Öko-Weihnachtsbaum im Topf, künstlicher Baum und andere Alternativen

Weihnachtsbaum im Topf oder doch lieber ein künstlicher Weihnachtsbaum? Oder gibt es auch ganz was anderes? Der Artikel beschreibt Möglichkeiten, Weihnachten nicht zu einem Fest des Baumsterbens zu machen und trotzdem weihnachtliche Atmosphäre zu haben.

Weihnachtliche Öko-Bilanz

In Deutschland werden jedes Jahr knapp 29 Millionen Weihnachstbäume verkauft. Würden diese zur Aufforstung benutzt werden, ergäbe sich bei 1000 Bäumen pro Hektar eine Fläche von 29.000 ha. Das entspricht einer Fläche von ca. 290 km2 – etwa die Größe des Naturparks Kyffhäuser in Thüringen. Sicher sind Nadelwälder voller Nordmanntannen, Blaufichten und Douglasien nicht die ökologisch wertvollsten Wälder. Doch auch sie tragen dazu bei, CO2 zu binden und bieten vielen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum.

Baum vom Forstbetrieb statt aus der Weihnachtsbaumzucht

Laut Robin Wood stammen 85% der verkauften Bäume in Deutschland aus Weihnachtsbaumkulturen. In diesen werden chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt, um die Bäume in kurzer Zeit fit für den Verkauf zu machen. Allerdings gibt es mittlerweile auch viele Öko-Bäume zu kaufen, die unter den Zertifikaten von Naturland, FSC oder Bioland verkauft werden. Vorsicht ist beim Label PEFC-Forstlabel (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) oder FairForest geboten. Dies sind keine Öko-Siegel, da diese die Nutzung von Kunstdünger und Herbiziden erlauben. Hier ist eine Liste, wo es überall Öko-Weihnachtsbäume zu kaufen gibt.

Wer auf einen frisch geschlagenen Baum Wert legt, sollte diesen bei einem Forstbetrieb kaufen oder mit dem Förster der Region vereinbaren, den Baum selbst zu schlagen. Weihnachsbäume von Forstbetrieben stammen oft von Sondernutzungsflächen. Dies sind beispielsweise Flächen unter Hochspannungsleitungen oder Gas-Pipelines. Hier müssen die Bäume ab einer bestimmten Größe gefällt werden, um den Betrieb der Infrastruktur nicht zu gefährden.

Lebender Weihnachtsbaum mit Wurzelballen statt toter Baum

Wer den Baum länger als nur ein paar Wochen genießen will, sollte unbedingt einen Baum im Topf kaufen. Diese Bäume behalten ihre Nadeln und können später im Garten oder nach Guerilla-Gardening-Manier an kreativen Standorten ausgepflanzt werden.

Weihnachtsbaum auf dem Grünstreifen zwischen zwei Straßen in Hamburg (Quelle: sandergala.de)
Weihnachtsbaum auf dem Grünstreifen zwischen zwei Straßen in Hamburg (Quelle: sandergala.de)

Dabei ist zu beachten, dass der Baum nicht abrupt aus dem warmen Wohnzimmer hinaus in den kalten Boden ausgepflanzt wird. Die Bäume sind in ihrer Winterruhe gestört und sollten ca. zwei Wochen vorher an einem kühlen und hellen Ort gestellt werden, bevor sie ihren endgültigen Standort erhalten. Beim Auspflanzen ist es wichtig die Wurzel nicht zu beschädigen. Tannen mit ihrer Pfahlwurzel können leicht irreversible Wurzelschäden erleiden. Deshalb immer mit dem kompletten Wurzelballen einpflanzen. Besser geeignet sind Flachwurzler wie Fichte oder Douglasie.

Für Kreative: Upcycling-Baum oder Weihnachts-Ficus

Basteln zur Weihnachtszeit – warum nicht gleich mit dem Weihnachtsbaum anfangen? Dieser Weihnachtsbaum besteht hauptsächlich aus Verpackungsmaterial. Knapp 100 grüne und gelbe Eierverpackungen wurden zu einem zwei Meter großen Upcycling-Weihnachtsbaum zusammengeklebt.

