Faktencheck – Argumente der Klimaskeptiker: CO2 als Dünger

Entgegen den wissenschaftlichen Erkenntnissen finden sich immer wieder Klimaskeptiker, die haarsträubende Behauptungen in den Raum stellen. Eine davon ist die Relativierung des Klimawandels. Sie behaupten, mit mehr CO2 geht es dem Planeten besser. Es ist wie Dünger für die Pflanzen. Stimmt das? „Faktencheck – Argumente der Klimaskeptiker: CO2 als Dünger“ weiterlesen

Stromverbrauch von Bitcoin: wie stark belastet eine Transaktion das Klima?

Fakten zum aktuellen Stromverbrauch – bei einer Bitcoin-Transaktion aktualisieren alle Rechner des Bitcoin-Netzwerkes ihre Blochchain. Das braucht natürlich Strom. Mittlerweile so viel, dass sich Sorgen breit machen, wie nachhaltig der Stromverbrauch dieser Kryptowährung ist und wie sich dies auf den Klimawandel auswirkt.

Wie viel Strom kostet eine Bitcoin-Transaktion?

Nach den geschätzten Daten des Bitcoin Energy Consumption Index verbraucht eine Transaktion derzeit 819 kWh. Im Vergleich mit einem Kühlschrank mit 150 Watt, könnte dieser damit 8 Monate lang betrieben werden. Dabei ist es unerheblich, ob nur 0,004 oder 20 Bitcoins überwiesen werden – der Stromverbrauch bleibt der Gleiche. Verantwortlich für den Strom sind die vielen Rechner des Bitcoin-Netzwerks. Jede Transaktion muss auf jedem Server-Knoten in der Blockchain vermerkt werden und danach mit allen Servern abgeglichen werden, ob alle dieselbe Blockchain nach der Transaktion haben.

Stromvergleich bei Transaktion: Bitcoin vs. Visa

Im Vergleich mit einer Bitcoin-Transaktion von 819 kWh, braucht eine Transaktion im Visa-System nur lächerliche 0,0082 kWh. Damit verbraucht Bitcoin die 100.000-fache der Strommenge wie eine Visa-Transaktion. Müssten die Leute selbst die Stromkosten für eine Überweisung zahlen, würde ein Bitcoin-Transaktion bei einem Strompreis von 0,25 Euro pro kWh dann circa 200 Euro kosten. Diese Stromkosten werden aber ausgelagert in Gegenden, wo Strom viel günstiger als in Deutschland ist.

Gesamt-Stromverbrauch von Bitcoin

Transaktionen sind aber nicht das Hauptproblem. Bitcoin-Mining stellt hohe Anforderungen an die Rechner, die neue Bitcoins durch das Erzeugen von Zufallszahlen generieren. Diese müssen dann wieder mit der Blockchain abgeglichen werden, ob sie die Anforderungen für einen neuen Bitcoin erfüllen. Der Algorithmus dahinter heißt Proof of Work. Früher wurden Bitcoin auf normalen PC’s und deren Grafikkarten generiert. Diese erwiesen sich mit ansteigender Komplexität der Berechnungen als nicht mehr effizient genug. Deswegen wird Bitcoin-Mining heute auf speziell entwickelter Hardware betrieben, den auch entsprechend gekühlt werden muss. Der gesamte Stromverbrauch von Bitcoin wird für 2018 auf insgesamt 56,2 TWh geschätzt. Das sind 56.200.000 Kilo-Watt-Stunden, was knapp dem jährliche Stromverbrauch von Israel entspricht.

Miner verwandeln Kohle und Öl zu Bitcoins und CO2

Die immense Stromkosten zeigen, dass die Rechner nur dort lukrativ eingesetzt werden können, wo Strom fast nichts kostet. Die Firmen, die die meisten Bitcoins generiert haben, sitzen alle in China. Diese Industrie-Miner wie F2Pool, AntPool, BTC.com und BW sind für circa 60% der Bitcoins verantwortlich. Mit 15% der errechneten Bitcoins gehen auf das Konto von BitFury in Georgien. Von den Energiekosten gesehen, würde sich Bitcoin-Mining besonders in Venezuela „lohnen“ da dort durch das billige Erdöl die Strompreise besonders niedrig sind. China und Georgien profitieren von dem billigen Kohlestrom in ihren Ländern.

Bitcoin und der Klimawandel

Da der Aufwand für das Bitcoin-Mining exponentiell steigt, steigt auch auch der Energiebedarf exponentiell. Theoretisch könnten die Bitcoin-Mining Hardware und die Server mit Ökostrom betrieben werden. Genaue Daten, aus welcher der Strom für das Bitcoin-Netzwerk kommt, gibt es nicht. Durch den hohen Energiebedarf ist es aber wahrscheinlich, dass billiger Strom genutzt wird. China hat zwar einen hohen Zuwachs an Windkraftanlagen, aber 65% der gesamten Stromproduktion in China wird immer noch durch die Verbrennung von Kohle und Erdöl gewährleistet.

Nachhaltigere Kryptowährungen – welche Coins brauchen weniger Strom?

