Plastikmüll oder Klimawandel – Was ist schlimmer?

Was ist schlimmer: Platikmüll oder Klimawandel?

Das Verbot von Plastiktüten und die Einschränkung von Einweg-Plastikprodukten wird von vielen als großer Fortschritt gefeiert. Müllsammelaktionen erfreuen sich großer Beliebtheit und das Thema Plastikmüll im Meer mit den riesigen Müllstrudeln im Ozean erhitzt die Gemüter. Doch wird die Vermeidung von Plastikmüll den Klimawandel stoppen?

Plastikmüll vermeiden ist schick!

Plastiktüten haben mittlerweile ein schlechtes Image. Das ist schon einmal ein Anfang und muss auf andere Bereich ausgedehnt werden. Doch warum ist das so?

In Sachen Plastikmüll wird fleißig getrennt und bei kollektiven Müllsammelaktionen wird auch der letzte Kaffeebecher mit Kunststoffbeschichtung aus dem Busch gezogen. Warum klappt es nicht auch bei anderen Bereichen?

Plastikmüll ist fotogen

Plastikmüll in der Natur ist ein gutes Fotomotiv. Ein Bild von unberührter Natur mit einer zerfetzten Plastiktüten in den Blättern von Büschen und Bäumen erregt sofort die Gemüter.

Toter Seevogel mit einer Plastikschnur um den Körper gewickelt
Toter Seevogel mit einer Plastikschnur um den Körper gewickelt

Verendete Tiere mit Mägen voller Plastik wecken Emotionen und fordern zum Handeln auf. Genauso der Plastikmüll in der Umwelt. Es stört das ästhetische Wohlbefinden.

Plastikmüll an einem Strand in Indonesien
Plastikmüll an einem Strand in Indonesien (Quelle: travelourplanet.com CC BY 2.0)

Folgen des Klimawandels lassen sich schwer in Bilder packen

Die Folgen des Klimawandels lassen sich schon schwerer in Bilder packen, um damit einen Offenheit für die Auseinandersetzung über dessen Hintergründe zu ermöglichen. Das Artensterben ist ein langsamer Prozess:  es fallen nicht einfach alle Bienen von den Blüten. Viele Arten sterben einfach leise und unbemerkt aus. Genauso das Abschmelzen der Gletscher – nur im Vergleich mit alten Bildern aus der Vergangenheit erschließt sich das Problem!

Abschmelzender Gletscher Briksdalsbreen in Norwegen im Jahr 2003 und 2008 (Quelle: Ximonic CC BY SA 3.0)
Abschmelzender Gletscher Briksdalsbreen in Norwegen im Jahr 2003 und 2008 (Quelle: Ximonic CC BY SA 3.0)

Unwetterkatastrophen wie Stürme, Dürren und Überschwemmungen hat es schon immer gegeben. Die Bilder haben keinen Neuigkeitswert mehr. Sie sind zwar schrecklich aber oft weit entfernt und gehen uns deshalb nicht so unter die Haut.

Eigener Beitrag gegen den Klimawandel nicht sichtbar

Ein anderes Problem ist der eigene Beitrag zum Klimawandel. Der Ausstoß von CO2 ist nicht direkt sichtbar. Im Gegensatz zum Plastikmüll in der Mülltonne ist der eigene ökologische Fußabdruck und eine abstrakte Zahl. Bei einer Klimaerwärmung von maximal 1,5°C würden jedem Menschen pro Jahr 1,5t CO2-Ausstoß zustehen. In Deutschland lag der durchschnittliche CO2-Ausstoß im 2021 pro Person bei 11,17 Tonnen.

Abkehr von klimaschädlichen Verhaltensweisen ist Verzichtsrethorik

Es ist viel einfacher sich einen schicken Jutebeutel zuzulegen, um sich damit Plastikvermeidung auf die Fahne zu schreiben. Doch den eigenen ökologische Fußabdruck effektiv zu verkleiner bedeutet schon richtig viel Aufwand. Nichts ist so schwer wie eingeschliffene Verhaltensweisen zu verändern. In den folgenden Bereichen kann richtig viel CO2 gespart werden, es bedeutet aber die Änderung von lang praktizierten Verhaltensweisen und den Wertvorstellungen in unseren Köpfen.

  • die Umstellung der Ernährung (weniger Fleisch, Wurst, Butter und Käse)
  • statt das Auto lieber auf Bus & Bahn umsteigen (sofern es gute ÖPNV-Anbindung gibt, Flugreisen notfalls kompensieren)
  • Urlaub in der Region und Flugreisen nach Möglichkeit vermeiden
  • Dinge lange nutzen (besonders Elektrogeräte)

Jeder dieser aufgezählten Punkte bedeutet richtig Arbeit. Doch jeder dieser Punkte kann auch einen großen Beitrag zur Vermeidung von CO2 sein. Ein Flug nach Mallorca von Berlin verursacht circa 700kg CO2 (Hin- und Rückflug). Das entspricht eine Einsparung von an 350kg Kunststoff. Bei einer Plastiktüte mit einem Gewicht von 20g wären dies 17500 Plastiktüten.

Die Rolle von Plastikmüll bei der Klimaerwärmung

Kunststoffe werden aus Erdöl hergestellt und irgendwann verbrannt oder zersetzen sich langsam in der Umwelt. Die Produktion von einem Kilogramm Kunststoff setzt ungefähr 2kg CO2 frei. Kunststoff entsteht aus der Umwandlung von fossilen Energieträgern in Form von Erdöl. Die Vermeidung von Plastikmüll hilft damit natürlich auch gegen den Klimawandel. Jede Tonne gespartes CO2 ist wichtig – doch Plastikmüll ist nur zum einem geringen Teil am Klimawandel schuld.

Der Klimawandel bedroht die Menschheit, Plastikmüll bedroht unser Sauberkeitsgefühl

Diese Überschrift ist natürlich überspitzt und sehr verallgemeinernd. Plastikmüll und die Gefahren durch die Produktion von Kunststoffe sollen damit nicht verharmlost werden. Bei den Stichworten Bisphenol A (BPA) oder Weichmachern schrillen sofort die Alarmglocken. Ganze Landstriche werden bei der Kunststoffproduktion verseucht und zu viele Menschen wurden und werden dabei vergiftet.

Der Klimawandel bedroht uns hingegen als gesamte Menschheit. Bereits der Krieg in der Ukraine zeigt wie anfällig die Nahrungsmittelversorgung aufgrund dieses Krieges ist. Fehlende Getreidelieferungen und eingeschränkte Düngemittelexporte führen in vielen Ländern der Welt zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise.

Klimawandel führt zu multiplen globalen Krisen

Durch den Klimawandel erleben wir zukünftig immer öfter Ernteausfälle die viele Menschen zur Flucht zwingen. Mittlerweile hat sich dafür schon ein eigener Begriff etabliert: Klimaflüchtlinge wird es in Zukunft immer häufiger geben. Dabei darf nicht vergessen werden, dass eine Verknappung von fruchtbaren Böden durch Dürren und Überschwemmung), der Zugang zu Trinkwasser (Gletscherschmelze, Trockenheit) und die Verfügbarkeit von Bodenschätzen (Erdöl, Seltene Erden, …) sich zuspitzen werden und das Potential für neue Kriege in sich bergen.

Plastikmüll oder Klimawandel? Klimawandel!

Aus diesem Grund sollte die Begrenzung der CO2-Emissionen oberste Priorität haben. Und der Plastikmüll von heute wird der Rohstoff von morgen sein.


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