Upcycling-Weihnachtsbaum aus Eierverpackungen (Quelle: TransitionsBlog.de CC-BY-SA)
Upcycling-Weihnachtsbaum aus Eierverpackungen (Quelle: TransitionsBlog.de CC-BY-SA)

Eindeutig entspannter ist die Zweckentfremdung vorhandener Pflanzen. Dieser Ficus stieg von einer schnöden Zimmerpflanze zum leuchtenden Weihnachtsbaum auf. Denn nirgendwo ist festgeschrieben, dass nicht auch Laubbäume als Christbaum taugen. Auch hat er die angenehme Eigenschaft keine Nadeln zu verlieren 😉

Von der Zimmerpflanze zum Ficus-Weihnachtsbaum (Quelle: Eugene Kim CC BY 2.0)
Von der Zimmerpflanze zum Ficus-Weihnachtsbaum (Quelle: Eugene Kim CC BY 2.0)

Welcher Baum es für dieses Weihnachten wird, ist Geschmacksfrage. Wer nicht nur sich und seinen Lieben eine Freude machen will, kann auch für die Umwelt was Gutes tun.


 

Buch-Rezension: Adieu, Wachstum! Vom Ende einer Erfolgsgeschichte (Norbert Nicoll)



Mit dem Sachbuch „Adieu, Wachstum! Das Ende einer Erfolgsgeschichte“ legt Norbert Nicoll eine Abhandlung über die Ursachen der sich verschärfenden Krisen, die wir durch unseren westlichen, auf Besitz ausgerichteten Lebensstil verursachen, vor. Das 432 Seiten starke Buch wurde 2016 im Tectum-Verlag (ISBN 978-3-8288-3736-2) veröffentlicht.

Wirtschaftswachstum spielte in 99% der Menschheitsgeschichte keine Rolle

In sieben Kapiteln erläutert Nicoll die Hintergründe der bevorstehenden multiplen Krise aus Klimawandel, Energiekrise und sich erschöpfenden Rohstoffen und beschreibt, wie diese entstanden sind. Er widmet sich kulturellen Mustern und wichtigen Wendepunkten in der Menschheitsgeschichte, ausgehend vom Übergang der Jagd-Gesellschaften hin zur sesshaften Lebensweise (neolithische Wende) und der Intensivierung von Landnutzung und Spezialisierung auf Handwerk und Handel. Über die Entwicklung des Feudalismus zeichnet Norbert Nicoll den Weg bis zu unserem heutigen globalisierten Finanzmarktkapitalismus nach.

Adieu Wachstum von Norbert Nicoll, 432 Seiten, Softcover

Nachhaltigkeits-Problem: Die Diskrepanz von Denken und Handeln

Der große Rückgriff auf die Menschheitsentwicklung ermöglicht Erkenntnisse über kulturelle Muster und Änderungen in unserem Naturverhältnis, die schon lange vor der Industrialisierung die Pfade für die heutige Entwicklung legten. Besonders aufschlussreich ist das zweite Kapitel über die Software in unseren Köpfen: Denk- und Handlungsweisen, die auch heute noch dazu führen, dass wir die kommenden Probleme verleugnen und trotz besseren Wissens am gegenwärtigen Lebens- und Konsumstil festhalten. Durch unsere Mentalen Infrastrukturen (ein Begriff, den der Sozialpsychologe Harald Welzer prägte) erleben wir, d.h. Menschen aus den Industriegesellschaften, die Umwelt als intakt: Flugzeuge fliegen, die Supermärkte sind voll und die Straßen sind sauber. Diese scheinbar heile Außenwelt übersetzt sich auf unser Denken, dass uns eine insgesamt heile Welt vortäuscht: Die externalisierten Probleme wie Dürren, Überschwemmungen, vergiftete Gewässer und fruchtlose Böden im globalen Süden sind zu weit weg, um sie mit unserem Tun in Verbindung zu setzen.

Peak Oil und der Streit um die Reichweite

Wichtige Erkenntnisse liefern die Kapitel Peak Oil und Peak Everything durch Daten zur Endlichkeit der Ressourcen wie Sand, Phosphor, Trinkwasser, fruchtbare Böden und Seltene Erden. Auch für eine globale Energiewende brauchen wir endliche Ressourcen, um z.B. die Neodym-Magnete der Generatoren für Windkraftanlagen zu bauen. Diese als Seltenen Erden bezeichneten Elemente sind schon jetzt selten, aber für viele High-Tech-Geräte, wie sie auch in Wind- und Photovoltaik-Anlagen vorkommen, unverzichtbar. Wie können also nicht warten, bis sämtliche fossilen Energieträger wie Erdas, Erdöl, Kohle und auch Uran verbraucht sind, um uns dann auf erneuerbare Energien und Agrartreibstoffe zu konzentrieren. Der Umbau unserer Infrastruktur braucht selbst große Mengen an fossiler Energie. Je länger wir mit dem Umbau warten, desto leidvoller und krisenhafter wird der Umbau gehen.