Das Stromintensive Bitcoin-Mining wird durch das Prof-of-Work Verfahren verursacht. Auch die Kryptowährung Ethereum setzt auf dieses aufwändige Verfahren. Es gibt aber auch stromsparende Verfahren für das Coin-Mining wie z.B. das Proof-of-Stake Verfahren. Hier werden auf Grundlage schon vorhandener Coins weitere Coins errechnet. Dies kann auf kleinen, stromsparenden Computern passieren. Dieses Verfahren wird zum Beispiel bei den Kryptowährungen NEO, Dash oder Lisk eingesetzt.


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Anstieg des Meeresspiegels – Karte der Gebiete, die in Deutschland betroffen sind

Wie sieht die deutsche Küste aus, wenn der Meeresspiegel um 5 Meter steigt? Durch den Klimawandel schmelzen die Polkappen und der Meeresspiegel steigt. „Anstieg des Meeresspiegels – Karte der Gebiete, die in Deutschland betroffen sind“ weiterlesen

Ende Gelände: Warum Umweltschutz-Aktionen gegen Braunkohle wichtig sind

Vom 13. bis 16. Mai trifft sich das Klimaschutz-Bündnis Ende Gelände 2016 im Braunkohlerevier Lausitz. Das Ziel: gegen die weitere Förderung von Braunkohle zu protestieren und auf die sofortige Energiewende zu 100% Erneuerbaren Energien hinzuwirken. Doch warum ist Braunkohle so problematisch?

CO2-Emissionen bei der Stromerzeugung im Vergleich

Von allen fossilen Brennstoffen ist Braunkohle der schmutzigste Energieträger mit dem schlechtesten Brennwert. Die Grafik zeigt einen Vergleich der CO2-Emissionen von unterschiedlichen Stromerzeugungsarten. Da die Kraftwerke bei der Verbrennung neben Kohlendixoid auch andere klimarelevante Treibhausgase ausstoßen (z.B. Schwefeldioxid), werden die Emissionen in CO2-Äquivalente umgerechnet. Das bedeutet, dass der Einfluss eines Gases auf die Klimaerwärmung (Treibhauspotential) mit der von Kohlendioxid verglichen wird und in die entsprechende Menge Kohlendioxid umgerechnet wird. Beispielsweise hat eine Tonne Distickstoffoxid N20 (Lachgas) die Wirkung von 310 Tonnen Kohlendioxid. Die Kohlendioxid-Emissionen bei den Erneuerbaren Energien entstehen durch die Produktion von Photovoltaik-Modulen oder Windkraftanlagen. Beim Betrieb dieser Anlagen fallen keine Emissionen an.

Braunkohle als Klimakiller Nr. 1

Von allen fossilen Energieträgern schneidet die Braunkohle am schlechtesten ab. Es gibt beim aktuellen Strommix in Deutschland keine umweltschädlichere Art der Energieerzeugung, als die Verbrennung von Braunkohle. Durch den hohen CO2-Ausstoß trägt Braunkohle im besonderem Maße zur Klimaerwärmung durch den Treibhauseffekt bei. Problematisch für die Umwelt sind aber nicht nur die Treibhausgase. Bei der Verbrennung entstehen auch Dioxine, Feinstaub, Schwermetalle, Quecksilber und radioaktive Elemente wie Uran, Thorium und Radium. Zusätzlich werden durch die Tagebaue riesige Flächen in Mondlandschaften umgewandelt und durch die Grundwasserabsenkung im Tagebau, wirkt sich dieser auf die Ökosysteme in der Nachbarschaft aus.

Ende Gelände 2016 im Braunkohle-Tagebau und das Lausitzcamp

Am Pfingstwochenende wollen Umweltschützerinnen den Ort in einer gewaltfreien Aktion vorübergehend besetzen. Damit sollen die Bagger stillgelegt werden, die die Braunkohle zur Verstromung abbauen. Zeitgleich findet in der Lausitz ab dem 9. Mai das Lausitzer Klima- und Energiecamp in Proschim statt. Das Dorf soll weggebaggert werden, weil der Tagebau Welzow-Süd II vergrößert werden soll. Ziel des Lausitzcamps ist es, über die Gefahren durch die Nutzung von fossilen Energieträgern zu informieren. Dazu gibt es ein umfassendes Informations- und Kulturprogramm.

Klimaschutzbewegung unterstützen

Keine Zeit hinzufahren und trotzdem Lust die Bewegung zu unterstützen? Hier ein paar Möglichkeiten auch von zu Hause aktiv zu werden:

  • Informiere dich und rede mit deiner Familie und Freundinnen über die Gefahren des Klimawandels durch die Stromerzeugung in Deutschland und was dagegen getan werden kann. Hintergrundinformationen findest hier
  • Keine Kohle für die Kohle! Falls du noch deinen Strom von einem Energieversorgungsunternehmen beziehst, welches Atom- und Kohlekraftwerke nutzt, dann wechsele zu einem echten Ökostromanbieter
  • Spende für die Klimaschutzbewegung! Das Lausitzcamp und die Ende-Gelände Aktion kosten viel Geld für die Vor- und Nachbereitung. Wenn du ein paar Euro spenden möchtest, dann findest du hier Informationen: Ende Gelände

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Mythos Kunststoff-Recycling: Wie viel Plastik-Müll wird in Deutschland recycelt?

