Taugen Holzkocher als Campingkocher? Mittlerweile habe ich mit einem Holzkocher als Hobo-Kocher und auch als effizienterer Holzvergaser schon auf vielen Campingtouren Erfahrungen sammeln können. Denn einfache Gaskocher für Camping oder Survival-Wanderungen haben einen großen Nachteil: wenn das Gas der Gaskartusche leer ist, ist es vorbei mit dem Kochen. Holzkocher brauchen nur Äste und Zweige.
Die Alternative sind Holzvergaser, also Campingkocher ohne Gas aus separaten Gaskartuschen! Brennstoff aus Ästen lässt sich überall dort finden, wo auch Bäume sind. Der Artikel beschreibt, wie das Prinzip vom Holzvergaser-Campingkocher funktioniert und welche Modelle ich nutze.
Evolution der Holzkocher: vom Hobo-Kocher zum Holzvergaser-Campingkocher
Aus Konservendosen können sich einfache Holzkocher auch unterwegs leicht selbst gebaut werden. Solche Hobo-Campingkocher sind aber relativ ineffizient. Sie müssen die ganze Zeit über mit kleinen Ästen versorgt werden, damit sie nicht ausgehen.

Was sind Hobo-Kocher?
Einfache Campingkocher aus Konservendosen wurden ursprünglich von Menschen genutzt, die keinen Zugang zu effizienten Campingkochern hatten. Zu dieser Gruppe gehören auch die Hobos. Dies waren arme Wanderarbeiter in den USA,die auf Zügen oder per Autoanhalter guten Jobs hinterher gereist sind. Unterwegs mussten sie erfinderisch sein und haben sich viel selbst gebaut. Dabei benutzten sie nur das, was sie zur Verfügung hatten und nichts gekostet hat.
Hobo-Kocher aus Konservendosen selber bauen
Hobo-Campingkocher lassen sich in wenigen Minuten aus einer Konservendose selber bauen. Sie sind wie eine kleine Feuertonne aufgebaut. Unten ein paar Luftlöcher und oben Löcher, damit Rauch entweichen kann und ein Kamineffekt entsteht.

Beim Kochen brauchen sie viel Holz, welches kontinuierlich nachgelegt werden muss. Oft erlischt auch die Flamme oder sie brennen teilweise nur unter starker Rauchentwicklung. Hier ist die richtige Anzahl und Größe der Löcher in der Konservendose entscheidend. Auch liegt die Temperatur der Flammen weit unterhalb von Gaskochern. Wer also Geduld mitbringt und CO2-neutral den Outdoor-Kaffee kochen möchte, hat mit Holz als Brennstoff eine gute Alternative.
IKEA-Hobokocher selber bauen
Die Konserven-Hobokocher haben allerdings zwei Nachteile: die Löcher sind scharfkantig und die Konserven können auch leicht zerdrückt werden. Im Camping-Rucksack sind sie nur bedingt zu gebrauchen.

In der Bushcraft-Szene erfreut sich deshalb der IKEA-Hobokocher großer Beliebtheit. Er besteht aus einem Besteck-Korb aus Edelstahl von IKEA. Um aus diesem Korb einen IKEA-Hobokocher zu bauen muss nur ein kleines Fenster hineingeschnitten und die Ränder mit Sandpapier abgeschmirgelt werden. Hier gibt es eine kurze Baunanleitung für den IKEA-Hobo.
Moderne Hobo-Campingkocher als faltbare Holzkocher
Heute gibt es schon super praktische Holzkocher, die sich an den Hobo-Kochern von damals orientieren. Hier muss auch nichts mehr selbst gebaut werden. Sie bestehen aus faltbaren oder steckbaren Blechen die sich klein zusammenfalten lassen und so in einen Briefumschlag passen

Diese industriell gefertigten Holzkocher werden auch Falt-Kocher oder Steck-Hobos genannt und haben bereits die Löcher an der richtigen Seite. Einfach zusammenstecken und los geht es. Einen Erfahrungsbericht über die Bushbox findest du in meinem Artikel vom Test der Bushbox Ultralight Campingkocher. Einen Test von einem größeren streckbaren Hobo-Kocher ist hier: Falt-Hobo Campingkocher – Erfahrungsbereicht mit einem Holzkocher.
Holzvergaser: der effizientere Holzkocher
In einem Hobo-Kocher wird das Holz wie in einer kleinen Feuertonne verbrannt. Kalte Luft wird durch Löcher am Boden der Dose von außen angesaugt und verbrennt das Holz in der Konservendose. Löcher am oberen Rand sorgen dafür, dass die Verbrennungsgase abziehen können und Luft von unten nachströmen kann. Dies wird als Kamineffekt bezeichnet. Holzvergaser sind noch effizienter als einfache Hobo-Kocher.
Holzvergaser verbrennen das Holz nicht direkt. Sie entziehen dem Holz erst das brennbare Holzgas, mischen es mit vorgewärmter Luft und verbrennen dann das Gasgemisch. Dieses Holzgas besteht aus:
- Kohlendioxid (49%)
- Kohlenmonoxid (34%)
- Methan (13%)
- Wasserdampf (abhängig von der Trockenheit des Holzes)
Kohlenmonoxid (CO) ist hochgiftig – aus diesem Grund dürfen diese Holzvergaser nur im Freien benutzt werden, da sonst Erstickungsgefahr besteht! Holzgas als Gasgemisch hat einen Heizwert von 8,5 MJ/m3.