Klimawandel und Rohstoff-Krise trifft besonders die Armen

Daran geknüpft ist auch die soziale Frage: für wen wird es in Zukunft noch bezahlbare Energie geben? Der Energiebedarf durch die globale steigende Nachfrage wird auch im reichen Norden irgendwann nicht mehr befriedigt werden können. Zudem ist die Energiekrise nicht nur eine Krise mangelnder Energieversorgung: Peak Oil verknappt auch Erdöl für die Herstellung von Treibstoff, der für den Transport von Gütern und Menschen benötigt wird. Erdöl ist aber auch Ausgangsstoff für viele Pflanzenschutzmittel. Auch mineralischer Kunstdünger wird knapper und damit teurer werden. Die sich verknappenden Rohstoffe werden sich im Preis der Produkte niederschlagen.  Steigende Lebensmittelpreise und Transportkosten für sämtliche Güter, die nicht regional erzeugt werden können, wird für viele Menschen einen Einbruch an Lebensqualität darstellen.

Für wen ist das Buch geeignet?

Das Buch ist sowohl für EinsteigerInnen wie auch für Leute, die sich schon länger für das Thema Postwachstum und nachhaltige Lebensweise interessieren, geeignet. Es zeigt die grundlegenden Probleme des Wachstums auf und damit, dass auch ein „grünes Wachstum“ zu kurz gegriffen ist, um die Grundlage des menschlichen Lebens zu schützen. Der große Bogen, den das Buch schlägt, bietet einen umfassenden Zugang zu den geschilderten Problemen. Fakten und Konzepte werden durch Norbert Nicoll gut durch Quellen belegt, wie es für wissenschaftliche Publikationen üblich ist, ohne aber jedoch deren abstrakten bzw. Fremdwort gespickten Schreibstil zu übernehmen. Dies ermöglicht einen einfachen Zugang für Interessierte. Zugleich bietet Adieu, Wachstum! viele weiterführende Textbelege für Fachkundige, welche dadurch das Buch als Nachschlagewerk nutzen können, um Statistiken, AutorInnen und Konzepte zu prüfen und für die eigene Arbeit zu erschließen.

Wie weiter zur Postwachstumsökonomie?

Was das Buch nicht leistet, ist ein Wegweiser aus den Krisen zu sein, die durch das ungehemmte Wirtschaftswachstum verursacht werden. Schwerpunkt des Buches ist die Analyse, wie es zur Krise gekommen ist. Für deren Lösung diskutiert er kurz einige Möglichkeiten an, wie zum Beispiel:

Wahrscheinlich bräuchte es in einem Folgebuch „Wachstumsrücknahme, willkommen!“, in welchem, ebenso ausführlich wie die Entstehung der Krise, die Lösung für eine Postwachstumsökonomie beschrieben wird. Denn wie Norbert Nicoll richtig feststellt, mangelt es nicht an Wissen darüber, dass die kapitalistische Wachstumslogik die Ursache für die ökologische und soziale Krise ist. Was für den Ausweg aus der Krise fehlt, ist ein positiver Zukunftsentwurf einer Welt, in der wir mehr Zeit für soziale Beziehungen und weniger Lohnarbeit bei gleichzeitiger Befriedigung der Grundbedürfnisse und eine intakte Natur haben, die wir genießen können und die auch für zukünftige Generationen die Ressourcen bereitstellt, die sie für ein „gutes Leben“ brauchen.


ähnliche Artikel


 

Autoreifen – Lösungen für ein Umweltproblem

Autoreifen – ohne sie wären der Güter- und Personenverkehr wie wir ihn heute kennen nicht denkbar. Doch was passiert mit ihnen, wenn sie für den Dienst auf der Straße nicht mehr geeignet sind? Gibt es Recycling-Möglichkeiten?