Müllttrennung funktioniert im Vergleich zu anderen EU-Länder sehr gut in Deutschland. Doch wie schaut es mit Verpackungsmüll für die Gelbe Tonne aus? Ist das Kunststoff-Recycling in Deutschland dazu geeignet, das Problem mit dem Plastikmüll zu lösen?

Das Diagramm zeigt das Kunststoff-Recycling in Deutschland im Jahr 2013. Die zahlen stammen vom Umweltbundesamt.

Auf der Hompepage von der GmbH „Der Grüne Punkt“ hält sich in diesem Punkt zurück: keine Zahlen, keine Hintergrundinformationen. Doch auf der Seite des Bundesamweltamtes (UBA) gibt es eine Statistik aus dem Jahr 2013 über die Verwertungsquoten:

  • 5.68 Mio. Tonnen Kunststoffabfälle insgesamt
  • 2,37 Mio. Tonnen wurden davon recycelt
  • 3,26 Mio. Tonnen wurden davon verbrannt (2,03 Mio. Tonnen in der Müllverbrennung / 1,23 Mio. Tonnen als Ersatzbrennstoff in der Zementherstellung oder in Kraftwerken als Ersatz für fossile Energieträger)

Wo Kunststoff-Recycling gut funktioniert

Die Statistik beschreibt die Gesamtsumme aller Plastikabfälle – leider nicht aufgeschlüsselt nach der Herkunft. Denn die würde ein düsteres Bild auf die Gelbe Tonne werfen. Hohe Recycling-Quoten werden nämlich woanders erzielt: Rücknahme von Plastik-Flaschen über das Pfandsystem oder separate Entsorgungssysteme von Firmen, die ihre gewerblichen Abfälle entsorgen (z.B. Motoröl-Behälter bei Werkstätten).

Was passiert mit dem Müll der Gelben Tonne?

Verpackungsabfälle sind für zwei Ensorgungsfirmen spannend: Firmen, die den Müll recyceln wollen und Firmen, die ihn verbrennen wollen. Beide konkurrieren um den Müll. Und in einer Marktwirtschaft bekommt derjenige den Zuschlag, der das meiste Geld dafür bezahlt. Die Zahlen zeigen, dass mehr Müll verbrannt als recycelt wird. Viele Städte setzen auf Müllverbrennungsanlagen, weil sie damit Energie und Wärme zu erzeugen können und die Müllmenge reduzieren können.

Müllverbrennung als Vernichtung wertvoller Rohstoffe

Müllverbrennung, auch euphemistisch „Thermische Abfallbehandlung“ genannt, ist aber leider nicht so grün, wie es der „Grüne Punkt“ auf der Verpackung vielleicht erscheinen lässt. Der Kunststoff wird nicht entsorgt, sondern in Asche, Staub und Schlacke verwandelt, die zum Teil aufwändig als Sondermüll deponiert werden müssen. Müllverbrennungsanlagen sind auch nicht besonders effizient, weil der Brennstoff nicht optimal ist:

  • hoher Anteil nicht brennbarer Stoffe wie Glas und Metall
  • hohe Feuchte des Mülls, der dadurch aufwändig getrocknet werden muss
  • viele Kraftwerke ohne Kraft-Wärme-Kopplung arbeiten (gleichzeitige Nutzung von Strom und Wärme)

Tipps zur Mülltrennung – wie lässt sich Plastik-Recycling in Deutschland verbessern?

Landet unser Müll doch bei einer Recycling-Firma, wird der Müll zunächst in einer Müllsortieranlage in getrennt. Dies Anlagen arbeiten mit unterschiedlichen technischen Verfahren, um Müllsorten zu unterscheiden und auszusondern. Magnete erkennen Metall, Laser unterscheiden Glasarten und mit Infrarot-Licht können verschiedene Kunststoffarten erkannt werden. Feuchter Abfall stört jedoch die Lichtsensoren, da der Müll Licht dann anders reflektiert. Auch Verpackungen, die aus unterschiedlichen Stoffen oder gar Plastikarten bestehen, können nicht getrennt werden.

Um den Müllsortieranlagen die Arbeit zu erleichtern, hier ein paar Tipps bei der Abfallsortierung zu Hause:

  1. Feuchtigkeit vermeiden: Verpackung möglichst trocken entsorgen, keine halbvollen Tetra-Packs oder Konservendosen entsorgen.
  2. Unterschieliche Stoffarten voneinader trennen: Recycling funktioniert nur sortenrein! Wo es also möglich ist, sollte alles getrennt werden (Deckel vom Tetra-Pack abschrauben, Aluminiumdeckel vom Yoghurt-Becher abziehen).
  3. Auch Recycling-fähiger Hausmüll gehört in die Gelbe Tonne: eigentlich ist sie nur für Verpackungen da, doch auch Hausmüll kann recyclingfähig sein. Der Sortieranlage ist es egal, dass die Plastik-Ente keine Verpackung ist und damit eigentlich nicht in die Gelbe Tonne gehört. Sie ist aus Kunststoff – genauso wie Kunststoffverpackung und damit kann auch die Ente recycelt werden.

