Äquivalente durch uns noch produziert werden können. Um die Erwärmung auf zwei Grad Celsius im globalen Durchschnitt zu begrenzen, steht jedem Menschen pro Jahr 2700 kg zu. Aber auch hier streiten sich die Experten, ob dies nicht schon zu viel ist. Wenn wir also eine Flugreise von Köln an die Ostsee buchen (Hin- und Rückflug), dann sind das schon 226 kg, was gut 8,4% von unserem jährlichen Budget sind. Das hört sich noch erträglich an. Aber gemessen daran das in Deutschland pro Kopf jährlich schon knapp 2000 kg CO2  – Äquivalente für die Heizung im Winter anfallen und circa 750 kg für unseren jährlichen Stromverbrauch verbraucht werden, bleibt schon jetzt nichts mehr für eine Flugreise übrig.

Möglichkeiten nachhaltig zu Reisen – Ablasshandel durch CO2 -Offsetting

Wer nicht auf die Reise mit Flugzeug und Pkw verzichten kann oder möchte, für den gibt es inzwischen viele Möglichkeiten des Ausgleiches. Für Flugreisen bietet die gemeinnützige Organisation Atmosfair einen Klimaschutz-Ausgleich an. Auf der Website kann die Menge an CO2  pro Flug berechnet werden. Um dies Auszugleichen werden die Kosten ermittelt um diese Menge durch ein Klimaschutzprojekt (z.B. Förderung regenerativer Energien) wieder zu kompensieren. Für einen einfachen Flug von Köln nach Laage sind das circa 6 €.

Ähnliche Projekte bieten auch Buslinien und die Bahn an. Durch einen Mehrbetrag bei der Fahrkarte soll die Fahrt CO2-neutral sein.

Und sich jetzt durch sein schlechtes Gewissen nicht mehr nach Mallorca traut: von Köln ist sind die Balearen auch per Bahn mit dem Thalys über Paris und dann mit dem Elipsos-Nachtzug nach Barcelona (Spanien) zu erreichen. Von dort aus geht es dann bequem per Fähre nach Malle.


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Treibhausgase: wer verursacht sie und was können wir dagegen tun?

Alle sprechen von der Notwendigkeit den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Doch wer ist genau für die Emissionen in Deutschland verantwortlich? Ein Blick auf die Zahlen vom Bundesumweltamt (2012) verrät augenscheinlich die Hauptschuldigen für die Kohlendioxid (CO2)-Produktion: Energiewirtschaft, Verkehr und die privaten Kleinverbraucher. Doch da fehlt doch wer…

Landwirtschaft als verdeckter Klimasünder

Die letzten Zahlen vom Umweltbundesamt beschreiben die Treibhausgasemissionen im Jahr 2012. Unter dem Diagramm steht kleingedruckt: „Kohlendioxidemissionen ohne Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft“. Sind diese etwa unbedeutend, wenn sie nicht im Diagramm erwähnt werden?

Keinesfalls! Sie produzieren zwar nicht viel Kohlendioxid, dafür aber andere klimarelevante Gase wie Methan, Stickoxide und Ammoniak. Diese lassen sich in ihrer Wirkung mit Kohlendioxid vergleichen, um daraus ein Kohlendioxid-Aquivalent zu berechnen. Das Umweltbundesamt weist Zahlen für Distickstoffoxid (Lachgas) und Methan sowie deren Kohlendioxid-Äquivalente aus. Daraus ergibt sich, dass die Landwirtschaft und Tierhaltung etwa 105 Millionen Tonnen CO2 in die Luft gepustet hat. Damit liegt sie knapp unter dem verarbeitendem Gewerbe aber immer noch doppelt so hohe Emissionen wie die Industrie.

Ursachen der Treibhausgase

  • Klimakiller Nummer 1 ist mit 360 Mio. Tonnen die Energiewirtschaft. Speziell die Kohleverfeuerung zur Stromproduktion in den Kohlekraftwerken ist Hauptschuldiger an den Treibhausgasen in Deutschland.
  • Klimakiller Nummer 2 mit 292 Mio. Tonnen der Verkehr zusammen mit Kleinverbrauchern und den privaten Haushalten. Alles was sich auf der Straße, in der Luft und im Wasser bewegt, erzeugt Kohlendioxid durch die Verbrennung von Treibstoff. Dazu kommen die Feuerungsanlagen in unseren Häusern. Also unsere Heizungen in denen Öl, Kohle oder Holz verbrannt werden.
  • Klimakiller Nummer 3 ist mit 166 Mio. Tonnen die Industrie. Diese Treibhausgase setzen sich zum Einen aus den Prozessfeuerungsanlagen, in den die notwendige Wärme und Energie produziert wird. Des Weiteren entstehen Treibhausgase direkt in den Industrieprozessen wie bei der Erdölraffination oder bei der Herstellung von Zement, Kalk oder Glas.
  • Klimakiller Nummer 4 mit 105 Mio. Tonnen die Landwirtschaft und Tierproduktion. Bei der Nutzung und dem Abbau von Kunstdünger und Gülle, die bei der Tierhaltung entsteht, werden Treibhausgase freigesetzt.

Handlungsplan zur Nachhaltigkeit – was können wir gegen Treibhausgase tun?

Nicht alle von uns können oder wollen sich in allen Bereichen ökologischer Verhalten. Manchmal kostet ökologisches Handeln mehr, als die umweltschädliche Alternative. Manchmal können wir aber auch Geld sparen und dennoch ökologisch sein. Zum Beispiel in dem wir einfach Dinge weniger kaufen (z.B. Fleisch): Warum nicht einfach mal an ein bis zwei Tagen die Woche sich vegan ernähren?

In allen Dingen ökologisch korrekt zu Handeln kann auch frustrieren weil wir geliebte Verhaltensweisen aufgeben sollten. Dennoch gibt es einige wenige Maßnahmen, bei denen wir wenig tun müssen und dennoch viel für das Klima tun können. Hier ein Handlungsplan nach den effizientesten Klimaschutzmethoden.

Energie sparen

  • Ökostrom kaufen
  • bei Neuanschaffungen auf energiesparende Geräte setzen wie z.B. LED-Lampen statt Halogenbirnen

Verkehrswende

  • öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad nutzen
  • Flugreisen vermeiden oder falls möglich internationale Bus- und Bahnverbindungen den Vorzug geben

Ernährung 


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