Krieg und Frieden – Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit?

Brennende Ölquellen in Kuwait, die von irakischen Truppen absichtlich in Brand gesetzt wurden (Quelle: U.S. DefenseImagery; public domain)

Ist Frieden ohne Nachhaltigkeit möglich? Der Artikel zeigt, dass Frieden ein notwendiger Bestandteil einer nachhaltigen Gesellschaft ist. Doch Frieden bedeutet nicht gleich Nachhaltigkeit. Durch die globale Verknüpfung von Waren- und Rohstoffketten profitieren Länder im Frieden von den Kriegen in anderen Staaten. Diese Rohstoff-Kriege ermöglichen es reichen Staaten, die ökologischen Ressourcen in anderen Staaten auszubeuten. „Krieg und Frieden – Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit?“ weiterlesen

Öko-Weihnachtsbaum im Topf, künstlicher Baum und andere Alternativen

Weihnachtsbaum im Topf oder doch lieber ein künstlicher Weihnachtsbaum? Oder gibt es auch ganz was anderes? Der Artikel beschreibt Möglichkeiten, Weihnachten nicht zu einem Fest des Baumsterbens zu machen und trotzdem weihnachtliche Atmosphäre zu haben.

Weihnachtliche Öko-Bilanz

In Deutschland werden jedes Jahr knapp 29 Millionen Weihnachstbäume verkauft. Würden diese zur Aufforstung benutzt werden, ergäbe sich bei 1000 Bäumen pro Hektar eine Fläche von 29.000 ha. Das entspricht einer Fläche von ca. 290 km2 – etwa die Größe des Naturparks Kyffhäuser in Thüringen. Sicher sind Nadelwälder voller Nordmanntannen, Blaufichten und Douglasien nicht die ökologisch wertvollsten Wälder. Doch auch sie tragen dazu bei, CO2 zu binden und bieten vielen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum.

Baum vom Forstbetrieb statt aus der Weihnachtsbaumzucht

Laut Robin Wood stammen 85% der verkauften Bäume in Deutschland aus Weihnachtsbaumkulturen. In diesen werden chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt, um die Bäume in kurzer Zeit fit für den Verkauf zu machen. Allerdings gibt es mittlerweile auch viele Öko-Bäume zu kaufen, die unter den Zertifikaten von Naturland, FSC oder Bioland verkauft werden. Vorsicht ist beim Label PEFC-Forstlabel (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) oder FairForest geboten. Dies sind keine Öko-Siegel, da diese die Nutzung von Kunstdünger und Herbiziden erlauben. Hier ist eine Liste, wo es überall Öko-Weihnachtsbäume zu kaufen gibt.

Wer auf einen frisch geschlagenen Baum Wert legt, sollte diesen bei einem Forstbetrieb kaufen oder mit dem Förster der Region vereinbaren, den Baum selbst zu schlagen. Weihnachsbäume von Forstbetrieben stammen oft von Sondernutzungsflächen. Dies sind beispielsweise Flächen unter Hochspannungsleitungen oder Gas-Pipelines. Hier müssen die Bäume ab einer bestimmten Größe gefällt werden, um den Betrieb der Infrastruktur nicht zu gefährden.

Lebender Weihnachtsbaum mit Wurzelballen statt toter Baum

Wer den Baum länger als nur ein paar Wochen genießen will, sollte unbedingt einen Baum im Topf kaufen. Diese Bäume behalten ihre Nadeln und können später im Garten oder nach Guerilla-Gardening-Manier an kreativen Standorten ausgepflanzt werden.

Weihnachtsbaum auf dem Grünstreifen zwischen zwei Straßen in Hamburg (Quelle: sandergala.de)
Weihnachtsbaum auf dem Grünstreifen zwischen zwei Straßen in Hamburg (Quelle: sandergala.de)

Dabei ist zu beachten, dass der Baum nicht abrupt aus dem warmen Wohnzimmer hinaus in den kalten Boden ausgepflanzt wird. Die Bäume sind in ihrer Winterruhe gestört und sollten ca. zwei Wochen vorher an einem kühlen und hellen Ort gestellt werden, bevor sie ihren endgültigen Standort erhalten. Beim Auspflanzen ist es wichtig die Wurzel nicht zu beschädigen. Tannen mit ihrer Pfahlwurzel können leicht irreversible Wurzelschäden erleiden. Deshalb immer mit dem kompletten Wurzelballen einpflanzen. Besser geeignet sind Flachwurzler wie Fichte oder Douglasie.

Für Kreative: Upcycling-Baum oder Weihnachts-Ficus

Basteln zur Weihnachtszeit – warum nicht gleich mit dem Weihnachtsbaum anfangen? Dieser Weihnachtsbaum besteht hauptsächlich aus Verpackungsmaterial. Knapp 100 grüne und gelbe Eierverpackungen wurden zu einem zwei Meter großen Upcycling-Weihnachtsbaum zusammengeklebt.

Upcycling-Weihnachtsbaum aus Eierverpackungen (Quelle: TransitionsBlog.de CC-BY-SA)
Upcycling-Weihnachtsbaum aus Eierverpackungen (Quelle: TransitionsBlog.de CC-BY-SA)

Eindeutig entspannter ist die Zweckentfremdung vorhandener Pflanzen. Dieser Ficus stieg von einer schnöden Zimmerpflanze zum leuchtenden Weihnachtsbaum auf. Denn nirgendwo ist festgeschrieben, dass nicht auch Laubbäume als Christbaum taugen. Auch hat er die angenehme Eigenschaft keine Nadeln zu verlieren 😉

Von der Zimmerpflanze zum Ficus-Weihnachtsbaum (Quelle: Eugene Kim CC BY 2.0)
Von der Zimmerpflanze zum Ficus-Weihnachtsbaum (Quelle: Eugene Kim CC BY 2.0)

Welcher Baum es für dieses Weihnachten wird, ist Geschmacksfrage. Wer nicht nur sich und seinen Lieben eine Freude machen will, kann auch für die Umwelt was Gutes tun.


 

3D-Drucker und Nachhaltigkeit: JGAurora A5 im Test

Viele verbinden mit 3D-Druckern sinnlose Plastik-Figuren oder die Hobby-Herstellung von Schusswaffen. Doch 3D-Drucker können mehr. Aus diesem Grund habe ich mir den JGAurora A5 gekauft. Hier beschreibe ich meine ersten Schritte und wie ich den 3D-Drucker für Upcycling-Projekte nutzen kann.