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8 Wege für den Alltag Fluchtursachen weltweit zu bekämpfen

Steigende Asylanträge, überfüllte Flüchtlingsheime und eine durch Frontex abgeriegelte EU-Grenze führen dazu, dass sich Flüchtlinge in die Hand von Schleppern begeben müssen. Warum flüchten sie und was hat das mit uns zu tun?

Verantwortung der Industrienationen

Unsere Verantwortung für die Flucht von anderen Menschen ist drückender, als den meisten von uns bewusst ist. Krieg und Armut sind die häufigsten Fluchtursachen. Unser Lebens- und Konsumstil ist eng mit der Wirtschaft in anderen Staaten verknüpft. Lebensmittel, Haushaltswaren und Rohstoffe kaufen wir im Ausland und beeinflussen damit die Lebenssituation der dortigen Bevölkerung. Wir profitieren von schwachen Gewerkschaften und korrupten Regierungen. Dies führt zu schwachen Umweltschutzauflagen und Arbeitsbedingungen, die hier undenkbar wären.

Mit diesen acht Handlungsmöglichkeiten kann jeder in seinem Alltag Fluchtursachen bekämpfen

Kein Mensch flüchtet freiwillig. Die Risiken einer Flucht erleben wir tagtäglich in den Nachrichten. Sie kostet den Flüchtlingen im günstigsten Fall einige Tausend Euro und viele Strapazen, im schlimmsten Fall das eigene Leben. Dabei sind die Fluchtursachen vielfältig – Flucht vor Krieg, Verfolgung, Gefahr für Leib und Leben durch Armut oder den Folgen des Klimawandels. Alles lebensbedrohliche Zustände welche die Risiken einer Flucht als weniger bedrohlich erscheinen lassen, als das Bleiben und Erdulden der Lebenssituation vor Ort.

Krieg und Armut als häufigster Fluchtgrund

Laut einer Studie des UN-Flüchtlingshilfswerkes (UNHCR Global Trends. Forced Displacements in 2014) waren mehr als die Hälfte aller Flüchtling Opfer von Krieg und Vertreibung. 56% aller Flüchtlinge weltweit stammen aus nur drei Ländern: Syrien, Afghanistan und Somalia. Dicht gefolgt vom Sudan, Süd-Sudan und der Demokratischen Republik Kongo. Alles Länder in denen Krieg herrscht bzw. bewaffnete Konflikte die Menschen in die Flucht treiben. Eine direkte Folge von Krieg ist Armut. Menschen müssen ihre Häuser, Felder oder Arbeitsmöglichkeiten zurücklassen, um ihr Leben zu schützen. Gleichzeitig verlieren sie damit aber auch die Grundlage sich selbst zu versorgen. Darüber hinaus zerstört Krieg auch die Infrastruktur einer Volkswirtschaft. Kaputte Straßen, Wasser- und Abwasserversorgung oder ein schlechtes Telefon- und Stromnetz erschweren den Wiederaufbau. Armut ist eine logische Folge von Krieg.

Krieg fängt auch in Deutschland an – Rüstungsproduktion

Kriege ohne Waffen sind schwer vorstellbar. Kleinwaffen (Pistolen, Maschinen- und Sturmgewehre) und leichte Waffen wie Granatwerfer, Mörser oder Panzerabwehrwaffen werden als die neuen Massenvernichtungswaffen der Neuzeit bezeichnet. Laut der Kampagne Aufschrei Waffenhandel kommen täglich 2000 Menschen durch Waffengewalt ums Leben – 95% davon durch Kleinwaffen. Und die deutsche Industrie als drittgrößter Kleinwaffenexporteur der Welt verdient daran kräftig mit. Das Rüstungskontrolle nicht funktioniert, zeigt die Realität: das von der deutschen Firma Heckler & Koch entwickelte Sturmgewehr G3 wird auch von ISIS, Hisbollah, Al-Nusra-Front und dem Assad-Regime eingesetzt. Auch im Balkankrieg und dem Darfur-Konflikt im Sudan wurde das Gewehr eingesetzt („Man schießt deutsch“.). H&K ist leider kein Einzelfall – Tausende von Pistolen des Typs SP2022 aus der Rüstungsschmiede Sig Sauer aus Eckernförde gelangten über den Umweg USA in das Bürgerkriegsland Kolumbien. Dies obwohl es für Kolumbien keine Exportgenehmigung gab und das US-Außenministerium im Endverbleibszertifikat zugesichert hat, dass die Waffen in den USA bleiben („Kolumbien-Connection„).

