Mythen über Stevia: ein gesunder, natürlicher Süßstoff?

Mythos Stevia-Süßstoff: gesund oder ungesund?

Über Stevia existieren viele Mythen. Teilweise wird dabei der aus den Stevia-Blättern extrahierte Süßstoff Steviosid mit anderen synthetischen Süßstoffen wie Cyclamat oder Aspartam verwechselt. Dieser Artikel räumt mit gängigen Mythen und Halbwahrheiten auf.

Die Stevia-Mythen: gesund oder ungesund?

Bevor ich auf einzelnen Mythen über Stevia eingehe möchte ich meine eigene Position beschreiben. Ich benutze Stevia sowohl als selbst gemachten Pflanzenextrakt wie auch das industriell hergestellt Steviosid schon seit vielen Jahren. Schon vor der Zulassung in der EU habe ich Stevia selbst angebaut und für meinen persönlichen Konsum genutzt. Insofern kenne ich viele Mythen und habe schon viel Zeit mit der Recherche darüber verbracht.

Ist Stevia krebserregend?

Dieser hartnäckige Mythos über Stevia hält sich schon seit langer Zeit. Er geht zurück auf Tierversuche und Versuche mit Zellkulturen mit sehr hohen Steviosid-Dosen. Allerdings konnte andere Studien keine krebserzeugenden Effekte messen. Dadurch konnte die Vermutung über die Entstehung von Krebs im Zusammenhang von Steviosid nicht bestätigt werden.

Dennoch gilt in der EU ein Grenzwert für vier Milligramm Steviosid pro Kilogramm Körpergewicht. Unterhalb dieses Grenzwertes gilt krebserregende Wirkung von Steviosid als ausgeschlossen. In sehr großen Mengen weit oberhalb von 4mg pro kg Körpergewicht gilt sie als fragwürdig. Hier sollten künftige medizinische Studien die Forschungslücke schließen helfen.

Ist Stevia ein natürlicher Süßstoff?

Stevia ist eine Pflanze – genau genommen heißt die Pflanze Stevia rebaudiana bertoni und wird in Südamerika schon seit Jahrhunderten aufgrund ihres süßen Geschmacks genutzt. Dazu werden die Blätter erst getrocknet, zerkleinert und dann anderen Speisen zugesetzt.

Stevia-Pflanze - aus den Blättern wird ein süßer Saft gewonnen oder die Blätter können getrocknet als Süßstoff verwendet werden
Stevia-Pflanze – aus den Blättern wird ein süßer Saft gewonnen oder die Blätter können getrocknet als Süßstoff verwendet werden (Quelle: Von Ethel Aardvark  CC BY 3.0)

Was im Supermarkt als Stevia in Form von weißen Flocken oder als Süßstoff-Tabletten verkauft wird hat nicht mehr viel Ähnlichkeit mit getrockneten Pflanzenblättern. Die industriell hergestellten Extrakte aus der Steviapflanze werden als Steviolglycoside unter der Bezeichnung E 960 als Süßungsmittel in der Zusatzstofftabelle aufgelistet.

Wie wird Stevia-Süßstoff hergestellt?

Die Herstellung vom Süßstoff Steviol aus Stevia-Blättern erfolgt nach dieser aufwändigen Prozedur:

  1. Stevia-Blätter werden mit Wasser gemischt und es wird Formaldehyd zur mikrobiellen Stabilisierung dazugegeben (18.000l Wasser auf 1t Stevia-Blätter)
  2. Durch die Zugabe von 86kg Metallsalze (Aluminiumhydroxid) wird durch eine Fällungsreaktion ein Zwischenprodukt gewonnen
  3. Mit Hilfe von Ionenaustauscherharzen wird das Zwischenprodukt entsalzt und mit Absorberharzen entfärbt – weitere Stevioglycoside entstehen als Abbauprodukte
  4. Mit Methanol und Ethanol (7500l) wird das eigentliche Endprodukt auskristallisiert

Am Ende von diesem Prozess sind ca. 100kg Steviolglycoside entstanden, was 10% der ursprünglich verarbeiteten Stevia-Blätter entspricht.

Verursacht Stevia Verdauungsprobleme?

Steviolglycoside können die Kommunikation von Bakterien in der Darmflora beeinflussen. Ob sich dies jedoch auch bis zu einer Störung der Darmflora bis zu Verdauungsproblemen hin verändert ist noch ungeklärt. Die Studie zeigt nur, dass die Kommunikation zwischen den Bakterien sich änderte, es aber zu keinem frühzeitigen Absterben von einzelnen Bakterienarten führte.

Verdauungsproblem im Zusammenhang mit Stevia-Extrakten können auch durch anderen Zusatzstoffen bei Stevia-Süßungsmitteln hervorgerufen werden. Viele Stevia Süßstoff-Tabletten enthalten beispielsweise Laktose oder andere Zucker (z.B. Dextrose). Hier lohnt sich ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe.

Ist Stevia ungesund und deshalb nicht für Diabetiker geeignet?

Stevia dockt zwar an die Geschmacksrezeptoren für Zucker an, ist jedoch selbst kein Zucker. Dementsprechend verändert Stevia auch nicht den Blutzuckerspiegel. Dadurch ist Stevia für Menschen mit Diabetis eine gute Alternative für Zucker. Dies bestätigt auch die Deutsche Diabetes-Hilfe.

Manchmal findet sich auch der Mythos, dass der Genuss von Stevia eine Insulinausschüttung bewirkt und dadurch zu einer Unterzuckerung führt. Solche Berichte über einen erhöhten Appetit nach dem Verzehr von Stevia-gesüßten Lebensmitteln sind aber wissenschaftlich nicht haltbar.

Macht Stevia unfruchtbar?

Diesen Mythos habe ich erst durch die Recherche zu diesem Artikel kennengelernt. Es gibt Studien zum Einfluss von Stevia auf die Fruchtbarkeit von Hamstern und Ratten. Diese führten allerdings zu unterschiedlichen Ergebnissen. Kritiker wenden ein, dass die schädigende Wirkung von Stevia in Tierversuchen erst bei extrem hohen Mengen auftraten. Verglichen mit Stevia-Blättern müsste dazu täglich die Hälfte des Körpergewichts an Stevia-Blättern konsumiert werden. In dieser Konzentration wäre auch Zucker giftig.

Für den Kontext muss beachtet werden, dass Stevia-Extrakte schon seit mehreren Jahrzehnte in vielen Ländern Südamerikas und Süd-Ostasiens als Lebensmittelzusatz eingesetzt wird.

Fazit: Ist Stevia ungesund oder gesund?

Stevia wird als natürlicher Pflanzensaft schon seit Jahrhunderten in vielen Kulturen verwendet. Ebenso das industriell erzeugte Steviosid aus den Stevia-Blättern ist schon seit einigen Jahrzehnten in vielen Ländern der Welt als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen und wird in diversen Lebensmitteln eingesetzt. Es gibt also bereits viel Erfahrung mit diesem Süßstoff. Die Zulassungsbehörden attestieren Stevia oder den daraus hergestellten Extrakten keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit.

Stevia ist als Zuckeraustauschstoff gut für Menschen mit Diabetis geeignet. Er hat keine Kalorien und eignet sich deshalb auch zum Abnehmen. Ebenso geht von Stevia auch keine Karies-Gefahr für die Zähne aus.

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