9 Tipps, um mit Leichtigkeit vegan zu werden

Anleitung zum vegan werden

Im Internet finde sich viele Ratgeber mit Tipps, um vegan zu werden. Hier zeige ich dir die, die für mich funktioniert haben.

Mit Sicherheit kennst du auch Leute die es schon versucht haben aber nicht lange dabei geblieben sind. Dies ist nichts Ungewöhnliches. Es ist eben nicht leicht, lange gelebte Gewohnheiten zu ändern. Genauso jedoch wie Leute ihre Ernährung auf vegetarisch umgestellt haben kann auch ein veganer Ernährungstil erlernt werden. Alles ist eine Sache des Lernens und wir tun es ständig: egal wie alt, egal ob bewusst oder unbewusst. Doch wie kannst du lernen vegan zu werden?

Diese 9 Tipps haben mir rückblickend geholfen, meine Ernährung zu veganisieren:

1. Werde dir klar darüber, warum du vegan werden willst

Dies ist der wichtigste Schritt von allen. Wenn du es für dich selbst zu 100% begründen kannst warum du vegan werden willst, hilfst du dir selbst dabei schwierige Hürden zu meistern. Das ist nicht nur für dich selbst wichtig, sondern auch für die Menschen in deinem Umfeld die nach den Gründe für deine veganen Ernährungswandel fragen werden. Wenn du dies klar und authentisch begründen kannst wird das von deinem Umfeld respektiert werden und es weckt vielleicht auch das Interesse von Personen in deiner Familie und Bekanntenkreis an veganer Ernährung. Die Gründe für einen solchen Ernährungswandel können vielfältig sein: ökologische Gründe, moralische Gründe, wegen der Gesundheit oder gar die Ablehnung der sozialen Konsequenzen von den Umweltfolgen der Massentierhaltung. Jeder der Gründe ist allein schon ausreichend für eine solche Entscheidung. Einige Gründe findest du in diesem Artikel: 3 Gründe sich statt vegetarisch konsequent vegan zu ernähren.

2. Miste deine Vorräte aus, verschenke sie und decke dich mit veganen Lebensmitteln ein

Es ist wirklich verblüffend wo überall Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs in Nahrungsmitteln zu finden sind. Zum bespiel verstecken sich hinter folgenden Zusätzen tierische Produkte: E 441 (Gelatine), E 542 (Knochenphosphat) oder E 920 (L-Cystein). Du wirst in der nächsten Zeit viel mit dem Lesen von Inhaltsstoffen auf Verpackungen beschäftigt sein. Eier, Milchpulver, Joghurt oder Käse sind in vielen Lebensmitteln enthalten – auch wenn sie auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind. Miste deine Vorräte aus und beschenke die Menschen in deiner Umgebung damit. Sie freuen sich über einen gesparten Einkauf und fragen dich bestimmt auch nach den Gründen für dieses Geschenk. Eine super Übung für den vorherigen Punkt. Gleichzeitig signalisierst du deinen Entschluss vegan zu werden auch gegenüber deinen Mitmenschen. Sie und dich selbst nicht zu enttäuschen kann auch in schwierigen Zeiten helfen. Kein Wandel von alten Gewohnheiten verläuft ohne Schwierigkeiten.

3. Teile und herrsche: jede Woche ein Stück veganer werden

Einige bevorzugen die Holzhammermethode, also vegan werden von heute auf morgen. Andere gewöhnen sich lieber langsam an den neuen Ernährungsstil. Dabei hat jede Person ein tierisches Lebensmittel, was ihr besonders am Herzen lag. Bei mir war es Käse – das einzige Molkereiprodukt was ich wirklich vermisse, auch heute noch.

Bei der Umstellung habe ich mich Schritt-für-Schritt umgestellt. Erst von Kuhmilch auf Hafermilch, dann von Butter auf Magarine und dann habe ich schließlich mich den vielen leckeren Brotaufstrichen als Alternative zu Käse angefreundet. Besonders bei den Brotaufstrichen war mir vorher gar nicht klar, dass es so viele vegane Aufstriche gibt. Mittlerweile kommt mir ein Frühstück aus Brot, Butter und Käse als richtig einseitig vor.