Soldaten aus Burundi, teilweise ausgerüstet mit deutschen Sturmgewehren vom Typ H&K G3 vor ihrem Einsatz in Somalia
Soldaten aus Burundi, teilweise ausgerüstet mit deutschen Sturmgewehren vom Typ H&K G3 vor ihrem Einsatz in Somalia (Quelle: US Army Africa CC BY 2.0)

Flucht vor Armut

Auch Armut stellt eine Lebensbedrohliche Situation dar. Oft werden diese Flüchtlinge abwertend als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet. Damit werden die Gefahren für Leib und Leben verharmlost und diesen Menschen eine legitime Anerkennung als Flüchtlinge aberkannt. Doch eine wirtschaftliche Situation, die eine wirksame Krankheitsbehandlung verhindert oder Menschen in krankmachenden Lebenssituationen zwingt, kann genauso tödlich sein wie politische Verfolgung und Krieg. Ein Faktor für Armut ist beispielsweise der Klimawandel. (Klimaflüchtlinge: Flüchtlinge auf der Flucht vor dem Klimawandel) Aber auch Arbeit unter unmenschlichen Bedingungen, Umweltverschmutzung, Kriminalität oder Arbeitslosigkeit sind legitime Gründe für eine Flucht.

Wie kann man Fluchtursachen bekämpfen? – Handlungsmöglichkeiten

1. Rüstungsfirmen finanziell austrocknen – kein Konto bei Banken, die Rüstung fördern

Verschiedene Alternativ-Banken schließen kategorisch den Handel mit Finanzprodukten von Rüstungsfirmen aus. Sie wählen nach ethischen und ökologischen Kriterien ihre Anlagestrategien aus. Rüstungskonzerne schließen sie systematisch in ihren Investitionskatalog aus. Rüstungs-Banken kündigen und Giro- und Spar-Konto bei einer ethischen Bank nutzen, die keine Finanzgeschäfte mit Rüstungsfirmen tätigen!

2. Aktiver Klimaschutz –Ökostrom nutzen 

Durch den Klimawandel breiten sich Überschwemmungen, Dürren, Unwetterereignisse und Krankheiten aus. Diese bedrohen die Existenz von Millionen Menschen. Den Treibhauseffekt eindämmen, heißt Fluchtursachen bekämpfen. Auch die Folgen des Klimawandels (Klimaflüchtlinge) stellen Fluchtursachen dar. Wichtigster Ansatzpunkt ist dabei den eigenen Strom nur aus erneuerbare Energien zu beziehen. Ökostrom nutzen (Strom aus Photovoltaik und Windkraft, statt aus Kohle- und Atomkraftwerken).

3. Bodenschätze schonen – Umweltzerstörung reduzieren

Im Osten von der Demokratischen Republik Kongo liefern sich bewaffnete Rebellengruppen seit Jahre Gefechte, die sie durch den Abbau von Bodenschätzen finanzieren, die für die Elektroindustrie von Bedeutung sind. In Sierra Leone werden ganze Dörfer für den Abbau von Diamanten und Bauxit (Aluminiumerz) vertrieben. In Mali flieht ein Großteil der Bevölkerung in den Bergbaugebieten wegen der schlechten Arbeitsbedingungen und der Umweltverschmutzung durch den Goldabbau. Mehr dazu bei Medico – Fluchtursache Reichtum Bodenschätze, Armut und die Bewegungen der Migration im westlichen Afrika.

  • Elektrogeräte und Haushaltswaren länger nutzen, falls nötig z.B. in Repair-Cafes reparieren
  • Tauschen und teilen statt kaufen: Möglichkeiten der Share-Economy nutzen durch, Tauschbörsen oder Carsharing

4. Nahrungssouveränität fördern

Hunger ist in vielen Regionen der Welt ein Problem. Durch Dürren oder intensiver Landwirtschaft kommt es zu Bodenerosion und damit Verlust von fruchtbarem Boden. Länder mit ausreichend Geld aber fehlenden Ackerflächen kaufen in anderen Ländern Ackerfläche auf. Die dortige Bevölkerung kann mit der Kaufkraft dieser Länder nicht konkurrieren und wird verdrängt. Dieses Phänomen wird als Land-Grabbing bezeichnet. Die Förderung von Agrartreibstoffen verdrängt Anbaukapazität für Lebensmittel und lässt die Preise für Grundnahrungsmittel steigen. Doch auch die Überfischung der Meere führt zu Hunger. Viele ehemaliger Fischer an der Küste von West- und Ostafrika können vom Fischfang nicht mehr leben, weil europäische Fischereiflotten die Meere leergefischt haben – dies treibt sie in die Piraterie oder sie nutzen ihre Boote für Flüchtlingstransporte. Was können wir tun um dies zu verhindern?

  • mehr Bio-Lebensmittel und Fairtrade-Produkte kaufen
  • weniger Fleisch konsumieren, das Soja für die Tiermast lieber direkt essen – das schützt auch die Umwelt hier in Deutschland und braucht weniger Ackerfläche weltweit)
  • reduzierter und bewusster Fischkonsum (hier hilft der Einkaufsratgeber von Greenpeace bei der Entscheidung welcher Fisch unbedenklich ist)

Fazit: Jeder kann einen Teil dazu beitragen, Fluchtursachen zu bekämpfen

Auch wenn die Bekämpfung von Fluchtursachen im Angesicht der Ausmaße unmöglich erscheint, haben doch viele kleine Handlungsmöglichkeiten ein Änderungspotential wenn sie von vielen Menschen angewendet werden. Durch die enge Verflechtung unserer Konsumgüter mit den Herstellungsbedingungen in anderen Weltteilen, steuern wir auch die Art und Weise wie die Dinge produziert werden. Will ich hohe Zinsen bei einer Bank, die mit Rüstungsgeschäften Gewinne macht? Will ich den billigsten Strom, auch wenn er durch Kohleverbrennung den Klimawandel einheizt? Ist es mir egal, wie die Leute bezahlt werden, die meine Klamotten oder Mobiltelefone produzieren? Fair-Trade, klimabewusste Ernährung und ethische Geldanlage können viel verändern. Aber nur, wenn viele sich dessen bewusst sind und selbst etwas ändern wollen.


