Filmkritik zu Peter Wohlleben: „Das geheime Leben der Bäume“

The Alligator Tree

Nach seinem Bestseller Buch „Das geheime Leben der Bäume“ hat Peter Wohlleben jetzt das Buch als Dokumentarfilm in die Kinos gebracht. Lohnt sich der Film? Eine Filmkritik.

Der Titel vom Film lässt Hoffnungen wachsen, dass er neue Erkenntnisse zu dem Leben der Bäume eröffnet. Und in der Tat überrascht der Film mit spannenden Fakten aus der Wissenschaft. Das Buch hält sich von den filmischen Kapitel eng an das Buch.

Eine Liebeserklärung an den Wald

Im Biologieunterricht wird gesagt: allen Pflanzen und damit Bäume versuchen das meiste Licht, die besten Nährstoffe und den besten Zugang zu Wasser zu bekommen. Im Wald herrscht knallharter Konkurrenzkampf. Wer es nicht rechtzeitig schafft einen Platz an der Sonne zu haben, vergeht einsam im Schatten der anderen Bäume.

Peter Wohlleben: Das geheime Leben der Bäume
Peter Wohlleben: Das geheime Leben der Bäume

Peter Wohlleben: „Das Geheime Leben der Bäume“*

Auf diesem Bestseller baut der Film auf. Eines der schönsten Zitat von Wohlleben: „Mit Naturschutz schützen wir nicht die Natur, wir schützen uns selbst.“

Das geheime Sozial-Leben der Bäume

Die Wissenschaft weiß es inzwischen aber besser. Bäume helfen sich gegenseitig, sie warnen sich vor Gefahren und sie sprechen sich untereinander ab, wann geblüht wird. Und dies über hunderte von Kilometern. Wie dies genau funktioniert, ist noch nicht bekannt. Was aber bekannt ist, dass z.B. Buchen in Gruppe sich über ihre Wurzeln mit Nährstoffen versorgen. So schaffen es auch kleine oder geschwächte Bäume im Schatten ihrer großen Nachbarn zu überleben. Er bekommt von den anderen Bäume dass, was er nicht selbst erzeugen kann. Es klingt wie Fürsorgen für die kommende Generation und Schutz für geschwächte Nachbarn.

Baumplantagen sind keine Wälder

Neben der handvoll interessanten Fakten über die Biologie von Bäumen ist das die Hauptaussage des Filmes. Baumplantagen als Monokulutur, wie sie leider die Mehrheit der „Wälder“ in Deutschland ausmachen, sind eben keine richtigen Wälder. In Deutschland gibt es quasi keinen richtigen Urwald mehr – alles was es gibt, ist forstwirtschaftlicher Nutzwald. Also Wald, der nach Anforderungen der Forstwirtschaft angelegt wurde: hier zielt nicht die Artenvielfalt, sondern die wirtschaftliche Produktivität: Wie viel Holz kann geerntet und profitabel verkauft werden?

Dies zeigt sich dann in großen Baumplantagen die in Reihe und Glied gepflanzt sind. Alles dieselbe Baumart, alle im gleichen Alter. Ist die Zeit der Ernte gekommen, werden die Bäume im schwerem Gerät gerodet. Idealerweise Kahlschlag, dies ist am billigsten. Das Ergebnis sind ausgelaugte, Böden und Pseudo-Wälder. Mit seinem Frust gegenüber der konventionellen Forstwirtschaft kehrt er offen nach außen. Nicht Artenvielfalt und nachhaltiger Waldbau stehen im Vordergrund, sondern schneller Profit. Der Einsatz von Harvestern und andere Erntemaschinen verdichtet den Waldboden und zerstört ihn dadurch. Die Monokulturen aus einer einzigen Baumart sind anfällig für Parasiten, Trockenheit und Stürme.

Bäume mit Persönlichkeit

Skurril wird es mit seiner Behauptung, dass Bäume eine Persönlichkeit besitzen. Diese Vermenschlichung ist vielleicht aber seinem Anspruch geschuldet, eine möglichst breite Leserschaft für seine Bücher zu gewinnen.
Peter Wohlleben berichtet im Film von drei Eichen in seiner Nähe, die dicht zusammen in einem Waldgebiet an der Straße stehen. Jedes Jahr im Herbst erlebt er das gleich Schauspiel: obwohl die Lebensbedingungen am Standort der Eiche alle gleich sind, wählt jede Eiche einen anderen Zeitpunkt, um ihre Blätter abzuwerfen. Er belegt dies mit den Eigenschaften mutiger versus ängstlicher – je später sie ihre Blätter abwerfen, desto länger können sie Photosynthese betreiben. Dies geht aber mit der Gefahr einher, bei einem plötzlichen Kälteeinbruch viel Wasser über die noch nicht abgeworfenen Blätter zu verlieren.

Filmkritik – Lohnt sich der Film?

Das, womit der Film bei mir am meisten gepunktet hat, waren die fantastischen Bilder. Waldeinsamkeit pur! Tolle Luftaufnahmen, faszinierende Zeitraffersequenzen und Makroskopische Aufnahmen aus der Welt der Insekten und der Pflanzen. Das macht Lust, sich gleich in den nächsten Wald zu flüchten und sich auf die Knie zu werfen, um das Waldleben zu bestaunen.

Von den Fakten neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Bäumen ist in dem Film nicht viel zu finden. Der Schwerpunkt liegt definitiv auf Bildern und Anekdoten aus dem Alltag von Peter Wohlleben. Die sind auf jeden Fall spannend, der Unterhaltungswert genießt hier auf jeden Fall Priorität.

Wer eine Dokumentation mit geballten Fakten erwartet, wird hier eher enttäuscht werden. Der Film wendet sich an das Herz. Für den Verstand fällt zwar hin und wieder was ab, aber große Neuigkeiten sollten fachlich interessierte Baumkenner nicht erwarten. Aber Ziel von dem Film ist meines Erachtens auch nicht eine fundierte Kritik an der Holzindustrie und dem mangeldem Naturschutz in Deutschland. Es schwingt zwar immer mit, bleibt aber unkonkret. Am Ende ist der Film von Wohlleben einfach eine Lobeslied an den naturbelassenen Wald.


  • Beitragsbild: „The Alligator Tree“ von Markus Trienke CC BY-SA 2.0
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