Kleinwindkraftanlagen – urbane Windenergie auf dem Vormarsch

Hier und da drehen sie sich schon auf Häuserdächern: Kleinwindkraftanalgen in der Stadt.

Warum gibt es den Trend zu großen Windkraftanlagen?

Beim dem Schlagwort Windkraft fallen einem sofort die riesigen Windmühlen ein, wie sie bereits in vielen Gegenden in Deutschland anzutreffen sind. Gemessen an der Gesamtenergieproduktion in Deutschland wurde bereits letztes Jahr mehr Strom aus erneuerbaren Energien (22,1%) erzeugt als aus Kernenergie(16,1%) oder Steinkohle (19,1%). Allein aus Windkraft stammen 8,1% des deutschen Energiemixes [0]. Durch die unterschiedlichen Windbedingungen sind in Deutschland besonders die See- und Küstengebiete, Tiefebenen und die Gebirge für die Produktion von Windenergie geeignet. Dabei nimmt mit zunehmender Höhe auch die Windgeschwindigkeit zu. Das ist der Grund, warum bei den Windkraftanlagen Größenwahn herrscht. Mit 180 Metern Gesamthöhe steht bei Brunsbüttel an der Nordseeküste die größte Windkraftanlage der Welt.

Aerodynamische Vorteile von Luftströmungen in der Stadt

Doch gibt es auch andere geeignete Standorte für die Nutzung von Windenergie: auf Gebäuden. Trifft Wind frontal auf ein Gebäude, so wird er zunächst abgebremst und umfließt das Hindernis. Dabei bilden sich energiereiche Strömungen und Verwirbelungen an den Dachkanten. Diese können genutzt werden, um mit Kleinstwindkraftanlagen Strom zu produzieren. Da die typischen Rotoren mit drei Flügeln bei schnell wechselnden Windrichtungen nur schlecht funktionieren, kommen andere Formen zum Einsatz.

Rotoren mit vertikaler Achse (VAWT)

Rotoren mit vertikaler Achse laufen auch bei veränderlichen Windbedingungen relativ gleichmäßig.

Verdrillter Savonius-Rotor als Kleinwindkraftanlage in der Stadt (Quelle: Popolon CC BY-SA 4.0)
Verdrillter Savonius-Rotor als Kleinwindkraftanlage in der Stadt (Quelle: Popolon CC BY-SA 4.0)

Zum Einsatz kommen überwiegend Savonius- und Darrieus-Rotoren. Savonius-Rotoren finden bereits seit Jahren Anwendung als Belüftungsanlagen auf Schiffs- und Häuserdächern. Durch die gleiche Technik lässt sich mit ihnen auch Strom produzieren. Für die Energieproduktion in Deutschland spielen diese Kleinwindkraftanlagen noch keine Bedeutung.

Inselsysteme setzen schon lange auf Kleinwindkraftanlagen

Anders sieht es bei sogenannten Inselsystemen aus. Gibt es keine Verbindung zum Stromnetz, muss der Strom selbst hergestellt werden. Bei vielen Segelbooten ist beispielsweise eine Kleinwindkraftanlage am Mast installiert um Strom für Beleuchtung, Funk- und Navigationsgeräte zu produzieren. Aber auch bei Gehöften abseits der Dörfer auf dem Land oder bei kleinen Hütten in den Bergen kann damit die Stromversorgungen sichergestellt werden.


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Doku: Die 4. Revolution: Energy Autonomy – sind 100% Erneuerbare Energien möglich?

Die Doku dreht sich um die Frage, ob 100% Erneuerbare Energien möglich sind. Kontroverse Positionen werten durch diverse Interviews gegeneinander gestellt.

Die Frage ist nich OB, sondern nur WANN die Energiewende kommen muss

Der Spannungsbogen wird durch Interviewauszüge mit dem Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IAE) Fatih Birol gesetzt. Im Anzug sitzt er in seinem Büro in Paris und legt durch die scheinbare Kraft der Zahlen dar, dass 100% Erneuerbare nicht in absehbarer Zeit möglich seien. Stattdessen ist ein Umbau der Energieproduktion hin zu mehr Klimaschutz nur durch Atomkraft und Nachrüstung der Kohlekraftwerken mit CCS möglich. Seine Beiträge werden durch Kurzpräsentationen von Windfarmen, Biogas, Photovoltaik und Solarthermieanlagen kontrastiert, die durch die Kommentare vom Solar-Pionier Hermann Scheer verknüpft werden.

  DVD: Die 4.Revolution – Energy Autonomy

Welche Projekte der Energiewende werden vorgestellt?

Thematisch geht es mit kurzen Eindrücken rund um die Welt. Vorgestellt wird eine Modellregion für Erneuerbare Energien in Dänemark, solare Elektrifizierungsprojekte in Mali, Elon Musk mit seinen Tesla Elektroautos, ein engergieeffizientes Bürogebäude in Deutschland, ein Solarthermie-Kraftwerk in Spanien oder das Konzept von Mikrokrediten der Grameen-Bank in Bangladesch und eine Solarfabrik in China. Mit kurzen Statements werden die jeweiligen Projekt vorgestellt und die Gründer_innen berichten schlaglichtartig von ihren Vision. Eine genauere Übersicht über die Energiewende-Projekte liefert die Wikipedia-Seite.

Schwachpunkte der Dokumentation über Erneuerbare Energien

Obwohl die Verstrickungen der Kohle- und Erdölindustrie als Kernproblem der Energiewende herausgearbeitet werden, schafft es der Film nicht konkrete Handlungsansätze jenseits von Appellen an die Industrie zu entwerfen. Vorgestellt werden zumeist Projekte mit mittlerem bis hohem Investitionsvolumen. Einzige Ausnahme bilden die kleinen Bürger_innenprojekte in Mali, die in kleinen Gruppen Solaranlage auf Schulen und Krankenstationen bauen oder ein Pflanzenölkraftwerden zur Stromproduktion betreiben. Insofern adressiert die Dokumentation die wohlhabenden Bevölkerungsschichten, die Investition in die Energiewende als Renditeprojekt betreiben. Nicht kritisiert wird der Konsumstil der reichen Industrie- und Schwellenländer, die auf Kosten anderer die fossilen Ressourcen verbrauchen. Auch der Umbau sämtlicher Stromproduktion zu Wind- und Solarkraftwerken löst die Umweltkrise nicht. Das Problem ist prinzipielle Ressourcenverbrauch, eines auf Wachstum konzentrierten Wirtschaftssystems. Nicht nur die fossilen Rohstoffe sind endlich. Diese Denkfalle des „grünen Kapitalismus“ wird mit dem Rebound-Effekt beschrieben: ökologische Einsparpotentiale werden wieder durch erhöhten Konsum zunichte gemacht.

Schöne Bilder, gute Unterhaltung

Die Macher_innen der Dokumentation haben einen spannenden ca. 1,5h Dokumentarfilm vorgelegt bei dem keine lange Weile aufkommt. Die inhaltliche Schwäche wird durch eindrucksvolle Bilder und professionelle Kameraführung wieder gutgemacht. Der Film thematisiert weder tiefgründig die Problemlagen, noch die Handlungsmöglichkeiten. Er bietet aber einen schön niedrigschwelligen Einstieg in die Problematik, ob 100% Erneuerbare Eniergie möglich sind – bleibt aber einer eindeutigen Antwort schuldig, da er Befürworter_innen und den Chefökonom der IEA in ihren Aussagen urteilsfrei gegenüberstellt. Durch die Wahl der Projekte und die Vielzahl der Beispiele auf der ganzen Welt, besteht aber an der Stoßrichtung kein Zweifel.