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Grüner Reisen – Last Minute in den Öko-Urlaub ohne schlechtes Gewissen?

Sommerurlaub am Meer. Tausende von Touristen zieht es jedes Jahr in den Sommerferien an die Ostsee. Doch wie wirkt sich ein solcher Urlaub auf das Klima aus? Vom Flugzeug bis zum Fahrrad – wer noch einen Last Minute Urlaub plant, kann auch mit der Wahl des Verkehrsmittels ein Zeichen für den Klimaschutz setzen. Treibhausgas-Emissionen am Beispiel einer Reise von Köln an die Ostsee: Eine Öko-Bilanz.

Öko-Bilanz von Verkehrsmitteln: Von Kilogramm und Kilometern

Flugzeug, Bus und Auto tanken Treibstoff. Ein Zug fährt mit Strom, der aus von den Kraftwerken stammt und ein Fahrrad wird mit Muskelkraft betrieben, die aus unserem Körperfett stammt. Bei allen Energieumwandlungsprozesse entstehen klimarelevante Treibhausgase. Ob nun bei der Verbrennung von Treibstoff in Automotoren oder Flugzeugturbinen, bei der Kohle- oder Gasverfeuerung in Kraftwerken oder bei der Zellatmung in unserem Körper. Das Ergebnis ist in jedem Fall Kohlendioxid (CO2) und andere Gase. die den Treibhauseffekt beschleunigen. Alle Gase, die sich schädlich auf das Klima auswirken werden als CO2 – Äquivalent zusammengefasst. Damit muss nicht jedes einzelne Gas mit seinem höchst spezifischen Einfluss auf den Treibhauseffekt einzeln aufgeführt werden. Die Gase werden alle auf die Eigenschaften von CO2 berechnet – die Geburt des CO2 – Äquivalentes.

Kondensstreifen durch Abgase von Flugzeugen am Himmel über Wiesbaden
Kondensstreifen durch Abgase von Flugzeugen am Himmel über Wiesbaden (Quelle: Martin Fisch CC BY-SA 2.0)

Die folgende Tabelle listet die einzelnen Verkehrsmittel nach ihren Treibhausgas-Emissionen pro Person und Kilometer auf:

Verkehrsmittel CO2 – Äquivalente pro km in Gramm
Flugzeug 230,7
Pkw 142,3
Zug 45,2
Reisebus 30,3
Fahrrad 21,0

Datenmaterial stammt vom Umweltbundesamt 2012 ausgenommen die Angaben vom Fahrrad (CO2-Ausstoss eines 70kg-schweren Radfahrers bei 16km/h Geschwindigkeit)

Das ökologischste Verkehrsmittel ist das Fahrrad, dicht gefolgt vom Reisebus und der Bahn. Dann passiert erst einmal nichts und dann kommt das Auto. Den Preis als umweltschädlichstes Verkehrsmittel bekommt das Flugzeug. Besonders beim Start und im Steigflug verbraucht es den meisten Treibstoff. Deswegen sind Inlandsflüge oder allgemein kurze Flüge am klimaschädlichsten, weil sie fast nur aus Start und Landung bestehen. Erst in seiner Reiseflughöhe erreicht ein Flugzeug in der entsprechenden Geschwindigkeit seinen sparsamsten Treibstoff-Verbrauch.

Von Köln an die Ostsee – CO2 Ausstoß durch die Reise

Zurück zu der Reise von Köln an die Ostsee. Start der Reise ist der Flughafen Köln/Bonn und es geht nach Laage bei Rostock an der Ostsee.

Verkehrsmittel Entfernung in km CO2 – Äquivalente in Kilogramm
Flugzeug 490 113,0
Pkw 621 88,4
Zug 621 28,1
Reisebus 621 18,8
Fahrrad 590 12,4

Tabelle: Die Entfernungen wurden mit Google-Maps berechnet (für das Fahrrad ist die Route direkter und damit kürzer als über den Umweg Autobahn)

Wie viel CO2 – Emission kann sich jeder Mensch erlauben?

Der Treibhauseffekt ist einfach: je mehr Treibhausgasse in der Atmosphäre sind, desto schneller erwärmt sie sich. Die Folgen sind Abschmelzen der Polkappen und Gletscher und damit Überschwemmungen der Küstenregionen und Inseln. Das Wetter wird verrückt spielen, was zu Stürmen, Unwetter und mancherorts zu Dürren führen wird. Langfristig werden durch die Erwärmung die Nahrungsketten zusammenbrechen, weil Flora und Fauna unwiederbringlich zerstört werden. Und damit hat sich die Menschheit selbst ausgerottet – die Natur wird sich bestimmt in einigen Tausend Jahren wieder erholen.

