Film: „Frohes Sachaffen“ - Eine Kritik der Arbeitsmoral

Frohes Schaffen: Protest vor dem Jobcenter beim Bildungsstreik durch überlastete Studenten

Überlastete StudentInnen brechen vor dem Jobcenter zusammen [Bildausschnitt vom Bildungsstreik / Quelle: Niels Flöter CC BY-SA-3.0]

Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral – Mit diesem Untertitel wirft Konstantin Faigle tiefgreifende Fragen auf: Wie sinnvoll ist Arbeit und ist Arbeit für uns eine Ersatzreligion geworden? Wie passt dies zu einer nachhaltigen Gesellschaft? Der Dokumentafilm wendet sich an unsere innere Haltung. Welchen Wert hat Arbeit für uns und wie wird Arbeit in der Gesellschaft anerkannt? In einer Mischung aus Interviews mit ExpertInnen, Spielszenen und dokumentarischen Elementen sät er Zweifel.

DVD "Frohes Schaffen -  Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral" von Konstantin FaigleDVD "Frohes Schaffen -  Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral" von Konstantin Faigle

Nachhaltiger Lebensstil durch weniger Arbeit

Eine gut bezahlte Lohnarbeit ist heutzutage Sinnstiftung und Garant für eine hohe Lebensqualität. Lebensqualität über Konsum: schöne Wohnung, teures Auto und ferne Reisen. Doch der Aspekt der Zeit für Familie und FreundInnen bleibt oft auf der Strecke. Dabei sind soziale Beziehungen oft viel befriedigender als der Konsum von Luxusartikeln. Dies belastet nicht nur Umwelt, oft fehlt schlicht die Zeit sich mit den neuen Gadgets ausgiebig zu beschäftigen. Die Befriedigung kommt durch das Kaufen und das Besitzen – das Nutzen verliert immer mehr an Wert.

Unsere Matrix ist das Heilsversprechen durch Arbeit

Wir Leben in einer Zeit, wo Leute entweder zu viel arbeiten und an der Grenze zum Burnout stehen oder Leute, die aufgrund von Arbeitslosikeit in Sinnkrisen und Selbstzweifeln stecken. Dies wird im Film durch die Spielszenen verdeutlicht, die an den Beispielen: selbstständiger Ingenieur, freie Medienschaffende und Ladenbesitzerin verdeutlicht werden. Sie alle leiden unter ihrer Arbeit und finden im Laufe des Filmes andere freudvolle Beschäftigungen, die nicht im Kontext von Lohnarbeit stehen.

Arbeit als Religion

Das ist eine der zentralen Thesen des Filmes. Wir bekennen uns nicht zu ihr und wir bauen ihr keine Tempel um sie zu huldigen. Aber ansonsten erfüllt die Arbeit alle Merkmale, die auch eine Religion hat. Wir glauben, dass Lohnarbeit Orientierung gibt, Lebenssinn ist und uns zu sozialen Menschen macht. Wir glauben an die Möglichkeit von Vollbeschäftigung und unbegrenztes Wirtschaftswachstum. Wohl wissend, dass beides sehr unwahrscheinlich ist. Ähnlich wie in Religionen an Auferstehung oder Jungfrauen im Paradies geglaubt wird. Trotzdem stehen wir jeden Morgen auf, gehen zu Arbeit und erzählen uns gegenseitig, dass alles so seine Ordnung hat. Wenn sie alle nur anstrengen, dann hat auch jeder und jeden einen gut bezahlten Job.

Wie sieht ein bessere Arbeitswelt aus?

Als positiver Gegenentwurf dient ein Angestellter in einem Matratzen-Geschäft. Er arbeitet nur an drei Tagen die Woche, verbringt viel Zeit mit seiner Tochter und erfreut sich an seinen Hobbies Mofa fahren und Ukulele spielen. Die Lösung liegt in der gerechten Verteilung von Arbeit und Einkommen. Aber eine Lösung aufzuzeigen ist nicht Ziel des Dokumentarfilms. Er stellt Fragen und regt zum Nachdenken an. Er bietet aber keine Argumentation über Vor- und Nachteile alternative Arbeitsmodelle.

Bedingungloses Einkommen oder gerechte Arbeitsverteilung

Im Film werden Szenen von einer Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen gezeigt. Sie machen für das BGE auf der Straße Werbung und PassantInnen erzählen, wie sie über Arbeit denken. Dies könnte ein Weg sein, wenn es nicht gelingt Arbeit gerechter zu verteilen und angemessen zu bezahlen. Doch die Frage nach der Lösung bleibt offen. Diese zu beantworten ist von Konstantin Faigle auch gar nicht gewollt. Vor einer Lösung muss zuerst das Problem klar sein. Und darauf zielt der Film: Zweifel an unserer Arbeitsmoral und unseren Umgang mit Arbeit zu sähen. Und dies schafft er sehr gut. Ein Film, den ich gerne empfehle für Leute, die sich nach einem Leben außerhalb vom Hamsterad sehnen.


ähnliche Artikel zu nachhaltiger Lebensweise