Warum habe ich mich gerade für den JGAurora entschieden? Wie lief der erste Druck und was taugt der 3D-Drucker für Einsteiger?

Warum der JGAurora A5?

Für mich war klar: ich will einen Drucker mit einem großen Bauraum (305 x 305 x 320mm), der innerhalb meines 400€ Budgets liegt. Dies schränkt die Auswahl schon erheblich ein. In die engere Auswahl kamen der Tevo Tornado, der Creality CR-10 und der JGAurora A5.

JGAurora A5 verfügt im Gegensatz zu den beiden anderen Druckern über zwei Z-Achsen. Die bieten mehr Stabilität bei höheren Druckgeschwindigkeiten und schweren Extrudern. Ebenso hat er ein Sensor wenn das Filament aufgebrauct ist und kann nach einem Stromausfall wieder an der Stelle beginnen, wo er gestoppt wurde. Das Druckbett ist ähnlich wie die Ultrabase vom Anycubic i3 Mega.

Es ist beheizt und wird schneller warm als bei CR-10. Gleichzeitig ist das Design vom Aurora sehr „Wohnzimmer-tauglich“. Die Achsen sind verkleidet und die Sterueinheit ist elegant unter der Y-Achse versteckt. Damit passt der Drucker auf einen schmalen Tisch oder Regal.

Der CR-10 und der Tevo Tornado haben separate Steuerboxen, die per Kabel mit dem Drucker verbunden sind und daneben stehen. Auch die Filamentrolle kann platzsparend hinter der rechten Seite der Z-Achse montiert werden. Alles in allem ist nur sehr wenig Drucker zu sehen, der sein Innenleben gut versteckt.

Auch die Bedienung ist ein Pluspunkt. Der Drucker kann komplett über das Touch-Distplay gesteuert werden. Das Menu ist übersichtlich und per Fingerdurck lassen sich alle Parameter schnell ändern. Kein Kurbeln und Drücken am Stellrad wie beim CR-10 oder seinem Klon, der Tevo Tornado.

Wie geeignet ist der 3D-Drucker für Einsteiger?

Der Aufbau ist absolut einfach, es müssen im Prinzip nur 4 Schrauben befestigt werden. Damit werden die beiden Druckerteile (Rahmen und die Y-Achse mit Steuerbox) miteinander verschraubt und die Kabelverbindung der Teile muss zusammengesteckt werden.

Versandpaket vom JGAurora A5 – der Drucker besteht hauptsächlich nur aus zwei Braugruppen

Anschließend muss noch der mitgelieferte Spulenhalter angeschraubt und ein Kabelschutz für die Extruder-Zuführung an der Oberseite des Rahmens aufgesteckt werden. Fertig – damit ist der Aufbau abgeschlossen. Dies ist in etwas so anspruchsvoll wie der Anschluss einer Spielekonsole an den Fernseher und ist auch ohne Anleitung selbsterklärend.

Durch den Transport hatten sich einige Feststellschrauben für das Druckbett gelöst. Hier einfach schauen, ob Schrauben lose sind und sie ggf. festziehen.

Erste Schritte zum Test-Druck

Vor Beginn muss das Druckbett nivelliert werden. Dafür gibt es eine Folie, die als Abstandshalter noch gerade zwischen Düse und Druckbett passen muss. Mit dem Menu die einzelnen Punkte für das Leveling anfahren und an der betreffenden Feststellschraube am Druckbett den gewünschten Abstand einstellen. Dies an allen 5 Punkten auf dem Druckbett wiederholen, bis der Abstand stimmt. Ich musste diesen Schritt ca. dreimal wiederholen, bis alles stimmte.

Anfangsprobleme

Für den ersten 3D-Druck muss noch das Filament bis zum Extruder eingeführt werden. Wichtig ist hierbei, dass die Düse vorgeheizt werden muss. Erst dann darf der Filament-Einzug gestartet werden.Dafür gibt es einen Menupunkt in der Steuerbox. Mit „Filament In“ wird der Prozess gestartet und der Motor für den Filamenteinzug dreht sich. Dann muss das Filament-Ende von unten in den Filamentsensor eingeführt werden bis der Motor es greifen kann. Dann wird es durch den Bowden-Tube bis zum Extruder vorgeschogen. Bei mir schaffte es das Programm nicht, das Filament bis in das Hot-End zu schieben. Es stoppte vorher und behauptete einfach, der Prozess sei abgeschlossen. Weil die Bowden-Tube milchig transparent ist, konnte ich sehen, dass das Filament wenige Zentimeter vor dem Extruder gestoppt wurden. Hier hilft ein schrittweises Vorschieben des Filaments über das Steuermenu. Hier nicht zu schnell vorschieben, damit das Filament im Hotend rechtzeitig schmelzen kann, bevor es durch die Düse gedrückt wird. Da es auf dem Weg durch den Extruder nicht sichtbar ist, sollte hier nur millimeterweise vorgeschoben werden. Die Vorschubweite lässt sich auch über das Menu einstellen. Es hilft, sich vorher die Funktionsweise des Druckers anzueignen, dann sind diese Schritte alle recht logisch.

Druckergebnis beim JGAurora A5

Für den Test nutzte ich das auf dem USB-Stick mitgelieferte Test-Objekt. Der Druck lief ohne Probleme. Begeisterung pur, aber das Test-Objekt war auch nicht sonderlich anspruchsvoll. Keine Überhänge, keine Brücken, keine Herausforderung. Der Drucker war dabei angenehm leise. Ein Lüfter surrte dabei vor sich hin und das Verfahren der Achsen war wahrnehmbar aber nicht störend.

Testobjekt auf dem USB-Stick vom JGAurora A5

Das Resultat war überzeugend: die Schichten lagen sauber aufeinander, das Objekt haftete super auf dem Heizbett und löste sich nach dem Erkalten fast von selbst wieder.