Um das zu verhindern wurde ausgerechnet, wie viel CO2 – Äquivalente durch uns noch produziert werden können. Um die Erwärmung auf zwei Grad Celsius im globalen Durchschnitt zu begrenzen, steht jedem Menschen pro Jahr 2700 kg zu. Aber auch hier streiten sich die Experten, ob dies nicht schon zu viel ist. Wenn wir also eine Flugreise von Köln an die Ostsee buchen (Hin- und Rückflug), dann sind das schon 226 kg, was gut 8,4% von unserem jährlichen Budget sind. Das hört sich noch erträglich an. Aber gemessen daran das in Deutschland pro Kopf jährlich schon knapp 2000 kg CO2  – Äquivalente für die Heizung im Winter anfallen und circa 750 kg für unseren jährlichen Stromverbrauch verbraucht werden, bleibt schon jetzt nichts mehr für eine Flugreise übrig.

Möglichkeiten nachhaltig zu Reisen – Ablasshandel durch CO2 -Offsetting

Wer nicht auf die Reise mit Flugzeug und Pkw verzichten kann oder möchte, für den gibt es inzwischen viele Möglichkeiten des Ausgleiches. Für Flugreisen bietet die gemeinnützige Organisation Atmosfair einen Klimaschutz-Ausgleich an. Auf der Website kann die Menge an CO2  pro Flug berechnet werden. Um dies Auszugleichen werden die Kosten ermittelt um diese Menge durch ein Klimaschutzprojekt (z.B. Förderung regenerativer Energien) wieder zu kompensieren. Für einen einfachen Flug von Köln nach Laage sind das circa 6 €.

Ähnliche Projekte bieten auch Buslinien und die Bahn an. Durch einen Mehrbetrag bei der Fahrkarte soll die Fahrt CO2-neutral sein.

Und sich jetzt durch sein schlechtes Gewissen nicht mehr nach Mallorca traut: von Köln ist sind die Balearen auch per Bahn mit dem Thalys über Paris und dann mit dem Elipsos-Nachtzug nach Barcelona (Spanien) zu erreichen. Von dort aus geht es dann bequem per Fähre nach Malle.


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Klimaflüchtlinge: Flüchtlinge auf der Flucht vor dem Klimawandel

Klimaflüchtlinge sind Armutsflüchtlinge – denn sie können sich nicht vor den Folgen des Klimawandels schützen. Armut ist genauso bedrohlich wie Krieg oder Vertreibung. Warum fällt es so schwer, Klimaflüchtlinge als legitime Flüchtlinge anzuerkennen?

Flüchtling – Definition der Genfer Flüchtlingskonferenz

Das internationale Standardwerk, worauf sich auch die Gesetzgebung in Deutschland bezieht ist die Genfer Flüchtlingskonvention von 1967. Dieser Vertrag definiert wer ein Flüchtling ist und welchen Schutz er durch die Unterzeichnerstaaten genießt. Laut dieser Definition ist ein Flüchtling eine Person, die „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will“.

Anerkannte Fluchtgründe, die zu einem Flüchtlingsstatus und damit den Schutz durch das Zielland nach sich ziehen gelten damit nur für Menschen, die aufgrund :

  • ethnischen Zugehörigkeit
  • Religion
  • Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
  • politische Überzeugungen

verfolgt werden oder die begründete Furcht haben, verfolgt zu werden und durch die Institutionen ihres Herkunftsstaates nicht geschützt zu werden.

Genfer Flüchtlingskonvention vs. Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Nicht geschützt werden Menschen, die aufgrund von Armut ihre Heimat verlassen, weil ihr Staat sie nicht davor schützen kann. Armut ist aber auch lebensbedrohlich! Wenn eine sichere Wohnsituation, gesunde Ernährung oder medizinische Versorgung nicht möglich ist oder nicht bezahlt werden kann, ist es mir doch egal ob ich durch Verfolgung sterbe oder durch Armut. Doch Armut ist kein anerkannter Fluchtgrund. Das UNHCR (Flüchtlingsschutz-Organisaton der Vereinten Nationen) unterscheidet zwischen echten Flüchtlingen und sogenannten „Wirtschaftsmigranten“ und argumentiert:

Ein Migrant verlässt seine Heimat üblicherweise freiwillig, um seine Lebensbedingungen zu verbessern. Sollte er zurückkehren, genießt er weiterhin den Schutz seiner Regierung. Flüchtlinge hingegen fliehen vor drohender Verfolgung und können unter den bestehenden Umständen nicht in ihr Heimatland zurückkehren.“

Knackpunkt ist hier also das Wort „Verfolgung“. Armut ist keine Verfolgung, auch wenn trotzdem Menschen sterben. Diese Interpretation wird umso fragwürdiger, wenn wir ein anderes internationales Vertragswerk dagegen halten. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte besagt in Artikel 25 Absatz 1:

