Klimaflüchtlinge: Flüchtlinge auf der Flucht vor dem Klimawandel

Klimaflüchtlinge sind Armutsflüchtlinge – denn sie können sich nicht vor den Folgen des Klimawandels schützen. Armut ist genauso bedrohlich wie Krieg oder Vertreibung. Warum fällt es so schwer, Klimaflüchtlinge als legitime Flüchtlinge anzuerkennen?

Flüchtling – Definition der Genfer Flüchtlingskonferenz

Das internationale Standardwerk, worauf sich auch die Gesetzgebung in Deutschland bezieht ist die Genfer Flüchtlingskonvention von 1967. Dieser Vertrag definiert wer ein Flüchtling ist und welchen Schutz er durch die Unterzeichnerstaaten genießt. Laut dieser Definition ist ein Flüchtling eine Person, die „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will“.

Anerkannte Fluchtgründe, die zu einem Flüchtlingsstatus und damit den Schutz durch das Zielland nach sich ziehen gelten damit nur für Menschen, die aufgrund :

  • ethnischen Zugehörigkeit
  • Religion
  • Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
  • politische Überzeugungen

verfolgt werden oder die begründete Furcht haben, verfolgt zu werden und durch die Institutionen ihres Herkunftsstaates nicht geschützt zu werden.

Genfer Flüchtlingskonvention vs. Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Nicht geschützt werden Menschen, die aufgrund von Armut ihre Heimat verlassen, weil ihr Staat sie nicht davor schützen kann. Armut ist aber auch lebensbedrohlich! Wenn eine sichere Wohnsituation, gesunde Ernährung oder medizinische Versorgung nicht möglich ist oder nicht bezahlt werden kann, ist es mir doch egal ob ich durch Verfolgung sterbe oder durch Armut. Doch Armut ist kein anerkannter Fluchtgrund. Das UNHCR (Flüchtlingsschutz-Organisaton der Vereinten Nationen) unterscheidet zwischen echten Flüchtlingen und sogenannten „Wirtschaftsmigranten“ und argumentiert:

Ein Migrant verlässt seine Heimat üblicherweise freiwillig, um seine Lebensbedingungen zu verbessern. Sollte er zurückkehren, genießt er weiterhin den Schutz seiner Regierung. Flüchtlinge hingegen fliehen vor drohender Verfolgung und können unter den bestehenden Umständen nicht in ihr Heimatland zurückkehren.“

Knackpunkt ist hier also das Wort „Verfolgung“. Armut ist keine Verfolgung, auch wenn trotzdem Menschen sterben. Diese Interpretation wird umso fragwürdiger, wenn wir ein anderes internationales Vertragswerk dagegen halten. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte besagt in Artikel 25 Absatz 1:

Jeder hat das Recht auf einen Lebens­stan­dard, der seine und seiner Fam­i­lie Gesund­heit und Wohl gewährleis­tet, ein­schließlich Nahrung, Klei­dung, Woh­nung, ärztliche Ver­sorgung und notwendige soziale Leis­tun­gen, sowie das Recht auf Sicher­heit im Falle von Arbeit­slosigkeit, Krankheit, Inva­lid­ität oder Ver­witwung, im Alter sowie bei ander­weit­igem Ver­lust seiner Unter­haltsmit­tel durch unver­schuldete Umstände.“

Armut kann selbst verschuldet sein. In den meisten Fällen ist Armut allerdings kein individuelles Schicksal sondern ein gesellschaftlich organisierter Zustand. Kurz gesagt, in einer Gesellschaft profitieren Menschen von der Armut anderer und nutzen ihren Reichtum um diesen Zustand beizubehalten. Damit kommen wie zu den Folgen des Klimawandels, der ja auch ein unverschuldeter Umstand ist. Zumindest in den Regionen, die am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind. Reiche Staaten können ihre Bürger vor den Folgen schützen. Beispielsweise können die Niederlande durch Deichbau die Flutgefahr reduzieren. In anderen Staaten steht die Bevölkerung vor der Wahl, entweder in sichere Gebiete umzusiedeln, also zu flüchten, oder sich ihrem Schicksal zu ergeben.