Wie funktioniert das Prinzip des Holzvergaser-Campingkochers?
Ein Holzkocher als Holzvergaser ist doppelwandig aufgebaut. Im unteren Teil wird das Holz in Holzgas umgesetzt. Bei diesem Prozess darf nur wenig Luftsauerstoff vorhanden sein, da sonst das Holz anfängt komplett zu verbrennen. Im oberen Teil des Kochers wird Luft zugeführt damit das Holzgas verbrennen kann.

Das Prinzip der Holzvergasung ist die Pyrolyse. Unter Sauerstoffmangel wird das Holz erhitzt, wodurch Holzgas frei wird. Dieses kann nach Durchmischung mit Sauerstoff entzündet werden. Im Holzvergaser wird in der Pyrolysezone das Holz zu Beginn durch ein Holzfeuer erwärmt, bis die Pyrolyse einsetzt. Bei diesem Prozess wird das Holz in Holzgas und Asche zersetzt. Das Holzgas steigt auf und wird am oberen Rand mit sauerstoffreicher, warmer Luft gemischt und verbrennt. Die Heißluft wurde vorher durch Löcher am unteren Rand des Kochers von außen eingesogen und erwärmt sich an der innen liegenden Wand der Pyrolyse-Kammer.
Holzvergaser – Campingkocher ohne Gas aus Gaskartuschen
Mich begeistert an Holzvergasern, dass sie nicht die kritischen Probleme der Gaskocher haben. Denn Holzvergaser produzieren selbst das Gas für die Verbrennung. Dadurch brauche ich mir keine Gedanken mehr über den Füllzustand von Gaskartuschen machen und ich habe auch keine Probleme mehr mit defekten Ventilen. Weitere Alternativen findest du in meiner Übersicht Top-5 der Campingkocher ohne Gas.
Welche Holzvergaser-Campingkocher gibt es?
Mittlerweile gibt es eine überschaubare Auswahl an Campingkocher als Holzvergaser. Vom prinzipiellen Aufbau ähneln sie sich alle – jedoch sind einige Kocher eher auf weniger Gewicht optimiert oder auf eine höhere Kochleistung. Ich selbst benutze seit Jahren einen steckbaren Holzvergaser mit geringem Gewicht. Die meisten Holzvergaser sind so einfach konstruiert, dass sie quasi nicht kaputt gehen können.

Steckbarer Holzvergaser-Kocher aus Edelstahl oder Titan
Wie ein tragbarer Holzgaskocher für das Camping aussehen kann, zeigen folgende Bilder. Er ist aus robusten Edelstahl oder Titan hergestellt und lässt sich auf ein kleines Packmaß zusammenstecken. Ich habe selbst einen Holzgas-Campingkocher von Lixada*.

Im Transport-Zustand ist der Holzgas-Kocher 7cm hoch und hat einen Durchmesser von 13cm. Zusammengesteckt ist er dann 16cm hoch. Klappbare Topfhalter können für große Töpfe nach außen geklappt werden.

Einen umfassenden Testbericht habe ich hier geschrieben: Erfahrungsbericht – ökologische Holzvergaser als Campingkocher. Dann habe ich auch einen langen Campingtrip von drei Wochen gemacht um den Holzgas-Campingkocher auf Herz und Nieren zu prüfen. Er war täglich im Einsatz: morgens für Kaffee und abends für ein warmes Abendessen. Meine Erfahrungen habe ich hier beschrieben: Langzeit-Test: Vor- und Nachteile eines Holzvergaser-Campingkochers.
Elektrischer Holzkocher als Holzvergaser
Teurere Modelle unterstützen das Anzünden des Kochers durch einen kräftigen Luftstrom. Dadurch entwickelt die Brennkammer schneller die notwendige Temperatur für die Pyrolyse.