Jeder hat das Recht auf einen Lebens­stan­dard, der seine und seiner Fam­i­lie Gesund­heit und Wohl gewährleis­tet, ein­schließlich Nahrung, Klei­dung, Woh­nung, ärztliche Ver­sorgung und notwendige soziale Leis­tun­gen, sowie das Recht auf Sicher­heit im Falle von Arbeit­slosigkeit, Krankheit, Inva­lid­ität oder Ver­witwung, im Alter sowie bei ander­weit­igem Ver­lust seiner Unter­haltsmit­tel durch unver­schuldete Umstände.“

Armut kann selbst verschuldet sein. In den meisten Fällen ist Armut allerdings kein individuelles Schicksal sondern ein gesellschaftlich organisierter Zustand. Kurz gesagt, in einer Gesellschaft profitieren Menschen von der Armut anderer und nutzen ihren Reichtum um diesen Zustand beizubehalten. Damit kommen wie zu den Folgen des Klimawandels, der ja auch ein unverschuldeter Umstand ist. Zumindest in den Regionen, die am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind. Reiche Staaten können ihre Bürger vor den Folgen schützen. Beispielsweise können die Niederlande durch Deichbau die Flutgefahr reduzieren. In anderen Staaten steht die Bevölkerung vor der Wahl, entweder in sichere Gebiete umzusiedeln, also zu flüchten, oder sich ihrem Schicksal zu ergeben.

Die Folgen des Klimawandels führen zu Klimaflüchtlingen

Durch den Menschen-gemachten Treibhauseffekt heizt sich die Atmosphäre auf. Obwohl es nur wenige Grad Celsius sind, haben diese aber katastrophale Folgen für den gesamten Planeten. Die Karte zeigt einige der Folgen des Klimawandels südlich von Europa.

Demonstrant auf dem internationalen Aktionstag gegen den Klimawandel (ItzaFineDay CC BY 2.0)
Demonstrant auf dem internationalen Aktionstag gegen den Klimawandel (ItzaFineDay CC BY 2.0)

Anstieg der Meeresspiegel und die Folgen

Die Eispanzer an den Polkappen schmelzen und führen zum Anstieg der Meeresspiegel. Dies betrifft alle Küstenregionen, wo die Mehrheit der Menschen leben. Besonders schlecht sieht es für Inseln, die nur knapp über dem Meeresspiegel liegen. Diese werden komplett verschwinden wie z.B. Tuvalu oder die Malediven. Zusätzlich gehen auch küstennahe Ackerflächen für Nahrungsmittelproduktion verloren, da diese durch das Salzwasser unbrauchbar werden. Durch den Anstieg der Meeresspiegels und starke Niederschläge sind besonders große Flussmündungen (Deltas) von Überschwemmungen und Versalzung betroffen. Siedlungsgebiete an den Fluss-Deltas vom Nil, Mekong oder dem Brahmaputra, an den Millionen von Menschen leben, werden damit unbewohnbar.

Extreme Wetterereignisse: el Niño

Durch das wärmere Klima kann die Luft mehr Wasserdampf speichern. Zusätzlich ändern sich die Druckunterschiede. Das Gefüge der globalen Luftströmungen ändert sich und damit nehmen Unwetterphänomene wie El Niño / La Niña zu. Dies führt zu extremen Wetterlagen wie Dürren, Stürme oder starke Niederschläge in kurzer Zeit. Der Wirbelsturm Katrina zeigte 2005 im Süden der USA wie anfällig auch eine reiche Nation gegenüber Unwetterereignissen ist.

Ausbreitung von Krankheiten

Durch die Veränderung der Temperaturen verändern sich auch die Gebiete in den bestimmte Krankheiten vorkommen. In der Grafik sind nach Hochrechnungen die Gebiete rot markiert, in denen es im Jahr 2050 auch zu Malaria-Ausbrüchen kommen wird. Damit vergrößert sich das Gebiet, in dem die Anopheles-Mücken überleben können. Wenn diese mit Plasmodien befallen sind, übertragen sie diese mit ihrem Stich und tragen damit zur Verbreitung der Malaria bei. Dies gilt aber nicht nur Malaria, auch für das Denguefieber wird befürchtet, dass es in Europa heimisch werden kann.

Klimawandel als Fluchtgrund nicht anerkannt

Als einziger Staat hat bisher nur Neuseeland den Klimawandel als Fluchtgrund anerkannt. Im Juni 2014 hat eine Familie aus dem Inselstaat Tuvalu Flüchtlingsschutz erhalten. Eine Abschiebung nach Tuvalu kam aus humanitären Gründen nicht in Betracht, da durch den Anstieg des Meeresspiegels Tuvalu im Ozean versinken wird.

Diese Regelung sollte auch rechtlich bindend in den Genfer Flüchtlingskonvention aufgenommen werden und damit in nationales Recht eines jeden Staates werden, der diese Konvention unterschrieben hat. Ziel sollte es sein, dass Flucht immer dann anerkannt wird, wenn die allgemeinen Menschenrechte an einem Ort nicht mehr durchgesetzt werden können.


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