Von der Idee bis zum Sichtlagerkasten

Als ersten Test habe mir für meine Lochwand Werkzeughalter für einen Upcycling-Sichtlagerkasten aus Tetra-Packs gebaut. Den Entwurf habe ich 3D-Programm OpenSCAD erstellt. Der abgetrennte Boden bekam zwei Löcher, durch die sie mit dem Plastik-Werkzeughalter in der Lochwand fixiert wurden. Nachdem die erste Version zu dick war, habe ich sie mühsam auf 8mm Lochgröße runtergefeilt.

Gedruckte Werkzeughalter für Sichtlagerkästen

Später wollte ich testen, ob das Objekt auch mit der Hälfte der Kunststoffmasse hält – macht es ;).

Upcycling Sichtlagerkästen an der Lochwand

Die Lochwand ist das Rückenteil eines Schrankes gewesen. Lochgröße sind 8mm, damit auch normale Holzdübel passen. Das Lochraster beträgt 30 x 60mm. Andere Ideen, wie ein 3D-Drucker für Upcycling und Nachhaltigkeit eingesetzt werden kann, habe ich in dem Artikel 3D-Drucker: Druckt sinnvolle Sachen! Plastikmüll vermeiden oder recyceln beschrieben.

Fazit vom JGAurora A5

Vor Jahren hatte ich mal einen RepRap Mendel gebaut. Ich hatte das Teil nach kurzer Zeit in die Ecke gestellt, weil es ständig kaputt ging und sich der Rahmen verzog. Der JGAurora ist das genaue Gegenteil. Vom Auspacken bis zum ersten Druck hat es keine Stunde gedauert. Die Qualität stimmt für mich, obwohl auch noch Optimierungsmöglichkeiten sind. Als nächstes werde ich einen bessere Bauteil-Lüfter drucken. Aber auch ohne Modifikationen: der Drucker macht, was er soll. Und das zu einem super Einstiegspreis.


ähnliche Artikel zu 3D-Druckern


 

Bits & Bäume – Konferenz für Techis und Ökos (17-18.11 / Berlin)

Wie lässt sich nachhaltiger Hacktivismus und die Digitalisierung von Umwelt- und Klimaschutz gestalten?

Digitalisierung trift Nachhaltigkeit

Diese Frage geht die zweitägige Konferenz Bits & Bäume in Berlin nach. Es ist der Versuch zwei Szenen miteinander zu vernetzen, die bislang oft nur nebenher gewirkt haben. Techis, Hacker und Maker zusammen mit MenschenrechtlerInnen, Ökos und UmweltschützerInnen. Zwei Bewegungen, die viel voneinander lernen können und zusammen mehr erreichen können.

Themen von Bits & Bäume

In unterschiedlichen Podien werden z.B. folgende Themen diskutiert:

  • Digitalisierung und Dematerialisierung von Produktion und Konsum
  • ökologischer Fußabdruck der Digitalisierung
  • Degrowth, Open Source, Sharing-Economy und Datenschutz
  • Kritik des digitaler Kapitalismus

Format der Konferenz

Zu den einzelnen Themen gibt es moderierte Podien. Die TeilnehmerInnen kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen und bringen die Standpunkte aus ihrer Sicht ein. Der aktuelle Veranstaltungsplan ist noch in Arbeit, aber die ersten Veranstaltungen stehen schon.

Wer ist dabei?

Veranstaltet wird die Konferenz vom Chaos Computer Club, BUND, FiFF, Brot für die Welt, Germanwatch, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, Open Knowledge Foundation, konzeptwerk neue ökonomie, TU Berlin und dem Deutschen Naturschutzring.

 

Earthships – Energieautarke Häuser als kostengünstige Öko-Architektur

Earthships sind Häuser, die aus lokal verfügbaren Baustoffen hergestellt werden und fast ihre komplette Energie selbst erzeugen. Sie haben das Potential, eine neue Ära in der nachhaltigen Architektur einzuleiten. Erdschiffe sind so entworfen, dass sie das Regenwasser nutzen und die eigenen Abwässer selbst reinigen. Kanalisation und zentrale Groß-Kläranlagen könnten damit der Vergangenheit angehören.

Earthships mit Wänden aus Autoreifen und Erde

Produktion und Konsumption in Kreisläufen war eines der Schlüsselprinzipien von Earthships. Herkömmlichen Häuser benötigen energieaufwändige Baustoffe, die lange Transportwege hinter sich haben. Die Nutzung von Zement ist auf ein Mindestmaß reduziert, Steine für die Wände werden nicht benötigt und ansonsten wird auf nachwachsende oder recycelte Baustoffen gesetzt. Hohlräume werden mit alten Getränkedosen oder Glasflaschen ausgefüllt, um Beton zu sparen.

Earthship aus Autoreifen und Getränkedosen
Earthship aus Autoreifen und Getränkedosen (Quelle: Jenny Parkins CC BY-SA 2.0)

Müll als nachhaltiger Baustoff

Das Hauptmaterial der Wände sind Autoreifen, die mit dem Aushub der Baugrube gefüllt werden. Damit werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen: alte Autoreifen gibt es überall im Überfluss (weil es noch keine guten Recycling-Konzepte gibt) und das Füllmaterial kommt kostenlos von der Baustelle. Dadurch fallen nur geringe Transportkosten an. Durch die dicken Wände, vom Durchmesser eines Autoreifens, haben diese genug thermische Masse um die Innenräume vor dem Auskühlen zu schützen. Eine zusätzliche Isolation an der Außenwand ist nicht erforderlich.

Earthship mit Süd-Fassade mit Pflanzenkläranlage
Earthship mit Süd-Fassade mit Pflanzenkläranlage (Quelle: Jenny Parkins CC BY-SA 2.0)

Passivhaus-Konzept mit Glasfassade und dicken Wänden

Earthships sind Passivhäuser, sie brauchen keine Heizung und produzieren ihren eigenen Strom. Durch die Ausrichtung des Gebäudes nach Süden kann ein Maximum der Sonnenenergie für die Heizung eingefangen werden. Einmal durch die Glasfassade, die die Räume direkt wärmt und für die Sonnenkollektoren zur Warmwasserversorgung. Direkt hinter der Fensterfront gibt es Pflanzenbeete, die mit dem Abwasser aus Küche, Waschbecken und Dusche (Grauwasser) bewässert werden. Dies dient der Abwasserreinigung und gleichzeitig können damit Gemüse und Kräuter für die Küche erzeugt werden. Die Abwasserreinigung aus der Toilette (Schwarzwasser) erfolgt außerhalb vom Haus in einer eigenen Pflanzenkläranlage.

