Shiitake-Zucht auf Kaffeesatz und Sägespänen

Shiitake-Pilze züchten: Anleitung für die Pilzzucht mit Kaffeesatz und Sägespänen

Pilze lassen sich sich leicht zu hause züchten – mit diesen Tipps startest du deine eigene Shiitake-Pilzzucht mit einfacher Küchenausstattung. Warum der Shiitake für die Ernährung so wertvoll ist, habe ich hier beschrieben.

2 Arten der Shiitake-Zucht

Shiitake kann auf zwei Arten gezüchtet werden, als holzzersetzender Pilze muss auf jeden Fall Holz im Substat enthalten sein, durch diverse Zuschläge lassen sich PH-Wert und Nährstoffgalt verändern:

1. direkt auf Holzstämmen

Dies dauert sehr lange, da Shiitake relativ langsam durch das Holz wächst. Als Baumart bevorzugt er Hartholz wie Eiche, Buche oder Robinie. Dafür ist die Ausbeute groß und der Zeitaufwand relativ gering.

2. auf Substrat mit Sägespänen, Hackschnitzeln oder Pellets

Dies geht wesentlich schneller, macht aber auch mehr Arbeit. Dafür lässt sie sich in der eigenen Wohnung mit einfachen Haushaltsmitteln durchführen.

Ernte von Shiitake-Pilze
Ernte von Shiitake-Pilze

Materialliste – Minimalausstattung für die Pilzzucht

Die folgende Liste ist eine absolute Minimalausstattung. Die Shiitake-Zucht erfordert sauberes Arbeiten.

Substrat aus Sägespänen und Kaffeesatz

Für meine Zucht wollte ich Substrat verwenden, was mich nichts kostet. Kaffeesatz und Sägespäne wandern bei mir sonst in den Biomüll. Sie eigenen sich aber auch hervorragend für die Pilzzucht. Reiner Kaffeesatz ist aber kompliziert in der Anwendung weil er nicht viel Feuchtigkeit speichert und schnell von Schimmelpilzen besiedelt wird. Aus diesem Grund ist er nur ein Zuschlag für die Sägespäne benutzt, die deutlich einfacher sind in der Anwendung. Meine ersten Erfahrungen mit Kaffeesatz und Shiitake habe ich hier beschrieben – seit dem habe ich einiges gelernt und in dieser Anleitung berücksichtigt

Kaffeesatz von Filterkaffee oder Espresso-Kannen

Etwas aufwändig ist es den Kaffeesatz zu sammeln. Bei Raumtemperatur fängt er schnell an zu schimmeln – das zeigt, wie viele Nährstoffe er enthält. Um eine ausreichende Mengen für die Zucht zu sammeln, habe ich den Kaffeesatz im Gefrierschrank gelagert. So konnte ich Tag für Tag neuen Kaffeesatz auf den gefrorenen Haufen geben, bis genügend Kaffee für den Start gesammelt war.

Sägespäne oder Räuchermehl

Bei meinen Holzarbeiten habe ich die Späne gesammelt – dies war überwiegend Fichte. Das ist nicht das ideale Holz, funktioniert aber trotzdem. Besser sind natürlich Laubhölzer. Für Räucheröfen gibt es Räucherspäne oder Räuchermehl – dies besteht aus Hartholz. Lieber große Mengen bestellen, damit sich der Aufwand lohnt!

Räucherspäne aus Buchenholz

Substrat mischen und sterilisieren

Zum Abtöten aller Fremdpilze und Bakterien im Kaffeesatz und den Sägespänen eignet sich ein Schnellkochtopf. Auch hier gilt: je größer, je besser. Als Substrat-Gemisch nehmen ich 3:1 – also drei Tassen Sägespäne auf eine Tasse Kaffeesatz. Gekocht habe ich das Substrat in einem separatem Topf im Schnellkochtopf. Wasser in den Schnellkochtopf geben, leicht angefeuchtetes Substratgemisch in den kleineren Topf geben und diesen in das Wasser stellen. Das Substrat nimmt dann den Wasserdampf auf und bekommt so die notwendige Feuchtigkeit. Der Schnellkochtopf muss ungeöffnet langsam abkühlen, bis der Topf Raumtemperatur hat. Ab diesem Punkt ist es wichtig auf Sauberkeit zu achten: nur noch mit gewaschenen Händen, Handschuhe und sauberem Werkzeug arbeiten.

Sterilisations von Kaffeesatz und Sägespänen im Schnellkochtopf
Sterilisation von Kaffeesatz und Sägespänen im Schnellkochtopf

Substrat beimpfen: Pilzbrut oder altes Myzel

Mit Pilzbrut wird das Substrat beimpft. Damit kommt der eigentliche Shiitake-Pilz auf den sterilen Kaffeesatz mit den Sägespänen, um dort zu wachsen. Pilzbrut ist eine fertige Pilzkultur auf Getreidekörnern. Diese muss einmalig gekauft werden. Läuft die Pilzzucht gut, kann später statt der Brut altes Shiitake-Myzel aus einem Pilzzucht-Set zum Beimpfen genutzt werden. Einfach Pilzbrut oder Myzel unter das Substrat mischen. So können alte Pilzzucht-Substrate wiederverwendet werden.