4. Suche dir gezielt leckere vegane Alternativen

Am Anfang der Umstellung auf eine vegane Lebensweise kann das Gefühl aufkommen, dass viele leckere Sachen jetzt verboten sind und die Auswahl an möglichen Lebensmitteln geschrumpft ist. Dieser Eindruck täuscht jedoch. Es gibt einfach so viele andere Möglichkeiten, die vorher gar nicht auf unserem Radar waren. Verschiedene Sorten von Pflanzenmilch, die vielen pflanzlichen Aufstriche oder, wer es braucht, die veganen Käsealternativen. Für meinen Kaffee habe ich versucht mich an schwarzen Kaffee zu gewöhnen. Das hat leider nicht geklappt. Aber nach dem Testen von diversen pflanzliche Milchalternativen bin ich bei Hafermilch gelandet und sehr glücklich damit. Vegane Lebensmittel wie Tempeh (fermentierte Sojabohnen), Räuchertofu, Quorn (fermentiertes Pilzmyzel) oder die Fleischalternativen aus Erbsen kannte ich vorher gar nicht. Erst durch die Umstellung auf eine vegane Ernährungsweise habe ich mich zum ersten Mal ausführlich mit meiner Ernährung beschäftigt. So bin ich auch auf Brennnesseln gestoßen: ein Super-Food was als vegane Protein-Quelle von Leistungssportler*innen genutzt wird.  Es gibt einfach so viel mehr als nur Butter, Wurst und Käse.

5. Vergleiche nicht Äpfel mit Birnen – vegane Alternative schmecken anders und sollen es auch

Ich finde es oft schwierig bei Gesprächen mit Fleischesser*innen oder Vegetarier*innen den Geschmack der Alternativen zu verteidigen. Oft kommt der Kommentar: „Ich würde ja so gern auf [Milch/Butter/Käse] verzichten, aber die veganen Alternativen schmecken einfach nicht.“ Tja, dagegen kann ich nichts sagen. Geschmack ist halt Geschmackssache. Ich habe mich auch nicht dazu entschlossen vegan zu werden weil ich den Geschmack von Fleisch oder Käse nicht mag. In Bezug auf einige Fleischprodukte können vegane Fleischersatzprodukte täuschend ‚echt‘ schmecken. Dies trifft leider nicht auf alle Ersatzprodukte zu. Meiner Meinung nach ist dies auch nicht erforderlich. Du willst vegan werden, weil du für bestimmte Zustände und Folgen der Massentierhaltung nicht mehr verantwortlich sein willst und dies nicht mehr unterstützen magst. Der Geschmack sollte sich nicht an Dingen orientieren, deren Folgen du ablehnst. Drehe den Spieß einfach um: „Kuhmilch schmeckt einfach nicht so lecker wie Hafermilch!“. Und als Fakt kannst du dir sagen, dass für jeden Liter Kuhmilch auch 3 Liter Gülle produziert werden. Das ist der Grund für die hohen Nitratwerte in unserem Grundwasser.

6. Liebe deine Fehler: lieber Millionen flexible Veganer*innen als hunderte Hardcore-Veganer*innen

Perfektion zu erreichen ist unglaublich schwer. Nach dem Pareto-Prinzip erfordern die letzten 20% des Ziels ungefähr 80% der aufgewendeten Energie. Jede Umstellung von lang gepflegten Gewohnheiten erfordert viel Anstrengung und jede Annäherung an das neue Ziel sollte gefeiert werden. Im gleichen Atemzug sollte nicht jeder Rückfall in alte Gewohnheiten kritisiert werden. Sich dauerhaft vegan zu ernähren ist gut für die Umwelt und das Tierwohl. Noch besser ist es, wenn sich viele Menschen diesem Vorbild anschließen wollen und können. Ein übertriebener Perfektionsanspruch erhöht nur die Schwelle zu diesem Wandel. Besser sind viele fast-Veganer*innen statt wenige Hardcore-Veganer*innen. Flexible Modelle eignen sich besser zum vegan werden als ein intoleranter Fundamentalismus. Warum nicht mit einem Wechselmodell beginnen? Eine Woche vegan – eine Woche vegetarisch. Oder schrittweise die Zahl der veganen Wochentage erhöhen. Ich persönlich bin nur zu hause vegan. Unterwegs sind meine Kochmöglichkeiten beschränkt und beim Imbiss oder im Restaurant wähle ich dann die vegetarischen Gerichte und bin mit mir selbst dabei im Reinen. Aber zum Glück wächst die Zahl der veganen Restaurants täglich.

7. Suche dir Gleichgesinnte: Zusammen wird man leichter vegan

Bei der Umsetzung deines Vorhabens ist dies wohl der praktischste Tipp. Idealerweise überzeugst du eine Person in deinem Haushalt oder zumindest eine dir nahestehende Person. Auch wenn es nur für eine kurze Zeit ist, so hilft es enorm. Zusammen einkaufen und vegane Rezepte auszuprobieren ist viel einfacher als sich allein mit der Ernährungsumstellung zu beschäftigen. So könnt ihr euch über Dinge austauschen die euch leicht gefallen und euch gegenseitig bei den Dingen unterstützen, wo das vegan werden noch anspruchsvoll ist.