Regenwassernutzung und Wasseraufbereitung
Regenwassernutzung und Wasseraufbereitung (Quelle: Jenny Parkins CC BY-SA 2.0)

Die Süd-Seite des Hauses ist als Fensterfront ausgeführt. Alle anderen Seiten sind dicke Wände aus Autoreifen. Auf der Ost- und Westseite vom Gebäude sind hinter den Wänden Regenwasserzisternen eingebaut. Sie sammeln das Wasser vom Dach für die Nutzung im Bad und in der Küche. Bei den meisten Earthships sind die Autoreifenwände außerhalb mit Erde aufgeschüttet. Aus diesem Grund ergibt sich eine Architektur, die sich in die Umgebung einschmiegt.

Earthship-Siedlung an einem Hang
Earthship-Siedlung an einem Hang (Quelle: Jenny Perkins CC BY-SA 2.0)

Nachhaltige Earthship-Architektur in Deutschland

Die Earthship-Architektur ist dahingehend optimiert, so autark wie nur möglich zu sein. Energieeffizienz ist das wichtigste Kriterium. Konsequent angewendet können diese Design-Prinzipien eine hohen Lebensstandard mit eigener Energie- und Wasserversorgung gewährleisten. Auf kostenintensive Infrastruktur wie Kanalisation, Kläranlagen oder zentralisierte Energieversorgung kann verzichtet werden. War es bislang schwierig in Deutschland eine Baugenehmigung für diese Art von Gebäude zu bekommen, ändert sich dies gerade und ein erstes Earthip wurde in  Baden-Württemberg gebaut. Unter Earthship Tempelhof gibt es Bilder vom Bau zu sehen. Auch Führungen werden angeboten.

Dies könnte einen enormen Beitrag für den Klimaschutz in Deutschland und der Welt bedeuten. Denn die privaten Haushalte hierzulande sind mit ihrem Energieverbrauch der drittgrößte Produzent von Treibhausgasen in Deutschland.

Nachteilig an dieser Architektur ist der hohe Flächenverbrauch. Dicke Wände und die maximal zweistöckige Bauweise sind für Städte nicht geeignet. In ländlichen Regionen mit niedrigen Grundstückspreisen ist dies allerdings schon heute eine Möglichkeit, ressourcensparend und kostengünstig zu leben.


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Shiitake-Pilze züchten: Anleitung für die Pilzzucht mit Kaffeesatz und Sägespänen

Pilze lassen sich sich leicht zu hause züchten – mit diesen Tipps startest du deine eigene Shiitake-Pilzzucht mit einfacher Küchenausstattung. Warum der Shiitake für die Ernährung so wertvoll ist, habe ich hier beschrieben.

2 Arten der Shiitake-Zucht

Shiitake kann auf zwei Arten gezüchtet werden, als holzzersetzender Pilze muss auf jeden Fall Holz im Substat enthalten sein, durch diverse Zuschläge lassen sich PH-Wert und Nährstoffgalt verändern:

1. direkt auf Holzstämmen

Dies dauert sehr lange, da Shiitake relativ langsam durch das Holz wächst. Als Baumart bevorzugt er Hartholz wie Eiche, Buche oder Robinie. Dafür ist die Ausbeute groß und der Zeitaufwand relativ gering.

2. auf Substrat mit Sägespänen, Hackschnitzeln oder Pellets

Dies geht wesentlich schneller, macht aber auch mehr Arbeit. Dafür lässt sie sich in der eigenen Wohnung mit einfachen Haushaltsmitteln durchführen.

Ernte von Shiitake-Pilze
Ernte von Shiitake-Pilze

Materialliste – Minimalausstattung für die Pilzzucht

Die folgende Liste ist eine absolute Minimalausstattung. Die Shiitake-Zucht erfordert sauberes Arbeiten.

Substrat aus Sägespänen und Kaffeesatz

Für meine Zucht wollte ich Substrat verwenden, was mich nichts kostet. Kaffeesatz und Sägespäne wandern bei mir sonst in den Biomüll. Sie eigenen sich aber auch hervorragend für die Pilzzucht. Reiner Kaffeesatz ist aber kompliziert in der Anwendung weil er nicht viel Feuchtigkeit speichert und schnell von Schimmelpilzen besiedelt wird. Aus diesem Grund ist er nur ein Zuschlag für die Sägespäne benutzt, die deutlich einfacher sind in der Anwendung. Meine ersten Erfahrungen mit Kaffeesatz und Shiitake habe ich hier beschrieben – seit dem habe ich einiges gelernt und in dieser Anleitung berücksichtigt

Kaffeesatz von Filterkaffee oder Espresso-Kannen

Etwas aufwändig ist es den Kaffeesatz zu sammeln. Bei Raumtemperatur fängt er schnell an zu schimmeln – das zeigt, wie viele Nährstoffe er enthält. Um eine ausreichende Mengen für die Zucht zu sammeln, habe ich den Kaffeesatz im Gefrierschrank gelagert. So konnte ich Tag für Tag neuen Kaffeesatz auf den gefrorenen Haufen geben, bis genügend Kaffee für den Start gesammelt war.

Sägespäne oder Räuchermehl

Bei meinen Holzarbeiten habe ich die Späne gesammelt – dies war überwiegend Fichte. Das ist nicht das ideale Holz, funktioniert aber trotzdem. Besser sind natürlich Laubhölzer. Für Räucheröfen gibt es Räucherspäne oder Räuchermehl – dies besteht aus Hartholz. Lieber große Mengen bestellen, damit sich der Aufwand lohnt!

Räucherspäne aus Buchenholz

Substrat mischen und sterilisieren

Zum Abtöten aller Fremdpilze und Bakterien im Kaffeesatz und den Sägespänen eignet sich ein Schnellkochtopf. Auch hier gilt: je größer, je besser. Als Substrat-Gemisch nehmen ich 3:1 – also drei Tassen Sägespäne auf eine Tasse Kaffeesatz. Gekocht habe ich das Substrat in einem separatem Topf im Schnellkochtopf. Wasser in den Schnellkochtopf geben, leicht angefeuchtetes Substratgemisch in den kleineren Topf geben und diesen in das Wasser stellen. Das Substrat nimmt dann den Wasserdampf auf und bekommt so die notwendige Feuchtigkeit. Der Schnellkochtopf muss ungeöffnet langsam abkühlen, bis der Topf Raumtemperatur hat. Ab diesem Punkt ist es wichtig auf Sauberkeit zu achten: nur noch mit gewaschenen Händen, Handschuhe und sauberem Werkzeug arbeiten.

