Krieg und Frieden – Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit?

Brennende Ölquellen in Kuwait, die von irakischen Truppen absichtlich in Brand gesetzt wurden (Quelle: U.S. DefenseImagery; public domain)

Ist Frieden ohne Nachhaltigkeit möglich? Der Artikel zeigt, dass Frieden ein notwendiger Bestandteil einer nachhaltigen Gesellschaft ist. Doch Frieden bedeutet nicht gleich Nachhaltigkeit. Durch die globale Verknüpfung von Waren- und Rohstoffketten profitieren Länder im Frieden von den Kriegen in anderen Staaten. Diese Rohstoff-Kriege ermöglichen es reichen Staaten, die ökologischen Ressourcen in anderen Staaten auszubeuten. „Krieg und Frieden – Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit?“ weiterlesen

Bits & Bäume – Konferenz für Techis und Ökos (17-18.11 / Berlin)

Wie lässt sich nachhaltiger Hacktivismus und die Digitalisierung von Umwelt- und Klimaschutz gestalten?

Digitalisierung trift Nachhaltigkeit

Diese Frage geht die zweitägige Konferenz Bits & Bäume in Berlin nach. Es ist der Versuch zwei Szenen miteinander zu vernetzen, die bislang oft nur nebenher gewirkt haben. Techis, Hacker und Maker zusammen mit MenschenrechtlerInnen, Ökos und UmweltschützerInnen. Zwei Bewegungen, die viel voneinander lernen können und zusammen mehr erreichen können.

Themen von Bits & Bäume

In unterschiedlichen Podien werden z.B. folgende Themen diskutiert:

  • Digitalisierung und Dematerialisierung von Produktion und Konsum
  • ökologischer Fußabdruck der Digitalisierung
  • Degrowth, Open Source, Sharing-Economy und Datenschutz
  • Kritik des digitaler Kapitalismus

Format der Konferenz

Zu den einzelnen Themen gibt es moderierte Podien. Die TeilnehmerInnen kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen und bringen die Standpunkte aus ihrer Sicht ein. Der aktuelle Veranstaltungsplan ist noch in Arbeit, aber die ersten Veranstaltungen stehen schon.

Wer ist dabei?

Veranstaltet wird die Konferenz vom Chaos Computer Club, BUND, FiFF, Brot für die Welt, Germanwatch, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, Open Knowledge Foundation, konzeptwerk neue ökonomie, TU Berlin und dem Deutschen Naturschutzring.

 

Plastikmüll: Mehlwürmer fressen Polystyrol-Kunststoff

Erdölbasierte Kunststoffe galten bislang nicht als biologisch abbaubar. Über Jahrzehnte zersetzen sie sich langsam und reichern sich als Mikroplastik in der Nahrungskette an. Doch Mehlwürmer scheinen etwas zu können, was eine Lösung für die stetig wachsenden Müllhalden an Kunststoff-Müll darstellen könnte.

Biologischer Kunststoff-Abbau

Zerfressen wie ein Schweizer Käse: Der Forscher von der Stanford Universität präsentierte einen weißen Polystyrol-Block, der von Frasgängen der Mehlwürmer durchlöchert war. Den Mehlwürmern war es möglich, dem Kunststoff lebenswichtige Nährstoffe zu entziehen. Bislang ging man davon aus, dass dieser Kunststoff in der Natur ohne die Wirkung von UV-Strahlung nicht abgebaut wird. Verantwortlich für die Zersetzung von Polystyrol sind Bakterien im Darm der Mehlwürmer. Ihnen ist es möglich, Kunststoff so zu zersetzen, dass die  Mehlwürmer daraus ihre Nährstoffe beziehen können. In den Ausscheidungsprodukten der Würmer ist der Kunststoff so weit biologisch abgebaut, dass er Pflanzen als Dünger dienen kann.

Polystyrol-Kunststoff als Nahrung

In den Experimenten fraßen 100 Mehlwürmer pro Tag circa 34 bis 39 Milligramm Polystyrol. Hochgerechnet auf einen weiß-braunen Kaffeebecher aus einem Automaten (Gewicht: 4,2g) bräuchten es circa 11.200 Würmer, um ihn innerhalb eines Tages zu zersetzen. Diese Relationen zeigen, dass riesige Mengen Mehlwürmer nötig wären, um mit dem Müllaufkommen von Polystyrol-Produkten mitzuhalten.

Mehlwürmer als biologische Kunststoffentsorgung?

Polystyrol  ist in vielen Produkten unseres täglichen Lebens enthalten. Einweg-Geschirr, Joghurt-Becher, abgepackte Wurst- und Käseprodukte oder die Kunststoffschalen von Weintrauben und Champignons – viele Lebensmittel sind in Polystyrol verpackt. Als Schaumstoff oder expandiertes Polystyrol (EPS) kommt es als Fassadendämmstoff, Polstermaterial oder Isoliermaterial (z.B. Styropor) zum Einsatz. Dass Recycling von Polystyrol ist aufwändig und aufgrund von Verschmutzungen und Belastung mit anderen Chemikalien (z.B. Flammschutzmittel) ökologisch zwar notwendig, ökonomisch aber unrentabel. Deshalb wandert ein Großteil in die Müllverbrennung. Mehlwürmer könnten zur biologischen Umwandlung von Polystyrol in Dünger im Rahmen des Cradle-to-Cradle Verfahren eingesetzt werden. Die Masse an Polystyrol, die weltweit als Müll anfällt und bereits in den Meeren und Deponien sich angereichert hat, würde riesige Mehlwurm-Farmen in jeder größeren Stadt benötigen.