Autoreifen – eine Verbindung aus Kunststoff, Stahl und Textilgewebe. Durch ihren Verschleiß müssen sie regelmäßig ausgewechselt werden, um die sichere Kraftübertragung zwischen Fahrzeug und Straße gewährleisten zu können. Doch was passiert mit ihnen wenn sie ihre Pflicht getan haben? Für ein paar Euro nehmen Werkstätten und Reifenhändler die gebrauchten Reifen wieder an. Dann landen 70% von ihnen auf Müllhalden. Der Rest wird energetisch wie stofflich verwertet. Energetische Verwertung ist die nette Umschreibung für Müllverbrennung in Kraftwerken oder Zementfabriken.

Recycling von Autoreifen

Bei der stofflichen Verwertung wird der Reifen zerkleinert und in seine Grundbestandteile zerlegt. Reifen bestehen zu 65% aus Kunststoff, zu 30% aus Stahl und der Rest sind textile Gewebe. Aus dem Kunststoff lassen sich Bodenbeläge für Sportplätze oder Matten zur Schallisolation herstellen. Als Zusatz beim Straßenbau lässt sich die Schallabsorbtion der Fahrbahnoberfläche verbessern. Doch für die Masse der Reifen findet sich noch immer keine Anwendung. Sie warten weiterhin in riesigen Deponien auf eine sinnvolle Verwendung. Die Größe der Deponien wächst beachtlich. Schon längst sind sie in das System vom Mülltourismus integriert. In der Wüste Kuwaits findet sich eine große Deponie die auch aus dem Weltall zu erkennen ist. Problematisch wird es, wenn sich diese Deponien entzünden. Brennende Autoreifen sind fast nicht zu löschen und setzen Unmengen an giftigen Verbrennungsprodukten frei.

brennende Reifendeponie in den USA (1986) - über mehrere Woche hinweg dauerten der Brand, welchem ca. 15 bis 20 Millionen Altreifen zum Opfer fielen (Quelle: WIDNR CC BY-ND 2.0)
brennende Reifendeponie in den USA (1986) – über mehrere Woche hinweg dauerten der Brand, welchem ca. 15 bis 20 Millionen Altreifen zum Opfer fielen (Quelle: WIDNR CC BY-ND 2.0)

Mit Nachhaltigkeit hat dies nicht viel zu tun. Verbrennen oder die Einlagerung in Deponien löst das Problem nicht. Das Recycling muss weiter ausgedehnt werden oder die Reifen müssen so gestaltet werden, dass sie länger halten.

Wiederverwendung von alten Autoreifen

Möglichkeiten der Wiederbenutzung Unter der Rubrik „gewollt und nicht gekonnt“ gab es einen Versuch in Florida, Autoreifen als Gerüst zur Ansiedlung von Korallen zu nutzen. Die Besiedlung wurde allerdings durch die Korallen abgelehnt. Die Reifen lösten sich statt dessen vom Meeresgrund und trieben durch das Wasser. Dort beschädigten sie schon bestehende Korallenriffen und wurden mit der Zeit an den Stränden angespült.

In anderen Teilen der Welt haben Menschen sich sinnvollere Anwendungen überlegt. Die Reifen werden weiterveredelt. Aus ihnen lassen sich so praktische Sachen wie Sandalen, Schüsseln oder Gartenmöbel gerstellen.

Sandalen aus Autoreifen - günstig zu haben, Rohstoffe überall verfügbar und mit lokalen Arbeitskräften hergestellt (Quelle: Maureen Didde CC BY 2.0)
Sandalen aus Autoreifen – günstig zu haben, Rohstoffe überall verfügbar und mit lokalen Arbeitskräften hergestellt (Quelle: Maureen Didde CC BY 2.0)

Hierzulande findet man alte Autoreifen als Fender auf Schiffen und an Kaimauern. Sie dienen als elastische Abstandshalter, damit das Schiff durch die Wellenbewegung nicht durch die Kaimauer beschädigt wird. Ansonsten lassen sie sich auf vielen Bauernhöfen finden. Als Gewichte auf Planen schützen sie die darunterliegende Silage (Gärfutter) vor der Witterung. Auch auf Spielplätzen werden sie verbaut. Als Schaukeln oder Klettergerüst. Welche anderen Anwendungsmöglichkeiten Autoreifen haben, wird in den folgenden Artikeln beschrieben.


ähnliche Artikel