Sterilisations von Kaffeesatz und Sägespänen im Schnellkochtopf
Sterilisation von Kaffeesatz und Sägespänen im Schnellkochtopf

Substrat beimpfen: Pilzbrut oder altes Myzel

Mit Pilzbrut wird das Substrat beimpft. Damit kommt der eigentliche Shiitake-Pilz auf den sterilen Kaffeesatz mit den Sägespänen, um dort zu wachsen. Pilzbrut ist eine fertige Pilzkultur auf Getreidekörnern. Diese muss einmalig gekauft werden. Läuft die Pilzzucht gut, kann später statt der Brut altes Shiitake-Myzel aus einem Pilzzucht-Set zum Beimpfen genutzt werden. Einfach Pilzbrut oder Myzel unter das Substrat mischen. So können alte Pilzzucht-Substrate wiederverwendet werden.

Körnerbrut für die Shiitake Pilzzucht

Inkubation – der Pilz durchwächst das Substrat

Das beimpfte Substrat habe ich in einen Müllbeutel gegeben. Da der Pilz Sauerstoff braucht, ist Luftaustausch sehr wichtig. Über die Öffnung habe ich eine Plastik-Hülse (z.B. ein Stück aus einer Vitamintabletten-Behälter) und diesen mit Watte ausgestopft. So kann Luft hindurchströmen ohne dass die Keime in der Luft das Substrat besiedeln können. Bei der Lagerung sind folgende Dinge wichtig:

  • Temperatur: 20-25°C
  • hohe Luftfeuchtigkeit in den Beutel ca. 85-95%
  • dunkler Standort
  • Substrat-Beutel nicht bewegen
  • circa 3 Wochen Lagerung, bis alles von weißem bis braunem Myzel durchwachsen ist
Shiitake-Zucht auf Kaffeesatz während der Inkubation
Shiitake-Zucht auf Kaffeesatz während der Inkubation

Fruchtung – Pilze aus dem Myzel wachsen lassen

Wenn sich die ersten kugeligen Gebilde (Primordien) im Myzel zeigen, ist das Substrat reif für die Pilzbildung. Falls sich dies nicht von allein bilden – hilft ein Schlag auf den Substrat-Beutel mit einer anschließenden Nacht im Kühlschrank. Dieser Kälte-Schock versetzt den Shiitake in einen Alarm-Zustand, was zu einer verstärkten Pilzbildung führt. Anschließend den Substrat-Block aus dem Beutel nehmen und auf ein Tablet oder Ofenblech legen. Um den Block vor Austrocknung zu schützen sollte er täglich mit Wasser eingesprüht werden.

  • Temperatur etwas kühler circa 20°C (abhängig von der Shiitake-Sorte)
  • geringere Luftfeuchtigkeit ca. 60-80%
  • normales Umgebungslicht (kein direktes Sonnenlicht)
erste Shiitake-Pilze wachsen auf dem Substratgemisch
erste Shiitake-Pilze wachsen auf dem Substratgemisch

Shiitake Pilzzuchtset für Anfänger

Die oben beschriebenen Schritte kommen mit einem Minimum an Kosten und Material aus. Dafür sind sie aber auch zeitintensiv und es können Fehler passieren. Besonders die Sterilisation und das Beimpfen des Substrats sind zu Beginn eine Herausforderung. Ein Pilzzuchtset mit sterilem Substrat oder gleich eine Pilzzucht-Fertigkultur mit ausführlicher Anleitung bieten schnelle Erfolgserlebnisse und geben eine gute Grundlage für eine komplette Pilzzucht mit allen oben beschriebenen Schritten.


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10 Nachhaltige Smartphone-Apps, die dir Geld sparen helfen

Geld sparen mit Öko-Apps? Diese 10 nachhaltigen Apps helfen dir die Umwelt und deinen Geldbeutel zu schützen.

Schwerpunkt der Apps bilden Netzwerke und Portale, die dir helfen Dinge mit anderen zu teilen. Denn Nachhaltigkeit im Alltag hat viel mit Ressourcenverbrauch in unserer Konsumwelt zu tun. Die Devise lautet „Nutzen statt Besitzen“. Die folgenden 10 nachhaltigen Apps ermöglichen dir Zugang zu Dingen, die du dir selbst dann nicht kaufen brauchst. Andersherum kannst du anderen Menschen ermöglichen, deine Dinge mitzunutzen und hilfst damit Ressourcen zu schonen.

Drivy – privates Carsharing

Android – 500.000 Downloads

Du brauchst ein Auto für deinen Umzug oder willst am Wochenende ins Grüne? Drivy hilft dir in deiner Nähe ein Auto zu finden. Genauso kannst du auch dein Auto anderen Leuten zur Verfügung stellen. Die Autos sind für den Zeitraum versichert und ein Pannendienst kümmert sich um Notfällen. Die Leihgebühren sind kleiner als bei kommerziellen Anbietern und helfen dennoch, dass Autobesitzer nicht alleine auf den Unterhaltskosten ihres Autos sitzen bleiben. Eine sinnvolle Ergänzung für Autofahrten, wo es mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht möglich ist.

Kleiderkreisel  – Second-Hand Kleidung

Android – 10.000.000 Downloads

Dein Klamottenschrank ist überfüllt? Du liebst es Second Hand zu kaufen? Kleiderkreisel leistet genau das. Gebrauchte Klamotten können hier von privat zu privat verkauft werden. Viele Kleidungsstücke gibt es schon ab 1€. Der ökologische Mehrwert ist klar: was nicht neu produziert werden muss, richtet in der Umwelt auch keinen Schaden an.

Öffi – ÖPNV Auskunft

Android – über Projekthomepage verfügbar

Wieder Lust auf Bus und Bahn aber keine gute Verbindung zur Hand? Diese App berechnet dir die schnellsten Route durch die Stadt – egal wo du bist. So kommst du schnell zum Ziel und genießt die Entspannung, wenn andere Leute dich am Stau vorbei schleusen.