Die Folgen des Klimawandels führen zu Klimaflüchtlingen

Durch den Menschen-gemachten Treibhauseffekt heizt sich die Atmosphäre auf. Obwohl es nur wenige Grad Celsius sind, haben diese aber katastrophale Folgen für den gesamten Planeten. Die Karte zeigt einige der Folgen des Klimawandels südlich von Europa.

Demonstrant auf dem internationalen Aktionstag gegen den Klimawandel (ItzaFineDay CC BY 2.0)
Demonstrant auf dem internationalen Aktionstag gegen den Klimawandel (ItzaFineDay CC BY 2.0)

Anstieg der Meeresspiegel und die Folgen

Die Eispanzer an den Polkappen schmelzen und führen zum Anstieg der Meeresspiegel. Dies betrifft alle Küstenregionen, wo die Mehrheit der Menschen leben. Besonders schlecht sieht es für Inseln, die nur knapp über dem Meeresspiegel liegen. Diese werden komplett verschwinden wie z.B. Tuvalu oder die Malediven. Zusätzlich gehen auch küstennahe Ackerflächen für Nahrungsmittelproduktion verloren, da diese durch das Salzwasser unbrauchbar werden. Durch den Anstieg der Meeresspiegels und starke Niederschläge sind besonders große Flussmündungen (Deltas) von Überschwemmungen und Versalzung betroffen. Siedlungsgebiete an den Fluss-Deltas vom Nil, Mekong oder dem Brahmaputra, an den Millionen von Menschen leben, werden damit unbewohnbar.

Extreme Wetterereignisse: el Niño

Durch das wärmere Klima kann die Luft mehr Wasserdampf speichern. Zusätzlich ändern sich die Druckunterschiede. Das Gefüge der globalen Luftströmungen ändert sich und damit nehmen Unwetterphänomene wie El Niño / La Niña zu. Dies führt zu extremen Wetterlagen wie Dürren, Stürme oder starke Niederschläge in kurzer Zeit. Der Wirbelsturm Katrina zeigte 2005 im Süden der USA wie anfällig auch eine reiche Nation gegenüber Unwetterereignissen ist.

Ausbreitung von Krankheiten

Durch die Veränderung der Temperaturen verändern sich auch die Gebiete in den bestimmte Krankheiten vorkommen. In der Grafik sind nach Hochrechnungen die Gebiete rot markiert, in denen es im Jahr 2050 auch zu Malaria-Ausbrüchen kommen wird. Damit vergrößert sich das Gebiet, in dem die Anopheles-Mücken überleben können. Wenn diese mit Plasmodien befallen sind, übertragen sie diese mit ihrem Stich und tragen damit zur Verbreitung der Malaria bei. Dies gilt aber nicht nur Malaria, auch für das Denguefieber wird befürchtet, dass es in Europa heimisch werden kann.

Klimawandel als Fluchtgrund nicht anerkannt

Als einziger Staat hat bisher nur Neuseeland den Klimawandel als Fluchtgrund anerkannt. Im Juni 2014 hat eine Familie aus dem Inselstaat Tuvalu Flüchtlingsschutz erhalten. Eine Abschiebung nach Tuvalu kam aus humanitären Gründen nicht in Betracht, da durch den Anstieg des Meeresspiegels Tuvalu im Ozean versinken wird.

Diese Regelung sollte auch rechtlich bindend in den Genfer Flüchtlingskonvention aufgenommen werden und damit in nationales Recht eines jeden Staates werden, der diese Konvention unterschrieben hat. Ziel sollte es sein, dass Flucht immer dann anerkannt wird, wenn die allgemeinen Menschenrechte an einem Ort nicht mehr durchgesetzt werden können.


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Ein ökologischer Gartenzaun zum Nulltarif im Selbstbau

Foto: Weidenzaun mit sich überkreuzenden Weidenstecklingen (Quelle: TransitionsBlog.de CC-BY-SA)

Vor neugierigen Blicken hilft ein Sichtschutz. Der Handel bietet viele Möglichkeiten, vom hölzernen Lamellenzaun bis zum Maschendrahtzaun. Für viel Geld kann man kiloweise Schrott nach Hause fahren. Warum nicht einen kostenlosen Zaun bauen, der eine Bereicherung für die biologische Artenvielfalt darstellt, sich selbst repariert und am Ende seiner Lebenszeit nicht entsorgt werden muss? Ein Weidenzaun zum selber bauen.

