MieterInnen können beim Klimaschutz ihren Teil zum Erfolg beitragen

Mieterstrom

Bei Gebäuden mit einem geringen CO2-Fußabdruck, einem geringen Energiebedarf und hohen Anteil erneuerbarer Energien, stellen wir uns meistens ein schönes Einfamilienhaus im Grünen vor. Vielleicht ein Holzhaus mit Gründach und PV-Anlage. Davor steht – neben den Fahrrädern –  noch ein Elektroauto. Für MieterInnen in größeren Wohnhäusern wirkt das wie ein Traum, der nicht erfüllbar ist.

Dabei kann der Traum durchaus Realität werden! Auch in der Mietwohnung besteht die Möglichkeit klimafreundlich zu wohnen. Nachhaltige Immobilien werden immer mehr zum Trend, ergänzt durch eine zukunftsfähige Energieerzeugung mit erneuerbaren Energien. So ermöglicht es eine  Photovoltaikanlage auf dem Dach, die MieterInnen mit sauberem Strom zu beliefern. Ergänzen lässt sich solch eine Anlage mit einem Gründach und die Nutzung des erzeugten Solarstroms für die Akkus der Elektrofahrzeuge. Noch gibt es nur wenige solcher Angebote, aber die Möglichkeiten sind vorhanden und lassen sich gut kombinieren, ohne in Konkurrenz zueinander zu stehen.

Nachhaltiges Bauen & Wohnen für Mehrfamilienhäuser

Nachhaltiges Bauen betrachtet den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden. Es geht somit weit über den Energiebedarf während der Nutzungsphase hinaus. Die Betrachtung reicht von der Herstellung der Baustoffe bis zu ihrer Entsorgung und der Wirkung der Gebäude auf Mensch und Umwelt. 

Auf die Bauweise und Auswahl der Baustoffe haben die MieterInnen keinen Einfluss. Nachhaltiges Wohnen hingegen ist ein Blick auf das Verhalten im Alltag. Die Gebäude stellen eine Ergänzung des nachhaltigen Lebensstils ihrer BewohnerInnen dar und können bestimmte klimafreundliche Entscheidungen vereinfachen. 

Dazu gehört die Entscheidung für eine nachhaltige Stromversorgung durch Solaranlagen auf dem Mehrfamilienhaus – den sogenannten Mieterstrom. Ist die Solaranlage auf dem Dach, können sich die MieterInnen für umweltfreundliche Fahrzeuge entscheiden und ihre Elektroautos oder E-Bikes vor der Wohnungstür mit dem Solarstrom vom Dach laden. Es ist eine bewusste Entscheidung der einzelnen BewohnerInnen für ein nachhaltiges Wohnen.

Im Folgenden erklären wir, wie diese Entscheidungen aussehen können und welche Möglichkeiten VermieterInnen haben, ihre MieterInnen am Klimaschutz zu beteiligen.

Mieterstrom vom Dach: grün und langfristig günstig

VerbraucherInnen, die sich für Mieterstrom vom Dach ihres Gebäudes entscheiden, genießen zahlreiche Vorteile. Der Bezug des Solarstroms schützt nicht nur die Umwelt, sondern auch den eigenen Geldbeutel. Denn zum Zeitpunkt des Angebotes ist der Preis mindestens zehn Prozent günstiger, als beim Grundversorger. Auf Dauer wird der Unterschied sogar deutlich größer – zugunsten der MieterInnen!

Die Kosten für die Stromerzeugung vom Dach bleiben über mindestens 20 Jahre konstant. Damit bleibt dieser Kostenanteil unverändert, während er für Versorger, die ihren Strom an der Strombörse beziehen, ansteigen kann. Hinzu kommen Preisbestandteile, die bei Mieterstrom nicht anfallen, wie Netzentgelte und Stromsteuer.

Mieterstrom-Solaranlage auf Mehrfamilienhaus in Berlin
Mieterstrom-Solaranlage auf Mehrfamilienhaus in Berlin

Wohnungsunternehmen und -genossenschaften können ihren MieterInnen mit Mieterstrom somit einen attraktiven Schutz vor steigenden Strompreisen anbieten und die Partizipation an aktivem Klimaschutz ermöglichen. So spart jede produzierte und genutzt Kilowattstunde Solarstrom klimaschädliche Emissionen ein und ist zudem noch günstiger als Strom aus herkömmlichen Quellen.

