Hohe Energie- und Gaspreise: Wie hilft die Psychologie beim Sparen?

Die Psychologie des Stromsparens

Angesichts der hohen Energie- und Gaspreise fragen sich viele wie man im Haushalt Strom und Gas sparen kann. Im Internet finden sich dazu viele praktische Ratgeber. Doch wie sich lieb gewonnene Handlungsweisen praktisch ändern lassen gibt es wenig zu lesen.

Die Ratgeber zum Energie und Gas sparen machen es sich oft leicht: weniger heizen, duschen statt baden, mit kaltem Wasser duschen oder unnötiges Kochen vermeiden. Alles gute Tipps zum Energiesparen, jedoch sind sie oft gar nicht so leicht umzusetzen. Und darüber steht in den Ratgebern oftmals nichts geschrieben.

Beispielsweise ist das morgentliche Duschen ist für viele ein wichtiges Ritual, um den Tag zu beginnen. Darauf zu verzichten heißt den Tag anders zu strukturieren oder einen guten Ersatz zu finden. Ein paar psychologische Tricks unterstützen uns bei der Änderung unser Verhaltensweisen.

1. Der ersten Schritt zum Sparen: Erfasse regelmäßig deinen Energie- und Gasverbrauch

Den eigenen Verbrauch von Strom und Gas zu kennen ist wichtig! Es ermöglicht ein Feedback zu den Folgen der eigenen Handlungen. Dadurch werden abstrakte Ziele wie „Ich habe Strom gespart.“ zu konkret messbaren Erfolgen wie „Ich habe diese Woche 4 Kilowattstunden (kWh) weniger verbraucht als letzte Woche“. Wer es noch weiter verfeinern möchte kann den Kilowattstunden auch mit dem Strompreis in Beziehung setzen. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 0,55€ pro kWh wären dies 2,33€. Über das Jahr hinweg summiert sich dieser Betrag schon auf knapp 115€ an gesparten Energiekosten. Dir sind Energiekosten und Begriffe wie kWh noch fremd? Dann hilft dir dieser Artikel über die Berechnung von Stromkosten.

Wie messe ich meinen Strom- und Gasverbrauch?

Für jede Wohnung gibt es Stromzähler und für Gas dann Warmwasserzähler oder teilweise direkt eigene Gaszähler. Idealerweise sind sie leicht zugänglich in der eigenen Wohnung installiert. Teilweise sind sie aber auch im Treppenhaus oder Keller zentral für alle Wohnungen in einem Wohnhaus angebracht. Hier solltest du regelmäßig dir die Werte notieren – mindestens einmal pro Woche. Für einzelne Stromverbraucher gibt es auch Energiekostenmessgeräte für die Steckdose.

Wie helfen dir die Messwerte beim Energiesparen?

Ich notiere mir die Messwerten von Warmwasser, Strom und Gas in einer Tabellen in einem Dokument auf dem Computer. Daraus machen ich mir ein Diagramm mit den jeweiligen Energieverbrauch über die letzten Wochen hinweg. Dies ermöglicht mir eine Einsicht über die Folgen meines Energie- und Gasverbrauches. Ich sehe konkret den Unterschied zwischen täglichem Duschen und das Duschen an nur jedem zweiten Tag. Dementsprechend wird ein abstraktes Sparen zu einem konkret messbaren Sparziel. Ich weiß dadurch nicht nur ob ich spare oder nicht, ich kann sogar das Ausmaß meiner Handlungen ganz genau mit einem Zahlwert verknüpfen.

Der Energiezähler ist dein Freund – behandle ihn auch so!

Wenn du deinen Energiezähler oder deinen Warmwasser- oder Gaszähler in deiner Wohnung hast dann verstecke ihn nicht hinter irgendwelchen Putzsachen. Der Zähler ist dein Freund der dir täglich Rückmeldung über deinen Verbrauch geben kann. Er ist so wichtig wie die Waage im Prozess des Abnehmens. Er zeigt dir deine Erfolge oder weist dich auf weitere Energiesparpotentiale hin.

Werte den Ort des Energiezählers auf – er sollte einfach sein ihn regelmäßig abzulesen und vielleicht auch Freude machen. Vielleicht kriegt er sogar einen schönen Bilderrahmen oder etwas Glitzer auf das schmucklose Gehäuse?

Falls du den Energieverbrauch einzelner Geräte überwachen willst, kannst du dir auch ein eigenes Stromkostenmessgerät* kaufen.