Weidenstecklinge vorbereiten

Als Materialspender eignen sich besonders Kopfweiden. Diese haben viele Triebe, welche auch noch in entspannter Arbeitshöhe abgesägt werden können. Die Ruten sollten an ihrer dünnsten Stelle mindestens 3cm Durchmesser haben. Mit einem Messer ist da nichts mehr zu machen. Weidenholz ist auch ein sehr biegsames Holz. Abbrechen der Triebe führt zu starken Verletzungen des Baumes. Mit einer scharfen Grünholzsäge nur so viele Triebe entfernen, dass dem Baum noch genügend Blattwerk für sein Weiterleben bleibt. Mit einem Messer die Triebspitze, Zweige und Blätter entfernen. Zusätzlich kann auch noch die untere Schnittkante angeschrägt werden. Für meinen Sichtschutz habe ich die Ruten auf zwei Meter Länge geschnitten.

Anwurzeln der Stecklinge im Wasser

Manche lassen diesen Schritt aus und setzen die frisch geschnittenen Stecklinge direkt in den Boden. Ich ziehe es vor, meinen Stecklingen einen Vorsprung zu geben: zum Anwurzeln stelle ich sie circa zwei Wochen in einen Wassereimer. Sobald die ersten Wurzeln sich zeigen kann es weitergehen.

 

Weidenruten mit Wurzelansätzen
Weidenruten mit Wurzelansätzen

Setzen der Stecklinge

Die Stecklinge werden mindestens 30cm tief in die Erde gepflanzt. Dabei darauf achten, dass die feinen Wurzelansätze nicht abbrechen. Leichter geht dies wenn jemand hilft: eine Person hält den Steckling in gewünschter Position, die andere füllt die Löcher mit Erde auf. Ich habe meine Steckling schräg gepflanzt damit sie sich gegenseitig überkreuzen. An den Kreuzungen habe ich die Steckling mit einem Baumwollband zusammengebunden. Hoffentlich wachsen sie in Zukunft an dieser Stelle zusammen.

Gießen des Zaunes

Besonders in den ersten Tagen braucht der Zaun viel Wasser. Wenn die Wurzeln lang genug gewachsen sind, versorgt sich der lebende Sichtschutz selbst mit Wasser und Nährstoffen. Je besser das Anwachsen klappt, je höher die Überlebensrate der einzelnen Stecklinge. Der Zaun auf den Bildern ist inzwischen knapp ein Jahr alt und circa 80% der Stecklinge haben den Winter überlebt.

lebender Sichtschutz aus Weidenruten
lebender Sichtschutz aus Weidenruten

Mehr braucht es nicht. Und nebenbei hat man dutzende Bäumen gepflanzt und seinen ökologischen Fußabdruck verbessert.

Vergleich zum herkömmlichen Lattenzaun

Ein herkömmlicher Lattenzaun im Selbstbau benötigt ungefähr die gleiche Arbeitszeit. Das Betonfundament ist in der Herstellung aufwändiger, dafür entfällt das Gießen bzw. die Pflege des lebenden Zaunes. Von Vorteil ist, dass der Sichtschutz sofort nach Montage der Latten in vollem Umfang ausgebildet ist. Der Weidenzaun braucht ein paar Wochen, bis die Wurzeln gut angewachsen sind. Ein großer Unterschied besteht in den Kosten: für den Lattenzaun braucht es Zement, Verschalungs-Material, Metallfüße, Schrauben, Latten und den Anstrich für den Witterungsschutz. Ein lebender Zaun aus Weiden benötigt kein Verbrauchsmaterial außer einer Weide für die Stecklinge. Aber wenn alles klappt, gibt es eine neue kleine Baumreihe aus Weiden.


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Treibhausgase: wer verursacht sie und was können wir dagegen tun?

Alle sprechen von der Notwendigkeit den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Doch wer ist genau für die Emissionen in Deutschland verantwortlich? Ein Blick auf die Zahlen vom Bundesumweltamt (2012) verrät augenscheinlich die Hauptschuldigen für die Kohlendioxid (CO2)-Produktion: Energiewirtschaft, Verkehr und die privaten Kleinverbraucher. Doch da fehlt doch wer…

Landwirtschaft als verdeckter Klimasünder

Die letzten Zahlen vom Umweltbundesamt beschreiben die Treibhausgasemissionen im Jahr 2012. Unter dem Diagramm steht kleingedruckt: „Kohlendioxidemissionen ohne Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft“. Sind diese etwa unbedeutend, wenn sie nicht im Diagramm erwähnt werden?