Too good to go – Foodsharing

Android – 1.000.000 Downloads

Lebensmittelverschwendung ist nicht nur in Privathaushalten ein Problem. Besonders Restaurants und Lebensmittelläden schmeißen täglich nicht verkaufte Lebensmittel weg. Diese App hilft, diese Lebensmitteln zu stark reduzierten Preisen doch noch einen Sinn zu geben. Mit Preisen um die 3-4€ kannst du Gerichte in einem bestimmten Zeitfenster beim Restaurant abholen und es so vor der Mülltonne bewahren.
Leider noch nicht als App verfügbar aber auch empfehlenswert Foodsharing.de – hier kannst du dir über eine Karte noch gute aber bald abgelaufende Lebensmittel in deiner Nähe raussuchen und kostenlos abholen.

Nextdoor  – Nachbarschaftshilfe

Android – 50.000.000 Downloads

Kurzfristig einen Babysitter finden, zu einem Grillabend oder Stammtisch einladen oder Informationen mit den Nachbarn im Haus und in der Straße teilen. Die App ermöglicht es Beiträge in den Rubriken: Empfehlungen, Verkauf & kostenlos, Veranstaltungen, Sicherheit, Fundbüro und Dokumente. Darüber hinaus können Diskussionsgruppen gegründet werden, ähnlich zu Facebook & co.

Veganes Leben – vegane Lebensweise leicht gemacht

Android – 100.000 Downloads

Diese App hilft dir, deinen Ernährungsstil hin zu weniger Tierprodukten zu verändern. Sie informiert über Hintergründe, warum eine vegane Ernährung sinnvoll ist. Dazu gibt sie noch Tipps, um dich bei der Umstellung nicht alleine zu lassen. Sie zeigt mögliche Alternativen zu tierischen Produkten auf, damit du deine Lieblingsgerichte weiterhin kochen kannst. Falls du Lust auf neue Kochrezepte hast, wie du deine Freunde zu einem veganen Essen einladen kannst, gibt sie dir einen Blumenstrauß von Rezepte mit an die Hand. Das spart nicht nur Geld, sondern sensibilisiert dich für die Folgen des Fleischkonsums für die Umwelt.

Tastyvist – Ernährungs-Challenge

Android – 1000 Downloads

Du hast Lust weniger und besseres Fleisch zu essen – dir fehlen aber die Ideen und du suchst eine Herausforderung? Diese App von Greenpeace stellt dich vor Aufgaben dir dir helfen, Stück für Stück deinen Fleischkonsum zu verändern. Sie versorgt dich mit Vorschlägen und Rezepten zu einer gesünderen und nachhaltigen Ernährung.

Essbare Wildpflanzen – Kräuter und Salat selber sammeln

Android – 10.000 Downloads

Gratis Smoothie-Beilage oder Salat zum Selberpflücken. Diese App zeigt dir Wildpflanzen, die du im Park um die Ecke sammeln kannst und für eine gesunde Ernährung wichtig sind. Denn wußtest du, dass die Brennnessel 70mal mehr Vitamin C als Äpfel hat? Neben der Beschreibung der Pflanzen bietet sie hilfreiche Tipps zu Inhaltsstoffen, Erntezeitpunkt, Rezepte und Verwechselungsmöglichkeiten mit anderen Pflanzen.

Blablacar – Mitfahrgelegenheit für Auto und Bahn

Android – 10.000.000 Downloads

Mitfahrer oder eine Mitfahrgelegenheit unkompliziert finden? Die App verbindet Autobesitzer oder Bahnreisende mit Gruppenkarten, die freie Plätze auf einer Fahrt haben mit Mitfahrern. Alles läuft gegen eine vorher festgelegte Beteiligung am Sprit bzw. an der Fahrkarte. So werden Autos besser ausgelastet und durch die gemeinschaftlich getragenen Reise-Kosten profitieren alle.

Jaspr – Tauschbörse für Talente und Dinge

Android – 5.000 Downloads

Du kannst Spanisch und brauchst ein Handy? Hier kannst du deine Talente und Dinge mit anderen tauschen. Trage ein, was du kannst oder hast und lasse dir anzeigen, was andere in deiner Nähe dafür tauschen würden. Alles funktioniert ohne Geld. So kannst du für dich nutzlose Dinge anderen zugänglich machen bzw. deine Fähigkeiten mit anderen teilen.


 

Langzeit-Test: Vor- und Nachteile von Holzvergaser Camping-Kochern

Was sollte beim Camping mit Holzvergaser-Kochern beachtet werden? Mit diesen Tipps vermeidest du frustrierende Fehler und kennst die Vor- und Nachteile von Holzgaskochern.

Endlich habe ich meinen Lixada Campingkocher über einen Zeitraum von 3 Wochen ausgiebig testen können. Täglich wurde Essen, Tee und Kaffee für zwei Personen gekocht. Überzeugt hat er mich schon bei meinem ersten Erfahrungsbericht. Diesen Bericht ergänze ich mit den folgenden Tipps beim Einsatz dieser Kocher:

  1. Tipps zum Anzünden
  2. Ungewolltes Ausgehen des Holzvergasers
  3. Welches Brennmaterial eignet sich?
  4.  Wichtiges Zubehör: Handschuhe und Windschutz
  5.  Mythos Holzvergaser: rauchfrei und sauber?

Tipps zum Anzünden

Die einfachste Art zum entzünden des Holzvergasers ist es unten ein kleines Start-Feuer zu machen und dann schichtweise erst dünnere, dann dickere Holzstücke in die Brennkammer zu geben. Mit der Zeit sammelt sich genügend Glut, die für die Pyrolyse notwendig ist. Anfangs hilft es kleine Stöckchen in einer Linie in die Bodenlöcher im Rost zu stecken, um damit die Brennkammer in zwei Bereiche zu trennen. Ein Bereich wird mit trockenen Feinästen oder Spänen gefühlt. In die andere Seite kommt dann als Anzündhilfe brennende Birkenrinde, Kiefernadeln oder Papier. Brennen diese gut in der unbefüllten Kammer, kippe ich den Kocher in die Richtung der Anzündhilfe. So schlagen die Flammen in die Kammer mit den Feinästen und setzen sie in Brand. Dies ist mittlerweile meine Lieblingstechnik, da ich alles vorbereiten kann bevor die erste Flamme im Kocher brennt.