Körnerbrut für die Shiitake Pilzzucht

Inkubation – der Pilz durchwächst das Substrat

Das beimpfte Substrat habe ich in einen Müllbeutel gegeben. Da der Pilz Sauerstoff braucht, ist Luftaustausch sehr wichtig. Über die Öffnung habe ich eine Plastik-Hülse (z.B. ein Stück aus einer Vitamintabletten-Behälter) und diesen mit Watte ausgestopft. So kann Luft hindurchströmen ohne dass die Keime in der Luft das Substrat besiedeln können. Bei der Lagerung sind folgende Dinge wichtig:

  • Temperatur: 20-25°C
  • hohe Luftfeuchtigkeit in den Beutel ca. 85-95%
  • dunkler Standort
  • Substrat-Beutel nicht bewegen
  • circa 3 Wochen Lagerung, bis alles von weißem bis braunem Myzel durchwachsen ist
Shiitake-Zucht auf Kaffeesatz während der Inkubation
Shiitake-Zucht auf Kaffeesatz während der Inkubation

Fruchtung – Pilze aus dem Myzel wachsen lassen

Wenn sich die ersten kugeligen Gebilde (Primordien) im Myzel zeigen, ist das Substrat reif für die Pilzbildung. Falls sich dies nicht von allein bilden – hilft ein Schlag auf den Substrat-Beutel mit einer anschließenden Nacht im Kühlschrank. Dieser Kälte-Schock versetzt den Shiitake in einen Alarm-Zustand, was zu einer verstärkten Pilzbildung führt. Anschließend den Substrat-Block aus dem Beutel nehmen und auf ein Tablet oder Ofenblech legen. Um den Block vor Austrocknung zu schützen sollte er täglich mit Wasser eingesprüht werden.

  • Temperatur etwas kühler circa 20°C (abhängig von der Shiitake-Sorte)
  • geringere Luftfeuchtigkeit ca. 60-80%
  • normales Umgebungslicht (kein direktes Sonnenlicht)
erste Shiitake-Pilze wachsen auf dem Substratgemisch
erste Shiitake-Pilze wachsen auf dem Substratgemisch

Shiitake Pilzzuchtset für Anfänger

Die oben beschriebenen Schritte kommen mit einem Minimum an Kosten und Material aus. Dafür sind sie aber auch zeitintensiv und es können Fehler passieren. Besonders die Sterilisation und das Beimpfen des Substrats sind zu Beginn eine Herausforderung. Ein Pilzzuchtset mit sterilem Substrat oder gleich eine Pilzzucht-Fertigkultur mit ausführlicher Anleitung bieten schnelle Erfolgserlebnisse und geben eine gute Grundlage für eine komplette Pilzzucht mit allen oben beschriebenen Schritten.


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4 Kommentare

  1. Sehr geehrter Autor !

    Ist eine Aufzucht von Shiitake auch auf alten Brotlaibern vorstellbar?
    In vielen Bäckereien werden sehr viele Mehlprodukte weggeworfen.
    mit freundlichem Gruß

    1. Hallo Kilian,
      es gibt viele Substrat-Mischungen mit Getreideprodukten. Altes Brot wäre sogar ökologisch vorteilhaft, da es sonst entsorgt werden muss. Viele Bäckereien arbeiten deswegen schon mit Pilzzucht-Farmen zusammen. Hier ist ein Link von einem Artikel, wo verschiedene Substrate mit altem Brot getestet wurden: https://journal.institut-isi.si/wp-content/uploads/2008/02/vol2-no-2-Leftover-bread-as.pdf
      Hier wurde allerdings mit der Austern-Seitling genutzt. Das macht Sinn, da Shiitake höhere Anforderungen an das Substrat hat (Holzzersetzer) und auch im Vergleich zum Austern-Seitling langsamer wächst. Dies erhöht die Chance, dass andere Pilze die alten Brote schneller besiedeln als der Shiitake.

  2. Hallo, wäre es möglich, anstatt gekaufter Häcksel selbstgeschnittene und mit dem Gartenhäcksler zerkleinerte z.B. Buchenzweigchen als Substrat zu verwenden? Diese kann man ja auch im Topf sterilisieren. Kann das Myzel auch die, in diesem Fall sehr dünne Rinde besiedeln?

    1. Das ist eine spannende Frage. Ich plane dies auch auszuprobieren. Shiitake ernährt sich von Lignin und das ist auch als Bestandteil der Zellwand in der Baumrinde zu finden. Insofern sollte es funktionieren. Schreibe doch bitte, wie der Schiitake sich entwickelt – ich würde mich freuen von deinen Erfahrungen zu hören!

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