Vegane Initiative in Deutschland

Wenn du in deiner Umgebung keine interessierten Menschen findest, gibt es auch in sozialen Medien diverse Vegan-Buddy-Gruppen z.B. in Facebook oder eine Art Kontaktbörse für angehende Veganer*innen von Animal Rights Watch. Daneben gibt es auch viele lokale Initiativen mit Rezepten, Tipps und Kontaktbörsen in vielen deutschen Städten wie zum Beispiel:

8. Lasse dir deine veganen Ideale nicht von anderen madig machen

Menschen die sich für eine vegane Lebensweise entscheiden sind immer wieder mit Vorurteilen oder fehlendem Faktenwissen von Familienmitgliedern oder aus ihrem Freundeskreis konfrontiert. Da kommen dann immer wieder ähnliche Argumente wie vegane Ernährung sei ungesund, kompliziert, teuer oder entspricht nicht der menschlichen Natur. Eine Übersicht über verbreitete Mythen über Veganismus findest du hier. Besonders absurd finde ich den Vorwurf, dass der Soja-Konsum von Veganer*innen zur Abholzung des Regenwaldes beiträgt. Dieses fehlende Faktenwissen lässt sich spielend entkräften.

Trotzdem fühlen sich viele Menschen kritisiert wenn Menschen über ihren Entschluss vegan zu leben berichten. Dies hat viel mit dem psychologischen Phänomen der kognitiven Dissonanz zu tun: vielen Menschen ist bewusst, dass Massentierhaltung ein riesiges Umweltproblem ist. Dabei geht es um die Nitratbelastung des Grundwassers, multiresistente Keime durch Antibiotika oder die Regenwaldabholzung für Soja-Anbau als Futtermittel. Es ist allerdings leichter die mahnenden Stimmen im sozialen Umfeld zu kritisieren, statt eigene Gewohnheiten zu ändern. Wenn dir dies bewusst ist, kannst du entspannter Vorurteile durch Argumente entkräften und die Kritik der anderen aus einer anderen Perspektive betrachten.

9. Sei stolz auf dich

Du hast allen Grund stolz auf dich zu sein. Feiere jeden Schritt auf deinem Weg zur veganen Ernährungsweise. Die Änderung von Gewohnheiten erfordert viel Kraft und Ausdauer. Belohne dich regelmäßig zum Beispiel mit dem Besuch in veganen Restaurants. In der Suchmaschine deiner Wahl findest du viele Einträge für Restaurants mit veganen & vegetarischen Gerichten in deiner Nähe. Ansonsten gibt es auch das Portal Veganfreundlich.org mit Adressen von veganen Restaurants in vielen deutschen Städten .

Vegan zu werden ist einfacher als du vielleicht denkst

Vegan zu werden erfordert am Anfang viel Energie, weil deine gewohnten Routinen nutzlos geworden sind. Doch am Ball zu bleiben lohnt sich! Es gibt viele neue spannende Sachen zu entdecken: neue Lebensmittel, neue vegane Rezepte und das gute Gefühl nicht nur etwas für deine Gesundheit zu tun, sondern auch für die Umwelt und damit für uns als menschliche Zivilisation auf diesem Planeten. Und nach einiger Zeit ist es selbstverständlich und die Mühen zu Beginn weichen einem neuen tollen Lebensgefühl!


Titelbild: „go vegan“ von cayooo ( CC BY-SA 2.0)

2 Gedanken zu „9 Tipps, um mit Leichtigkeit vegan zu werden“

  1. Danke für deine pragmatisch, undogmatischen Gedanken für eine vegane Lebensweise. 🙂 In vielen Punkten hab ich für mich einen ähnlichen Umgang gefunden.

    Ganz ohne gesellschaftliche Veränderung gehts allerdings auch nicht. Bisher kochen und brutzeln wir in kleinen Küchen vor uns hin . Lecker, nur energetisch tut es mir immer weh. Beim Lesen kam mir gerade wieder der Gedanke, warum es überall nur Wurst- und Käsetheken in den Supermärkten und überteuerte Aufstriche in Drogerieketten gibt. Da fehlen die leckeren Aufstrichtheken, mit riesen Auswahl und günstig (beim Energieaufwand und preislich) weil in größeren Mengen hergestellt.

    Na wollen wir ein kleines Geschäftsmodell entwickeln?

    1. Hallo Heinz, vielen Dank für das Kompliment.
      Zumindest in den großen Städten nimmt ja die Zahl von vegetarische und veganen Alternativen stetig zu. Insofern ist es zumindest dort leichter vegan zu werden. Aber es ist für mich immer noch unverständlich, warum Tierhaltung mit Steuermitteln subventioniert wird und die Umweltfolgekosten von Massentierhaltung nicht oder nur bedingt in die Preise für Wurst, Fleisch und Milchprodukte einfließen. Preislich sollten vegane Alternativen deutlich billiger sein als Tierprodukte, einfach weil sie weniger umweltschädlich sind und zudem auch gesünder.

      Ich hoffe da auf die neue Bundesregierung ob sie hält was sie verspricht.

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