Der ökologische Handabdruck ist ein Begriff aus der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Er fasst die Aspekte des täglichen Lebens zusammen, bei denen Personen andere dabei unterstützen, einen positiven Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz zu leisten. Ziel der Maßnahmen ist demnach nicht die Verringerung des eigenen Ressourcenverbrauchs, sondern die Verringerung des Verbrauchs anderer Personen.
Der Handabdruck ist somit das Gegenstück zum ökologischen Fußabdruck, bei dem der eigene Ressourcenverbrauch und damit die selbst verursachten Umweltschäden im Mittelpunkt stehen.
Was ist der Unterschied zum ökologischen Fußabdruck?
Beim ökologischen Handabdruck verschiebt sich der Zielbereich der Maßnahmen. Der ökologische Fußabdruck zielt auf den eigenen Ressourcenverbrauch, während der ökologische Handabdruck auf die Beeinflussung des Ressourcenverbrauchs anderer Personen abzielt. Kurz gesagt, verschiebt sich der Fokus weg vom individuellen Handeln hin zum Handeln auf gesellschaftlicher Ebene.
Wie kannst du deinen Handabdruck verbessern?
Es ist deutlich effizienter, Verbesserungen beim Klimaschutz oder beim Erhalt der Biodiversität über gesellschaftlichen Wandel zu erreichen, als nur das eigene Verhalten zu verändern. Der Einfluss einer einzelnen Person ist im Vergleich zu den rund 83,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern in Deutschland leider recht gering.
Hier ein Beispiel für den Konsum von Lebensmitteln mit unterschiedlichen CO₂-Emissionen:
Steuersenkung für Hafermilch
Durch deine Umstellung von Kuhmilch auf Hafermilch verringerst du deinen ökologischen Fußabdruck merklich, denn die Herstellung von Kuhmilch verursacht etwa die vierfache Menge an CO₂ im Vergleich zur Herstellung von Hafermilch.
Derzeit zahlst du jedoch 19 % Mehrwertsteuer auf Hafermilch, während die klimaschädlichere Kuhmilch nur mit 7 % besteuert wird.
Mit einer klimafreundlichen Anpassung der Besteuerung könnte Hafermilch ebenfalls mit dem ermäßigten Steuersatz von 7 % besteuert werden. Dadurch würde sich ihr Preis um etwa 12 % reduzieren. Dieser Preisvorteil könnte dazu führen, dass deutlich mehr Menschen auf Hafermilch umsteigen und sich der ökologische Fußabdruck bei vielen Personen verringert.
Ökologischer Handabdruck: die wichtigsten Hebel
Im Fall der Steuersenkung auf Hafermilch kannst du allein nur wenig bewirken. Du kannst dich jedoch mit anderen zusammenschließen und gemeinsam für Veränderungen einsetzen:
- Petitionen unterstützen: Aktuell gibt es wieder Petitionen mit der Forderung nach einer Mehrwertsteuersenkung auf vegane Lebensmittelalternativen.
- Engagement in Organisationen: Du kannst einen Umweltschutzverband finanziell unterstützen oder ihm beitreten, der sich für eine klimafreundliche Besteuerung einsetzt.
- Politisches Engagement: Du kannst auch einer politischen Partei beitreten und dich dort für entsprechende Veränderungen einsetzen.
In welchen Bereichen ist eine Veränderung des ökologischen Handabdrucks am leichtesten?
Diese Frage stellst du dir vielleicht beim Lesen dieses Artikels. Eine einfache Antwort gibt es nicht. Als Grundregel gilt jedoch: Je mehr Personen du erreichen möchtest, desto schwieriger wird es.
Am einfachsten sind Veränderungen im direkten Umfeld – also in deiner Familie, deinem Freundeskreis oder deiner Nachbarschaft.
Handlungsfeld Ernährung
Im Bereich Ernährung kannst du vergleichsweise leicht Einfluss auf dein Umfeld nehmen. Das beginnt bereits im Supermarkt: Wenn du Bio-Lebensmittel kaufst und auf regionale Herkunft achtest, unterstützt du nachhaltige Landwirtschaft in deiner Region.
Food-Sharing
Durch Food-Sharing im Freundeskreis oder in deiner Nachbarschaft kannst du dazu beitragen, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren und gleichzeitig soziale Netzwerke stärken. Dabei triffst du möglicherweise auch Gleichgesinnte, die sich Gedanken über die Lebensmittelproduktion und deren Auswirkungen auf die Umwelt machen.
Vielleicht entscheidet ihr euch sogar gemeinsam, sogenannte „Vegan-Buddies“ zu werden und eure Ernährung ganz oder teilweise auf eine pflanzenbasierte Ernährungsweise umzustellen. Hier gibt es ein paar Tipps für eine vegane Ernährung.
Tritt einer Solawi bei
Noch wirkungsvoller ist der Beitritt zu einer Solawi – einer solidarischen Landwirtschaft. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Bio-Bäuerinnen und Bauern sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern im Abomodell. Du zahlst einen festen monatlichen Beitrag und erhältst im Gegenzug regelmäßig eine Kiste mit regionalen Bio-Lebensmitteln. Ich bin selbst seit mehreren Jahren Mitglied einer Solawi. Hier findet du mehr Infos über Solawis und wie du eine in deiner Nähe findest.
Handlungsfeld Transport
Wie kannst du deinen ökologischen Handabdruck im Bereich Verkehr verbessern? Mit der Einführung vom Deutschlandticket wurde das Fahrgastaufkommen im ÖPNV deutlich gesteigert – trotz der schlechten Infrastruktur der Deutschen Bahn. Bahnfahren ist bei den vielen Verspätungen und Zugausfällen oftmals eine Herausforderung geworden.
Deutschlandticket statt Auto
Mit dem Deutschlandticket wurde ein wichtiger Schritt in Richtung Verkehrswende erreicht. Allerdings verschlechtern sich die Rahmenbedingungen zunehmend, weshalb weiterhin für ein günstiges und attraktives Angebot eingesetzt werden muss. Falls dein Arbeitgeber dir noch kein Jobticket anbietet, könntest du dieses aktiv anregen.
Privates Carsharing
Einfacher umzusetzen ist häufig die gemeinsame Nutzung von Autos im direkten Umfeld. Im Kreis von Freundinnen und Freunden oder mit Nachbarinnen und Nachbarn kannst du ein privates Carsharing organisieren.
Wenn jemand ein Auto besitzt und es nur gelegentlich nutzt, ist dies oft sowohl finanziell sinnvoll als auch praktisch für alle Beteiligten. Durch einen Carsharing-Vertrag lassen sich Kosten, Nutzung und Verantwortlichkeiten klar regeln. Einen Mustervertrag für privates Carsharing stellt beispielsweise der Verkehrsclub Deutschland (VCD) zur Verfügung. So vermeidet ihr Konflikte bei Schäden oder Reparaturen und sorgt für ein gutes Gefühl bei der gemeinsamen Nutzung.






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