Solch ein Modell ist beispielsweise der Holzvergaser-Campingkocher von BioLite*. Elektrisch betrieben und trotzdem klein und leicht. Außerdem verfügt der Holzgas-Campingkocher von BioLite über einen internen Akku, der durch das Holzfeuer wieder geladen werden kann. Er kann auch als PowerBank mit USB-Anschluss benutzt werden. So kann beim Kochen mit dem Campingkocher gleich das Smartphone über USB aufgeladen werden. Die Leistung von dem elektrischen Generator ist zwar bescheiden, aber wer abends gerne länger kocht hat damit eine Notfall-Option wenn das Smartphone zu schnell leer geht.
Der Lüfter bringt beim Anmachen des Kochers genügend Sauerstoff in die Brennkammer. So kommt er schnell auf die notwendige Temperatur, damit die Pyrolyse startet. Vorteil ist, dass der Kocher weniger raucht und nicht in den ersten Minuten unvermittelt ausgeht. Das spart Zeit und Frust, wird aber mit zusätzlichem Gewicht erkauft. Aber die Möglichkeit elektronische Geräte durch den eingebauten Generator laden zu können, ist ein unschätzbarer Vorteil.
Holzvergaser-Kocher selber bauen
Mit Konservendosen lassen sich auch komplette Holzvergaser-Campingkocher selber bauen. Der Aufbau entspricht dem Schema von der oben abgebildeten Funktionsweise eines Holzvergasers: in der Brennkammer aus einer Konservendose wird das Holz zu Holzgas und Asche zersetzt (Pyrolyse). Durch Löcher im Farbeimer außen strömt Luft in den Holzvergaser nach oben und tritt über der Pyrolysezone in die Brennkammer ein und verbrennt das Holzgas.

Wer einen Holzvergaser-Kocher selber bauen will findet hier eine Anleitung. Die Bauanleitung kommt komplett nur mit Konservendosen aus und vergleicht den selbst gebauten Holzvergaser mit gekauften Holzvergaser-Campingkochern.
Fazit: Warum mag ich Holzkocher?
Campingkocher mit Holz faszinieren mich aus unterschiedlichen Aspekten. Dies sind hauptsächlich ökologische Faktoren, Sicherheit und die Romantik vom Kochen über offenem Feuer. Es ist auch einfach schön, mit Ästen und Zweigen aus der Umgebung ein kleines Feuer in einem Holzkocher zu entfachen und darauf einen leckeren Kaffee oder eine warme Mahlzeit zu kochen.
Kochen auf Campingkochern ohne Müll zu produzieren
Holzkocher verursachen keinen Müll. Übrig bleibt nur die Asche vom Holz, die einfach in der Natur verbuddelt werden. Damit ist sie sogar ein Dünger für die Pflanzen. Keine leere Gaskartuschen, keine Trockenbrennstoffverpackungen und auch keine leeren Spiritusflaschen. Einfach das verbrennen was in der Natur ohnehin in großer Menge vorhanden ist: Totholz. So kann das Kochen auf dem Campingkocher sogar CO2-neutral sein.
Sicherheit – kein fehlender Brennstoff weil Holz immer da ist
Der gleiche Grund kann auch für die Sicherheit angeführt werden. Holz als Brennstoff ist zumindest in unsren Breiten immer verfügbar. Ich brauche keine Angst haben, dass die Gaskartusche leer ist. Bei angebrochenen Kartuschen stelle ich mir immer die Frage: Reicht das Gas noch für den nächsten Trip? Und eine Extra-Kartusche ist wieder Extra-Gewicht und nimmt Platz im Rucksack weg!
Lagerfeuerromantik bei einem Holzkocher als Campingkocher
Kochen über offenen Feuer finde ich einfach schön. Die Flamme ist gut sichtbar im Gegensatz zu einer Gasflamme oder einer Spiritusflamme. Die Flamme schlagen am Topf vorbei und erwecken den Eindruck, dass ich auf einem kleinen Lagerfeuer koche. Ich mag das! Es geht zwar nicht so schnell wie auf einem Gas-Campingkocher, aber dafür ist es viel romantischer.
Robust und einfach – Holzkocher können kaum kaputt gehen
Egal ob Falt-Hobo oder Holzvergaser-Campingkocher. Mit Ausnahme von dem BioLite-Holzgaskocher sind die anderen Modelle recht einfach aufgebaut. Es sind nur Metallbleche die entweder zusammengesteckt werden oder es sind vorgefertigte Metallzylinder die aufeinander gesetzt werden. Hier kann kaum was kaputt gehen. Es gibt keine sich bewegenden Teile, keine Ventile, keine Plastikteile – alles ist robust. Deswegen sind die Kocher auch so verlässlich. Hauptsache der Brennstoff ist trocken.
Selbst wenn ein Kocher mal eine Delle abgekommen hat. Da das Prinzip so simpel ist kochen sie auch mit einem Schaden. Wenn das Kochen also wirklich kritisch ist, ist so ein einfacher Falt-Holzkocher oder eine Holzvergaser-Campingkocher eine echte Option.
Alles in allem sind mir die Holzkocher echt wichtig geworden. Wenn ich Zeit habe sind sie immer mit dabei. Je nach Länge und Personenanzahl entweder der Lixada-Holzkocher oder die Bushbox für kurze Campingtouren mit ein bis zwei Leuten.
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Titelbild: Original von Benjamin Hollis / modifiziert von Transitionsblog.de / CC BY 2.0






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