Keinesfalls! Sie produzieren zwar nicht viel Kohlendioxid, dafür aber andere klimarelevante Gase wie Methan, Stickoxide und Ammoniak. Diese lassen sich in ihrer Wirkung mit Kohlendioxid vergleichen, um daraus ein Kohlendioxid-Aquivalent zu berechnen. Das Umweltbundesamt weist Zahlen für Distickstoffoxid (Lachgas) und Methan sowie deren Kohlendioxid-Äquivalente aus. Daraus ergibt sich, dass die Landwirtschaft und Tierhaltung etwa 105 Millionen Tonnen CO2 in die Luft gepustet hat. Damit liegt sie knapp unter dem verarbeitendem Gewerbe aber immer noch doppelt so hohe Emissionen wie die Industrie.

Ursachen der Treibhausgase

  • Klimakiller Nummer 1 ist mit 360 Mio. Tonnen die Energiewirtschaft. Speziell die Kohleverfeuerung zur Stromproduktion in den Kohlekraftwerken ist Hauptschuldiger an den Treibhausgasen in Deutschland.
  • Klimakiller Nummer 2 mit 292 Mio. Tonnen der Verkehr zusammen mit Kleinverbrauchern und den privaten Haushalten. Alles was sich auf der Straße, in der Luft und im Wasser bewegt, erzeugt Kohlendioxid durch die Verbrennung von Treibstoff. Dazu kommen die Feuerungsanlagen in unseren Häusern. Also unsere Heizungen in denen Öl, Kohle oder Holz verbrannt werden.
  • Klimakiller Nummer 3 ist mit 166 Mio. Tonnen die Industrie. Diese Treibhausgase setzen sich zum Einen aus den Prozessfeuerungsanlagen, in den die notwendige Wärme und Energie produziert wird. Des Weiteren entstehen Treibhausgase direkt in den Industrieprozessen wie bei der Erdölraffination oder bei der Herstellung von Zement, Kalk oder Glas.
  • Klimakiller Nummer 4 mit 105 Mio. Tonnen die Landwirtschaft und Tierproduktion. Bei der Nutzung und dem Abbau von Kunstdünger und Gülle, die bei der Tierhaltung entsteht, werden Treibhausgase freigesetzt.

Handlungsplan zur Nachhaltigkeit – was können wir tun?

Nicht alle von uns können oder wollen sich in allen Bereichen ökologischer Verhalten. Manchmal kostet ökologisches Handeln mehr als die umweltschädliche Alternative, manchmal können wir aber auch Geld sparen und dennoch ökologisch sein. Zum Beispiel in dem wir einfach Dinge weniger kaufen (z.B. Fleisch). In allen Dingen ökologisch korrekt zu Handeln kann auch frustrieren weil wir geliebte Verhaltensweisen aufgeben sollten. Dennoch gibt es einige wenige Maßnahmen, bei denen wir wenig tun müssen und dennoch viel für das Klima tun können. Hier ein Handlungsplan nach den effizientesten Klimaschutzmethoden.

Energie sparen

  • Ökostrom kaufen
  • bei Neuanschaffungen auf energiesparende Geräte setzen wie z.B. LED-Lampen statt Halogenbirnen

Verkehrswende

  • öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad nutzen
  • Flugreisen vermeiden oder falls möglich internationale Bus- und Bahnverbindungen den Vorzug geben

Ernährung 

  • weniger Fleisch essen, dein Sparschwein wird sich freuen
  • saisonale Produkte kaufen, sie sind billiger und oft auch frischer da sie nur über kurze Entfernungen transportiert werden können

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Autoreifen – Lösungen für ein Umweltproblem

Autoreifen – ohne sie wären der Güter- und Personenverkehr wie wir ihn heute kennen nicht denkbar. Doch was passiert mit ihnen, wenn sie für den Dienst auf der Straße nicht mehr geeignet sind? Warum sind Altreifen ein Problem für das Recycling? „Autoreifen – Lösungen für ein Umweltproblem“ weiterlesen