Kinder vor einer Zeltstadt im Flüchtlingscamp Atmeh in Syrien (Quelle: Freedom House CC BY 2.0)

8 Wege für den Alltag Fluchtursachen weltweit zu bekämpfen

Steigende Asylanträge, überfüllte Flüchtlingsheime und eine durch Frontex abgeriegelte EU-Grenze führen dazu, dass sich Flüchtlinge in die Hand von Schleppern begeben müssen. Warum flüchten sie und was hat das mit uns zu tun?

Verantwortung der Industrienationen

Unsere Verantwortung für die Flucht von anderen Menschen ist drückender, als den meisten von uns bewusst ist. Krieg und Armut sind die häufigsten Fluchtursachen. Unser Lebens- und Konsumstil ist eng mit der Wirtschaft in anderen Staaten verknüpft. Lebensmittel, Haushaltswaren und Rohstoffe kaufen wir im Ausland und beeinflussen damit die Lebenssituation der dortigen Bevölkerung. Wir profitieren von schwachen Gewerkschaften und korrupten Regierungen. Dies führt zu schwachen Umweltschutzauflagen und Arbeitsbedingungen, die hier undenkbar wären.

Mit diesen acht Handlungsmöglichkeiten kann jeder in seinem Alltag Fluchtursachen bekämpfen

Kein Mensch flüchtet freiwillig. Die Risiken einer Flucht erleben wir tagtäglich in den Nachrichten. Sie kostet den Flüchtlingen im günstigsten Fall einige Tausend Euro und viele Strapazen, im schlimmsten Fall das eigene Leben. Dabei sind die Fluchtursachen vielfältig – Flucht vor Krieg, Verfolgung, Gefahr für Leib und Leben durch Armut oder den Folgen des Klimawandels. Alles lebensbedrohliche Zustände welche die Risiken einer Flucht als weniger bedrohlich erscheinen lassen, als das Bleiben und Erdulden der Lebenssituation vor Ort.

Krieg und Armut als häufigster Fluchtgrund

Laut einer Studie des UN-Flüchtlingshilfswerkes (UNHCR Global Trends. Forced Displacements in 2014) waren mehr als die Hälfte aller Flüchtling Opfer von Krieg und Vertreibung. 56% aller Flüchtlinge weltweit stammen aus nur drei Ländern: Syrien, Afghanistan und Somalia. Dicht gefolgt vom Sudan, Süd-Sudan und der Demokratischen Republik Kongo. Alles Länder in denen Krieg herrscht bzw. bewaffnete Konflikte die Menschen in die Flucht treiben. Eine direkte Folge von Krieg ist Armut. Menschen müssen ihre Häuser, Felder oder Arbeitsmöglichkeiten zurücklassen, um ihr Leben zu schützen. Gleichzeitig verlieren sie damit aber auch die Grundlage sich selbst zu versorgen. Darüber hinaus zerstört Krieg auch die Infrastruktur einer Volkswirtschaft. Kaputte Straßen, Wasser- und Abwasserversorgung oder ein schlechtes Telefon- und Stromnetz erschweren den Wiederaufbau. Armut ist eine logische Folge von Krieg.

Krieg fängt auch in Deutschland an – Rüstungsproduktion

Kriege ohne Waffen sind schwer vorstellbar. Kleinwaffen (Pistolen, Maschinen- und Sturmgewehre) und leichte Waffen wie Granatwerfer, Mörser oder Panzerabwehrwaffen werden als die neuen Massenvernichtungswaffen der Neuzeit bezeichnet. Laut der Kampagne Aufschrei Waffenhandel kommen täglich 2000 Menschen durch Waffengewalt ums Leben – 95% davon durch Kleinwaffen. Und die deutsche Industrie als drittgrößter Kleinwaffenexporteur der Welt verdient daran kräftig mit. Das Rüstungskontrolle nicht funktioniert, zeigt die Realität: das von der deutschen Firma Heckler & Koch entwickelte Sturmgewehr G3 wird auch von ISIS, Hisbollah, Al-Nusra-Front und dem Assad-Regime eingesetzt. Auch im Balkankrieg und dem Darfur-Konflikt im Sudan wurde das Gewehr eingesetzt („Man schießt deutsch“.). H&K ist leider kein Einzelfall – Tausende von Pistolen des Typs SP2022 aus der Rüstungsschmiede Sig Sauer aus Eckernförde gelangten über den Umweg USA in das Bürgerkriegsland Kolumbien. Dies obwohl es für Kolumbien keine Exportgenehmigung gab und das US-Außenministerium im Endverbleibszertifikat zugesichert hat, dass die Waffen in den USA bleiben („Kolumbien-Connection„).

Soldaten aus Burundi, teilweise ausgerüstet mit deutschen Sturmgewehren vom Typ H&K G3 vor ihrem Einsatz in Somalia
Soldaten aus Burundi, teilweise ausgerüstet mit deutschen Sturmgewehren vom Typ H&K G3 vor ihrem Einsatz in Somalia (Quelle: US Army Africa CC BY 2.0)

Flucht vor Armut

Auch Armut stellt eine Lebensbedrohliche Situation dar. Oft werden diese Flüchtlinge abwertend als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet. Damit werden die Gefahren für Leib und Leben verharmlost und diesen Menschen eine legitime Anerkennung als Flüchtlinge aberkannt. Doch eine wirtschaftliche Situation, die eine wirksame Krankheitsbehandlung verhindert oder Menschen in krankmachenden Lebenssituationen zwingt, kann genauso tödlich sein wie politische Verfolgung und Krieg. Ein Faktor für Armut ist beispielsweise der Klimawandel. (Klimaflüchtlinge: Flüchtlinge auf der Flucht vor dem Klimawandel) Aber auch Arbeit unter unmenschlichen Bedingungen, Umweltverschmutzung, Kriminalität oder Arbeitslosigkeit sind legitime Gründe für eine Flucht.

