Geplante Obsoleszenz - Durch Schrott zum Wirtschaftswachstum

Glühbirne als Ziel von geplanter Obsoleszenz durch das Phoebus-Kartell

Glühlampe mit künstlich verkürzter Lebensdauer (Quelle:  jaesuhn.tjl CC BY-SA 2.0)

Hoch entwickelte Hightech-Materialien und Konstruktionsprinzipien ermöglichen den Betrieb von Maschinen unter Extrembedingungen wie im Weltraum oder unter Wasser. Doch ist es scheinbar immer noch schwierig, langjährig sicher funktionierende Elektrogeräte für den normalen Hausalltag zu produzieren. Dahinter steckt jedoch in vielen Fällen Kalkül.

Geplante Obsolszenz als Design-Ziel

Durch die Strategie der Geplanten Obsoleszens werden beispielsweise in der Mechanik oder Elektronik von Geräten bewusst minderwertige Materialien verarbeitet, die nach einer vorher definierten Betriebszeit zur Funktionsverschlechterung oder gar zum kompletten Defekt des Gerätes führen. Im besten Fall passiert dies kurz nach Ablauf der Betriebsgarantie.

Ingenieurskunst auf obsoleten Wegen

Erreicht wird dies beispielsweise durch „alternde“ Bauteile, also Materialien die im Verlauf der Zeit sich strukturell verändern und irgendwann nicht mehr den technischen Anforderung für den Betrieb in der Maschine mehr genügen. In der Mechanik werden beispielsweise stabile Metallteile durch schneller verschleißende Kunststoffkomponenten ersetzt. Ab einen bestimmten Punkt kann dieses Bauteil die in der Maschine herrschenden Kräfte nicht mehr verkraften und bricht. In manchen CD-Laufwerken werden für das Ein- und Ausfahren der Schublade statt Schneckenrädern aus Metall ein einfacher Riemenantrieb aus Kunststoff eingesetzt. Dieser wird durch die Alterung immer steifer, bis die Schublade nicht mehr korrekt arbeitet. Doch auch in der Elektronik können Schwachstellen versteckt sein. Bestimmte Kondensatoren in Elektroschaltungen verlieren durch Hitze mit der Zeit ihre Speicherleistung. Wenn diese konstruktionsbedingt in der Nähe von heißen Bauteilen verbaut sind, ist ein baldiger Ausfall vorprogrammiert. Viele LCD-Bildschirme finden dadurch ihren Weg in den Elektro-Schrott. Ein Austausch der nur wenigen Cent teuren Kondensatoren könnte dem Gerät wieder Leben einhauchen. Doch durch schlecht dokumentierte Reparaturanleitungen oder schwer zu öffnende Gehäuse ist die Reparatur oftmals teurer als der komplette Ersatz.

Die Tricks der Industrie

Auf den ersten Blick ist es widersprüchlich: statt ingenieurswissenschaftliches Wissen für die Verbesserung von Geräten zu investieren, wird an deren gezielten Verschlechterung gearbeitet. Doch betriebswirtschaftlich macht dies Sinn. Geht ein Gerät kaputt, muss ein neues angeschafft werden. Durch die Steigerung des Absatzes steigt auch der Gewinn der Firmen, die an der Produktion und Vermarktung der Geräte beteiligt sind. Dies geht allerdings nur in Marktsegmenten, wo wenige Firmen die komplette Nachfrage bedienen. Ansonsten könnten sich Konkurrenten mit langlebigen Produkten am Markt durchsetzen. Aber auch in diesen Märkten kann durch Absprachen zwischen den Produktionsfirmen sich auf einen Schrott-Standard geeinigt werden. Dies passierte 1924 durch das Phoebus-Kartell, welche die konstruktionsbedingte Lebensdauer von Glühbirnen auf 1.000 Stunden begrenzte, was knapp 42 Tage sind. Alle Hersteller verpflichteten sich vertraglich zu dieser Reduktion. Abweichler wurde durch Geldstrafen wieder auf Linie getrimmt. Zu der Zeit gab es bereits Glühlampen auf dem Markt, die bis zu 2.500 Stunden brannten (dazu der Film "The Light Bulb Consiracy"). Auch heute noch sind Glühlampen für Kühlschränke in den Supermakrtregalen zu finden, die eine Lebensdauer von nur 1.000 Stunden haben. Das es auch anders ging, zeigten die Glühlampen aus dem Ostblock. Aufgrund des anderen Wirtschaftsmodells, machte Geplante Obsoleszenz keinen Sinn. Die Lebenserwartung der Birnen lag hier zwischen 2.500 und 5.000 Stunden. In der DDR wurden 1983 kurzzeitig Glühbirnen hergestellt, die 150.000 Stunden hielten. Das sind circa 17 Jahre Dauerleistung. Produkte mit langer Lebensdauer liegen jedoch nicht im betriebswirtschaftlichem Interesse von Firmen. Gewinn wird nur gemacht, wenn die Produkte auch gekauft werden. Je schneller ein Artikel verschleißt, desto eher wird er ersetzt. Die künstliche Verkürzung des Produktlebenszyklus führt zu Wirtschaftswachstum, da mehr Produkte verkauft, entsorgt und wieder produziert werden müssen. Volkswirtschaftlich ist dies jedoch kontraproduktiv. Durch qualitativ minderwertige Geräte entstehen in Deutschland ein Schaden von 100 Milliarden Euro pro Jahr. Auch ökologisch gesehen fallen die verschwendeten Ressourcen ins Gewicht. Ungefähr 120 kg zusätzlicher Abfall entstehen dadurch pro Einwohner und Jahr, der vermeidbar wäre (Studie der Grünen).

Wie kann ich mich vor Geräten mit eingebauter Obsoleszenz schützen?

Aufklärung hilft – und hier setzen einige Projekte an. Um verdächtige Produkte zu melden kann die Plattform Murks? Nein Danke! genutzt werden. So lässt sich schon vor dem Kauf eines Gerätes prüfen, ob andere Käuferinnen und Käufer bereits schlechte Erfahrungen machen mussten. Falls das Gerät doch schon gekauft wurde und die Garantiezeit bereits abgelaufen ist, hilft nur noch die Reparatur. Wer da nicht schon mit Schraubenzieher und Lötkolben auf die Welt kam, dem kann in Repair Cafes geholfen werden [5]. Hier treffen sich bastel- und technikfreudige Menschen um sich gegenseitig dabei zu unterstützen den Schrott wieder flott zu machen. Auf politischer Ebene waren die Bemühungen bislang erfolglos per Gesetz gegen die Ressourcenverschwendung vorzugehen. Im April diesen Jahres wurde versucht, eine verbindliche Mindestnutzungsdauer von Geräten zu verabschieden, in der der Hersteller die Beweislast im Falle eines vorzeitigen Defektes zu tragen hat. Ein Gesetzentwurf von der Partei Die Linke scheiterte an den Stimmen von CDU und FDP. Die SPD enthielt sich der Stimme. Auch Bündnis90/Die Grünen enthielten sich, obwohl sie bereits durch eine Studie zu diesem Thema den Handlungsbedarf festgestellt hatten [5]. Dies zeigt die Wichtigkeit, für eine nachhaltige Welt selbst aktiv zu werden. Konkret bedeutet dies sich zu informieren und gezielt einzukaufen. Das schont den eigenen Geldbeutel, die Umwelt und spart Zeit durch weniger Einkäufe.


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