2. Framing: Du tust etwas Gutes beim Sparen!

Framing wird in der Psychologie und Pädagogik mit dem Ziel der Änderung von Perspektiven eingesetzt. Dabei wird ein Sachverhalt aus einer anderen Perspektiven betrachtet. Dadurch kann sich die Wirkung von einem Sachverhalt ändern obwohl der Sachverhalt an sich gleich bleibt.

Das Sparen wegen der hohen Strom- und Gaspreise ist leider für viele Menschen mit geringem Einkommen keine Frage des Wollens. Eine hohe Stromrechnung kann für solche Menschen eine finanzielle Katastrophe darstellen. Ein reduzierter Verbrauch von Gas und Strom ist aber auch aktiv praktizierter Umweltschutz. Jede nicht produzierte Kilowattstunde Strom und jeder nicht geförderter Kubikmeter Erdgas ist ein Beitrag zum Klimaschutz.

Sparen als Klima- und Umweltschutz statt als Verzicht

Als Anreiz sollte nicht nur das gesparte Geld sein, sondern auch als eigene Leistung für eine nachhaltige Zukunft gesehen werden. Verzicht ist kein schöner Anreiz für eine Änderung von geliebten Handlungsweisen. Es fördert nur den Widerstand. Dementsprechend sollte Verzicht für etwas Positives ersetzt werden.

Auch das Sparen von Geld ist ein defensiver Ansatz. Wer genug Geld hat braucht demnach auch nicht sparen. Deswegen sollte das Sparen besser als eigener Beitrag für eine nachhaltigere Zukunft betrachtet werden. Es ist schön und für manche Menschen unabdingbar mehr Geld zur Verfügung zu haben. Jedoch wird die Energiewende weg von fossilen Energieträgern zukünftig eine Frage des (würdigen) Überlebens der Menschheit sein.

3. Finde Ersatz für wichtige Gewohnheiten

Schlechte Gewohnheiten lassen sich leichter ändern wenn sie durch etwas Ähnliches ausgetauscht werden. In der Psychologie wird dies Substitution genannt. Dafür müssen für liebgewonnene aber strom- oder gasintensive Handlungsweise als Ersatz umweltschonende Alternativen geschaffen werden.

Wie wäre es anstelle des häufigen Badens in der Badewanne dies nur noch halb so oft zu tun? Stattdessen wird das seltene Bad in der Badewanne richtig gefeiert – mit Kerzen, einem Glas Wein, Salzstangen und einem spannenden Podcast auf dem Ohren. So wird das seltenere Baden aufgewertet und aus dem Verzicht ist auch ein Gewinn geworden.

Ein anderes Beispiel für eine Substitution ist die Hintergrundbeschallung durch den Fernseher oder den Computer. Auf ihm läuft Musik oder eine Sendung ohne dass wir sie mit voller Konzentration verfolgen. Ein großer Flachbildfernseher oder eine Computeranlage verbraucht viel mehr Strom als ein Radio oder ein MP3-Player. Vielleicht reicht auch ein Podcast vom Smartphone über einen Bluetooth-Lautsprecher.

4. Belohne dich für deine Sparerfolge

Das Belohnungszentrum in unserem Gehirn ist für unsere Gewohnheiten sehr wichtig. Es unterscheidet leider nicht zwischen guten und schlechten Gewohnheiten. Bei Fast Food, Alkohol, oder Binge Watching (Serienmarathon) schüttet es genauso Glückshormone aus wie bei der Erledigung wichtiger Aufgaben oder anderen herausragenden Leistungen wie zum Beispiel Sport. An diese Glückshormone lässt sich leider mit Alkohol oder Chips viel einfacher herankommen als durch anstrengende Sportübungen.

Doch wir können das Belohnungssystem aber auch für das Strom und Gassparen nutzen. Finde einfach Dinge die dir Freude machen und belohne dich dann sofort bei Erreichen deiner Sparerfolge! Der Verzicht wiegt dann nicht mehr so schwer, wenn du gleichzeitig Vorfreude auf eine Belohnung empfindest.

Welche Energiespartipps helfen dir?

Gib mir gerne Rückmeldung über deine Tipps beim Energiesparen. Es gibt bestimmt noch eine Menge anderer psychologische Ratschläge, um das Sparen mit Sinn und Freude zu betreiben. Ich freue mich über Feedback und werde es kontinuierlich in diesen Artikel einarbeiten!


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