Wie kann man Fluchtursachen bekämpfen? – Handlungsmöglichkeiten

1. Rüstungsfirmen finanziell austrocknen – kein Konto bei Banken, die Rüstung fördern

Verschiedene Alternativ-Banken schließen kategorisch den Handel mit Finanzprodukten von Rüstungsfirmen aus. Sie wählen nach ethischen und ökologischen Kriterien ihre Anlagestrategien aus. Rüstungskonzerne schließen sie systematisch in ihren Investitionskatalog aus. Rüstungs-Banken kündigen und Giro- und Spar-Konto bei einer ethischen Bank nutzen, die keine Finanzgeschäfte mit Rüstungsfirmen tätigen!

2. Aktiver Klimaschutz –Ökostrom nutzen 

Durch den Klimawandel breiten sich Überschwemmungen, Dürren, Unwetterereignisse und Krankheiten aus. Diese bedrohen die Existenz von Millionen Menschen. Den Treibhauseffekt eindämmen, heißt Fluchtursachen bekämpfen. Auch die Folgen des Klimawandels (Klimaflüchtlinge) stellen Fluchtursachen dar. Wichtigster Ansatzpunkt ist dabei den eigenen Strom nur aus erneuerbare Energien zu beziehen. Ökostrom nutzen (Strom aus Photovoltaik und Windkraft, statt aus Kohle- und Atomkraftwerken).

3. Bodenschätze schonen – Umweltzerstörung reduzieren

Im Osten von der Demokratischen Republik Kongo liefern sich bewaffnete Rebellengruppen seit Jahre Gefechte, die sie durch den Abbau von Bodenschätzen finanzieren, die für die Elektroindustrie von Bedeutung sind. In Sierra Leone werden ganze Dörfer für den Abbau von Diamanten und Bauxit (Aluminiumerz) vertrieben. In Mali flieht ein Großteil der Bevölkerung in den Bergbaugebieten wegen der schlechten Arbeitsbedingungen und der Umweltverschmutzung durch den Goldabbau. Mehr dazu bei Medico – Fluchtursache Reichtum Bodenschätze, Armut und die Bewegungen der Migration im westlichen Afrika.

  • Elektrogeräte und Haushaltswaren länger nutzen, falls nötig z.B. in Repair-Cafes reparieren
  • Tauschen und teilen statt kaufen: Möglichkeiten der Share-Economy nutzen durch, Tauschbörsen oder Carsharing

4. Nahrungssouveränität fördern

Hunger ist in vielen Regionen der Welt ein Problem. Durch Dürren oder intensiver Landwirtschaft kommt es zu Bodenerosion und damit Verlust von fruchtbarem Boden. Länder mit ausreichend Geld aber fehlenden Ackerflächen kaufen in anderen Ländern Ackerfläche auf. Die dortige Bevölkerung kann mit der Kaufkraft dieser Länder nicht konkurrieren und wird verdrängt. Dieses Phänomen wird als Land-Grabbing bezeichnet. Die Förderung von Agrartreibstoffen verdrängt Anbaukapazität für Lebensmittel und lässt die Preise für Grundnahrungsmittel steigen. Doch auch die Überfischung der Meere führt zu Hunger. Viele ehemaliger Fischer an der Küste von West- und Ostafrika können vom Fischfang nicht mehr leben, weil europäische Fischereiflotten die Meere leergefischt haben – dies treibt sie in die Piraterie oder sie nutzen ihre Boote für Flüchtlingstransporte. Was können wir tun um dies zu verhindern?

  • mehr Bio-Lebensmittel und Fairtrade-Produkte kaufen
  • weniger Fleisch konsumieren, das Soja für die Tiermast lieber direkt essen – das schützt auch die Umwelt hier in Deutschland und braucht weniger Ackerfläche weltweit)
  • reduzierter und bewusster Fischkonsum (hier hilft der Einkaufsratgeber von Greenpeace bei der Entscheidung welcher Fisch unbedenklich ist)

Fazit: Jeder kann einen Teil dazu beitragen, Fluchtursachen zu bekämpfen

Auch wenn die Bekämpfung von Fluchtursachen im Angesicht der Ausmaße unmöglich erscheint, haben doch viele kleine Handlungsmöglichkeiten ein Änderungspotential wenn sie von vielen Menschen angewendet werden. Durch die enge Verflechtung unserer Konsumgüter mit den Herstellungsbedingungen in anderen Weltteilen, steuern wir auch die Art und Weise wie die Dinge produziert werden. Will ich hohe Zinsen bei einer Bank, die mit Rüstungsgeschäften Gewinne macht? Will ich den billigsten Strom, auch wenn er durch Kohleverbrennung den Klimawandel einheizt? Ist es mir egal, wie die Leute bezahlt werden, die meine Klamotten oder Mobiltelefone produzieren? Fair-Trade, klimabewusste Ernährung und ethische Geldanlage können viel verändern. Aber nur, wenn viele sich dessen bewusst sind und selbst etwas ändern wollen.


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