Ungewolltes Ausgehen des Kochers

Ist die Brennkammer zu voll oder zu leer neigt der Kocher zum Ausgehen. Leicht zu Erkennen am Qualm, der dann aufsteigt. Wenn die Brennkamer zu voll ist, lässt sie sich oft durch Anpusten wieder in Brand setzen. Dies ist aber schwieriger, wenn ein Topf auf dem Kocher steht.

Ist die Brennkammer zu leer, reicht die Temperatur im Kocher nicht mehr aus, um das Holzgas bei der Sekundärverbrennung zu entzünden. Hier hilft es, ab und an dünnere Holzstücke immer wieder hinzu zu geben, die kurz unter dem Topfboden brennen. Damit halten sie die Sekundärverbrennung im Gang. Denn die Pyrolyse produziert bei heißer Brennkammer weiterhin Holzgas, auch wenn die Flamme erloschen ist. Nach längerer Kochzeit setzen sich die Löcher im Bodenrost mit Asche zu. Dies reduziert die Sauerstoffgehalt im ganzen Kocher, was auch zum ungewollten Ausgehen führt. Kurzes Rumstochern in der Glut lässt die meiste Asche aus den Löchern herausfallen und der Weg für die Luft ist wieder frei.

Welches Brennmaterial eignet sich?

Von der Dicke der Äste muss nichts größer als daumendick sein. Batoning (dickere Holzstücke mit dem Messer spalten) ist im Regelfall nicht notwendig. Totholz in Bäume ist meine erste Wahl. Es ist trockener als am Boden liegende Äste und fügt Bäumen und Sträuchern keinen Schaden zu. Zum Anzünden eignen sich Birkenrinde, trockene Nadeln von Nadelbäumen und deren Baumharz.

Wichtiges Zubehör: Windschutz und Handschuhe

Windschutz

Ein Windschutz spart Brennmaterial, Kochzeit und Stress. Dabei ist es egal, ober es eine improvisierte Mauer aus Steinen oder Holzstämmen ist oder mitgebrachter Windschutz ist. Der Holzkocher ist anfällig für Seitenwinde, die die Flammen vom Topfboden wegwehen und die Topf auskühlen. Im Idealfall schützt er also nicht nur den Kocher, sondern auch den Topf selbst.

Ein robuster Windschutz aus faltbaren Alu-Platten gibt es fertig zu kaufen:

faltbarer Windschutz aus Aluminium-Platten

Zur Not lässt sich aus Alu-Folie aus dem Supermarkt ein einfacher Windschutz selber bauen. Auch das Zerkleinern von Ästen geht sehr viel schneller mit geschützten Händen.

Handschuhe

Sind auch nicht zwingend notwendig, sparen aber eine Menge Frust und Schmerz. Mittlerweile habe ich immer Arbeitshandschuhe dabei, weil sie in vielen Situationen nützlich sind. Öfter sind mir Kocher oder Töpfe umgekippt, da sie wackelig standen. Ein unbedachter Griff an heiße Teile kann schnell schmerzhaft werden. Auch das Zerkleinern von Ästen geht sehr viel schneller mit geschützten Händen.

Mythos Holzvergaser: rauchfrei und sauber?

Rauch beim Holzvergaser

Oft werden die Holzvergaser als rauchfrei angepriesen. Dies muss relativiert werden. Sie sind weniger rauchend als ein Lagerfeuer oder ein Hobo-Kocher. Aber rauchfrei sind sie nicht – nur bei Idealbedingungen. Sie qualmen beim Anmachen, sie qualmen beim vorzeitigen Ausgehen und sie qualmen einem direkt ins Gesicht beim Anpusten des Feuers.

nicht rauchfrei: Holzvergaser kurz nach Erlöschen der Flamme
nicht rauchfrei: Holzvergaser kurz nach Erlöschen der Flamme

Verrußte Töpfe

Qualm deutet immer auf ein unsaubere Verbrennung hin. Dies führt auch zu starken Ruß an den Töpfen, die die silberne Metallschicht mit einer schwarzen Ruß-Schicht umhüllt. Diese sollte öfters abgewaschen werden, da sie Hände und Gepäck sonst dreckig macht und mit der Zeit zu einer dicken festen Schicht auf dem Topf führt. Dies behindert die Wärmeleitung und macht das Kochen ineffizient.

Edelstahlkanne nach dem Langzeit-Holzvergaser-Test: oben mit Ruß, unten gereinigt
Edelstahlkanne nach dem Langzeit-Holzvergaser-Test: oben mit Ruß, unten gereinigt

Artikel zu Holzvergaser-Campingkocher


 

Kleinwindkraftanlagen – urbane Windenergie auf dem Vormarsch

Hier und da drehen sie sich schon auf Häuserdächern: Kleinwindkraftanalgen in der Stadt.

Warum gibt es den Trend zu großen Windkraftanlagen?

Beim dem Schlagwort Windkraft fallen einem sofort die riesigen Windmühlen ein, wie sie bereits in vielen Gegenden in Deutschland anzutreffen sind. Gemessen an der Gesamtenergieproduktion in Deutschland wurde bereits letztes Jahr mehr Strom aus erneuerbaren Energien (22,1%) erzeugt als aus Kernenergie(16,1%) oder Steinkohle (19,1%). Allein aus Windkraft stammen 8,1% des deutschen Energiemixes [0]. Durch die unterschiedlichen Windbedingungen sind in Deutschland besonders die See- und Küstengebiete, Tiefebenen und die Gebirge für die Produktion von Windenergie geeignet. Dabei nimmt mit zunehmender Höhe auch die Windgeschwindigkeit zu. Das ist der Grund, warum bei den Windkraftanlagen Größenwahn herrscht. Mit 180 Metern Gesamthöhe steht bei Brunsbüttel an der Nordseeküste die größte Windkraftanlage der Welt.