Kunststoff-fressende Bakterien

Im Darm der Mehlwürmer konnten bislang unbekannte Bakterien-Arten gefunden werden, die für den Abbau von Polystyrol verantwortlich sind. Diese befinden sich nicht nur im Darm von Mehlwürmern bzw. Mehlkäfern (Tenebrio molitor), sondern auch im Schwarzkäfer (Zophobas morio). Dadurch können beide Polystyrol verdauen. Dies könnte ein Ansatz sein, zukünftig diese Bakterien das Kunststoff-Recycling einzusetzen. Große Mengen von diesen Bakterien-Kulturen könnten ein gangbarer Weg sein, neue Formen der ökologischen Kunststoffentsorgung zu finden.


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Ein ökologischer Gartenzaun zum Nulltarif im Selbstbau

Foto: Weidenzaun mit sich überkreuzenden Weidenstecklingen (Quelle: TransitionsBlog.de CC-BY-SA)

Vor neugierigen Blicken hilft ein Sichtschutz. Der Handel bietet viele Möglichkeiten, vom hölzernen Lamellenzaun bis zum Maschendrahtzaun. Für viel Geld kann man kiloweise Schrott nach Hause fahren. Warum nicht einen kostenlosen Zaun bauen, der eine Bereicherung für die biologische Artenvielfalt darstellt, sich selbst repariert und am Ende seiner Lebenszeit nicht entsorgt werden muss? Ein Weidenzaun zum selber bauen.

Weidenstecklinge vorbereiten

Als Materialspender eignen sich besonders Kopfweiden. Diese haben viele Triebe, welche auch noch in entspannter Arbeitshöhe abgesägt werden können. Die Ruten sollten an ihrer dünnsten Stelle mindestens 3cm Durchmesser haben. Mit einem Messer ist da nichts mehr zu machen. Weidenholz ist auch ein sehr biegsames Holz. Abbrechen der Triebe führt zu starken Verletzungen des Baumes. Mit einer scharfen Grünholzsäge nur so viele Triebe entfernen, dass dem Baum noch genügend Blattwerk für sein Weiterleben bleibt. Mit einem Messer die Triebspitze, Zweige und Blätter entfernen. Zusätzlich kann auch noch die untere Schnittkante angeschrägt werden. Für meinen Sichtschutz habe ich die Ruten auf zwei Meter Länge geschnitten.

Anwurzeln der Stecklinge im Wasser

Manche lassen diesen Schritt aus und setzen die frisch geschnittenen Stecklinge direkt in den Boden. Ich ziehe es vor, meinen Stecklingen einen Vorsprung zu geben: zum Anwurzeln stelle ich sie circa zwei Wochen in einen Wassereimer. Sobald die ersten Wurzeln sich zeigen kann es weitergehen.

 

Weidenruten mit Wurzelansätzen
Weidenruten mit Wurzelansätzen

Setzen der Stecklinge

Die Stecklinge werden mindestens 30cm tief in die Erde gepflanzt. Dabei darauf achten, dass die feinen Wurzelansätze nicht abbrechen. Leichter geht dies wenn jemand hilft: eine Person hält den Steckling in gewünschter Position, die andere füllt die Löcher mit Erde auf. Ich habe meine Steckling schräg gepflanzt damit sie sich gegenseitig überkreuzen. An den Kreuzungen habe ich die Steckling mit einem Baumwollband zusammengebunden. Hoffentlich wachsen sie in Zukunft an dieser Stelle zusammen.

Gießen des Zaunes

Besonders in den ersten Tagen braucht der Zaun viel Wasser. Wenn die Wurzeln lang genug gewachsen sind, versorgt sich der lebende Sichtschutz selbst mit Wasser und Nährstoffen. Je besser das Anwachsen klappt, je höher die Überlebensrate der einzelnen Stecklinge. Der Zaun auf den Bildern ist inzwischen knapp ein Jahr alt und circa 80% der Stecklinge haben den Winter überlebt.

lebender Sichtschutz aus Weidenruten
lebender Sichtschutz aus Weidenruten

Mehr braucht es nicht. Und nebenbei hat man dutzende Bäumen gepflanzt und seinen ökologischen Fußabdruck verbessert.

Vergleich zum herkömmlichen Lattenzaun

Ein herkömmlicher Lattenzaun im Selbstbau benötigt ungefähr die gleiche Arbeitszeit. Das Betonfundament ist in der Herstellung aufwändiger, dafür entfällt das Gießen bzw. die Pflege des lebenden Zaunes. Von Vorteil ist, dass der Sichtschutz sofort nach Montage der Latten in vollem Umfang ausgebildet ist. Der Weidenzaun braucht ein paar Wochen, bis die Wurzeln gut angewachsen sind. Ein großer Unterschied besteht in den Kosten: für den Lattenzaun braucht es Zement, Verschalungs-Material, Metallfüße, Schrauben, Latten und den Anstrich für den Witterungsschutz. Ein lebender Zaun aus Weiden benötigt kein Verbrauchsmaterial außer einer Weide für die Stecklinge. Aber wenn alles klappt, gibt es eine neue kleine Baumreihe aus Weiden.


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