Wie Mieterstrom die Elektromobilität nachhaltiger macht

Elektromobilität – sie ist in aller Munde. Doch  besonders klimafreundlich ist das Elektroauto, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien stammt.
Ideal ist daher eine direkte Verbindung der Ladesäule mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach einer Immobilie. Auf diese Weise erhöht sich der Eigenverbrauch des Solarstroms im jeweiligen Gebäude und damit auch die Wirtschaftlichkeit der PV-Anlage. Eine Ladesäule direkt am Haus ergänzt somit das nachhaltige Mieterstrom-Angebot und erleichtert den MieterInnen die Entscheidung für die Nutzung eines Elektrofahrzeugs.

Entsprechende Energie- und Mobilitätskonzepte auf der Basis von Strom aus PV-Anlagen sind facettenreich. So gibt es Projekte, die Carsharing-Modelle mit Elektrofahrzeugen anbieten, um die städtischen Straßen zu entlasten. Dadurch benötigen die MieterInnen keine eigenen Elektrofahrzeuge und es sind weniger Stellplätze notwendig. Ein Beispiel für eine solche Verbindung von Mieterstrom mit einem Angebot für Carsharing ist das Projekt Winner in Chemnitz.

Grüner Strom noch grüner: PV-Anlagen auf dem Gründach

Sowohl Photovoltaikanlagen als auch die Dachbegrünung sind eine sinnvolle Nutzung der vorhandenen Flächen. Dies muss nicht bedeuten, dass sie sich gegenseitig ausschließen. Eine nachhaltige Kombination von Gründach und Photovoltaikanlage ist möglich. Wichtig ist jedoch darauf zu achten, dass die geplante Bepflanzung die PV-Module nicht verschatten kann.
Dann wirkt sich das Gründach positiv auf den Ertrag der Solaranlage aus. Denn die Dachbegrünung hat eine geringere Wärmeabstrahlung als ein Dach mit reiner Abdichtung oder mit Kies. Das führt zu einer geringeren Strahlungstemperatur des Daches, was sich wiederum positiv auf die Effizienz, bzw. den Ertrag, der Module auswirkt. Nebenbei sorgen Gründächer auch für ein angenehmes Stadtklima, indem ihre Bepflanzung photosynthetische Prozesse unterstützt und die Wärmespeicherung der sonst freigelegten Dachfläche unterbindet. 

Dadurch ist das Dach ebenfalls geringeren thermischen Belastungen ausgesetzt, was die Lebensdauer der Dachhaut erhöht. Zusätzlich verringert sich die Erwärmung in den Wohnungen unterhalb des Daches.
Im Winter wirkt die Dachbegrünung hingegen wie eine zusätzliche Schicht Wärmedämmung und die Räume unter dem Dach kühlen langsamer aus, was eine positive Wirkung auf die Energiebilanz des Gebäudes erzielt.

Das Gründach ist außerdem eine kleine Oase für heimische Insekten und Vögel, die in den Städten mit der Abnahme an Grünflächen zu kämpfen haben.
So leistet die Kombination von Photovoltaik und Gründach nicht nur einen Beitrag zur Entlastung der MieterInnen und zum Klimaschutz. Sie unterstützt letztendlich auch die Biodiversität in den Städten.

Fazit

Eine Solaranlage auf dem Dach des Mehrfamilienhauses ist ein wichtiger Schritt, um MieterInnen einen Beitrag zum Klimaschutz zu ermöglichen! Sie kann Bestandteil eines nachhaltigen Gebäudekonzeptes sein. Durch die Kombination von einer PV-Anlage mit verschiedenen Nachhaltigkeitsmaßnahmen, wie einem Gründach oder dem Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität, kann die maximale Entlastung für die Umwelt erzielt werden. Gleichzeitig wird die Energie- wie auch Mobilitätswende gefördert. So ergeben sich auch zahlreiche klimafreundliche Zusatzangebote für MieterInnen in Mehrfamilienhäusern, was die Partizipation am Klimaschutz für sie vereinfacht und ein nachhaltiges Wohnen ermöglicht.


Gastartikel von Andreas Kühl


 

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