Aerodynamische Vorteile von Luftströmungen in der Stadt

Doch gibt es auch andere geeignete Standorte für die Nutzung von Windenergie: auf Gebäuden. Trifft Wind frontal auf ein Gebäude, so wird er zunächst abgebremst und umfließt das Hindernis. Dabei bilden sich energiereiche Strömungen und Verwirbelungen an den Dachkanten. Diese können genutzt werden, um mit Kleinstwindkraftanlagen Strom zu produzieren. Da die typischen Rotoren mit drei Flügeln bei schnell wechselnden Windrichtungen nur schlecht funktionieren, kommen andere Formen zum Einsatz.

Rotoren mit vertikaler Achse (VAWT)

Rotoren mit vertikaler Achse laufen auch bei veränderlichen Windbedingungen relativ gleichmäßig.

Verdrillter Savonius-Rotor als Kleinwindkraftanlage in der Stadt (Quelle: Popolon CC BY-SA 4.0)
Verdrillter Savonius-Rotor als Kleinwindkraftanlage in der Stadt (Quelle: Popolon CC BY-SA 4.0)

Zum Einsatz kommen überwiegend Savonius- und Darrieus-Rotoren. Savonius-Rotoren finden bereits seit Jahren Anwendung als Belüftungsanlagen auf Schiffs- und Häuserdächern. Durch die gleiche Technik lässt sich mit ihnen auch Strom produzieren. Für die Energieproduktion in Deutschland spielen diese Kleinwindkraftanlagen noch keine Bedeutung.

Inselsysteme setzen schon lange auf Kleinwindkraftanlagen

Anders sieht es bei sogenannten Inselsystemen aus. Gibt es keine Verbindung zum Stromnetz, muss der Strom selbst hergestellt werden. Bei vielen Segelbooten ist beispielsweise eine Kleinwindkraftanlage am Mast installiert um Strom für Beleuchtung, Funk- und Navigationsgeräte zu produzieren. Aber auch bei Gehöften abseits der Dörfer auf dem Land oder bei kleinen Hütten in den Bergen kann damit die Stromversorgungen sichergestellt werden.


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Doku: Die 4. Revolution: Energy Autonomy – sind 100% Erneuerbare Energien möglich?

Die Doku dreht sich um die Frage, ob 100% Erneuerbare Energien möglich sind. Kontroverse Positionen werten durch diverse Interviews gegeneinander gestellt.

Die Frage ist nich OB, sondern nur WANN die Energiewende kommen muss

Der Spannungsbogen wird durch Interviewauszüge mit dem Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IAE) Fatih Birol gesetzt. Im Anzug sitzt er in seinem Büro in Paris und legt durch die scheinbare Kraft der Zahlen dar, dass 100% Erneuerbare nicht in absehbarer Zeit möglich seien. Stattdessen ist ein Umbau der Energieproduktion hin zu mehr Klimaschutz nur durch Atomkraft und Nachrüstung der Kohlekraftwerken mit CCS möglich. Seine Beiträge werden durch Kurzpräsentationen von Windfarmen, Biogas, Photovoltaik und Solarthermieanlagen kontrastiert, die durch die Kommentare vom Solar-Pionier Hermann Scheer verknüpft werden.

  DVD: Die 4.Revolution – Energy Autonomy

Welche Projekte der Energiewende werden vorgestellt?

Thematisch geht es mit kurzen Eindrücken rund um die Welt. Vorgestellt wird eine Modellregion für Erneuerbare Energien in Dänemark, solare Elektrifizierungsprojekte in Mali, Elon Musk mit seinen Tesla Elektroautos, ein engergieeffizientes Bürogebäude in Deutschland, ein Solarthermie-Kraftwerk in Spanien oder das Konzept von Mikrokrediten der Grameen-Bank in Bangladesch und eine Solarfabrik in China. Mit kurzen Statements werden die jeweiligen Projekt vorgestellt und die Gründer_innen berichten schlaglichtartig von ihren Vision. Eine genauere Übersicht über die Energiewende-Projekte liefert die Wikipedia-Seite.

Schwachpunkte der Dokumentation über Erneuerbare Energien

Obwohl die Verstrickungen der Kohle- und Erdölindustrie als Kernproblem der Energiewende herausgearbeitet werden, schafft es der Film nicht konkrete Handlungsansätze jenseits von Appellen an die Industrie zu entwerfen. Vorgestellt werden zumeist Projekte mit mittlerem bis hohem Investitionsvolumen. Einzige Ausnahme bilden die kleinen Bürger_innenprojekte in Mali, die in kleinen Gruppen Solaranlage auf Schulen und Krankenstationen bauen oder ein Pflanzenölkraftwerden zur Stromproduktion betreiben. Insofern adressiert die Dokumentation die wohlhabenden Bevölkerungsschichten, die Investition in die Energiewende als Renditeprojekt betreiben. Nicht kritisiert wird der Konsumstil der reichen Industrie- und Schwellenländer, die auf Kosten anderer die fossilen Ressourcen verbrauchen. Auch der Umbau sämtlicher Stromproduktion zu Wind- und Solarkraftwerken löst die Umweltkrise nicht. Das Problem ist prinzipielle Ressourcenverbrauch, eines auf Wachstum konzentrierten Wirtschaftssystems. Nicht nur die fossilen Rohstoffe sind endlich. Diese Denkfalle des „grünen Kapitalismus“ wird mit dem Rebound-Effekt beschrieben: ökologische Einsparpotentiale werden wieder durch erhöhten Konsum zunichte gemacht.

Schöne Bilder, gute Unterhaltung

Die Macher_innen der Dokumentation haben einen spannenden ca. 1,5h Dokumentarfilm vorgelegt bei dem keine lange Weile aufkommt. Die inhaltliche Schwäche wird durch eindrucksvolle Bilder und professionelle Kameraführung wieder gutgemacht. Der Film thematisiert weder tiefgründig die Problemlagen, noch die Handlungsmöglichkeiten. Er bietet aber einen schön niedrigschwelligen Einstieg in die Problematik, ob 100% Erneuerbare Eniergie möglich sind – bleibt aber einer eindeutigen Antwort schuldig, da er Befürworter_innen und den Chefökonom der IEA in ihren Aussagen urteilsfrei gegenüberstellt. Durch die Wahl der Projekte und die Vielzahl der Beispiele auf der ganzen Welt, besteht aber an der Stoßrichtung kein Zweifel.